Pünktlich zur Heizsaison wollen viele Gasversorger ihre Preise um teilweise mehr als 13 Prozent anheben, eine weitere Preisrunde steht für Januar in Aussicht. Für den "Durchschnittshaushalt" mit 100 m² (gas-)beheizter Wohnfläche und vier Personen (Kochen und Warmwasser) bedeutet dies bis zu 100 Euro Mehrkosten im Jahr.
Begründet wird die kommende Preiserhöhung mit der Koppelung der Gaspreise an den Ölpreis. Diese Koppelung ist nicht gesetzlich festgeschrieben, wohl aber in den Lieferverträgen zwischen Importeur und Lieferant.
Erst seit rund 30 Jahren wird Erdgas in größerem Umfang zur Energieversorgung von Privathaushalten und Industrie verwendet. Etwa 20 Prozent der rund 100 Milliarden in Deutschland jährlich verbrauchten Kubikmeter stammen aus einheimischer Förderung. Hauptimportländer sind Russland (31 Prozent des Marktes), Norwegen (25 Prozent) und die Niederlande (16 Prozent). Zur Zeit sind in Deutschland rund 17 Millionen Haushalte an die Ergasversorgung angeschlossen. Erdgas ist mit über 22 Prozent, nach Mineralöl, zweitwichtigster Primärenergieträger in Deutschland.
Seit Beginn der Importe sorgt die Ölpreisbindung dafür, dass der Gaspreis mit rund einem halben Jahr Verzögerung dem Weltmarktpreis für Öl folgt. Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft e.V. (BGW) nennt diese Preisgestaltung, die die Importeure an die Energieversorger weitergeben, "wirksamen Verbraucherschutz".
Da sich Erdgas, anders als Heizöl, für den Kunden nicht bevorraten lässt, ist damit eine gewisse Transparenz und Kalkulierbarkeit gegeben. "Die Ölpreisbindung ist zudem keine Einbahnstraße nach oben, sondern gewährleistet, dass die Gaspreise bei fallenden Ölpreisen ebenfalls sinken", so BGW-Hauptgeschäftsführer Wolf Pluge. "Und dass dieser Mechanismus funktioniert, belegt die Tatsache, dass die Gaspreise zwischen 1985 und 2002 um rund 3 Prozent gesunken sind, während die Inflationsrate in diesem Zeitraum insgesamt rund 38 Prozent betrug."
Auf der anderen Seite spiegelt diese Preisgestaltung nicht den tatsächlichen Einkaufspreis der Importeure wieder und Verbraucherschützer erkennen die Ölpreisbindung nicht als Rechtfertigung für Preisanpassungen an. Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher erklärt die kommenden Preiserhöhungen für "nicht nachvollziehbar".
Zum einen würde die Anhebung der Lieferpreise an die Kommunalversorger nur rund sechs Prozent betragen, zum anderen würden die reinen Bezugspreise, die den Endkunden in Rechnung gestellt würden, nur rund ein Drittel der Gasrechnung ausmachen. Eine Preisschwankung im Einkauf um sechs Prozent dürfte sich demnach bei den Verbraucherpreisen mit nur zwei Prozentpunkten auswirken.
Laut Statistik des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sind die tatsächlichen Einfuhrpreise für Erdgas von Januar bis Ende Juni gar um 10,8 Prozent gesunken.
Inzwischen reagiert auch das Bundeskartellamt mit einer "informellen Prüfung" auf Beschwerden rund um die Preisgestaltung am deutschen Gasmarkt. Der Bund der Energieverbraucher hat in einer Erhebung der Gaspreise für 30 Städte Preisunterschiede von bis zu 30 Prozent ermittelt. Für die Verbraucherschützer Beleg genug, dass "mit den Gaspreisen etwas nicht stimmt".
Im Übrigen werden auch die Strompreise für Privatkunden kräftig anziehen: Der Energiekonzern RWE hat gerade eine Preiserhöhung um fünf Prozent zum 1. Januar 2005 angekündigt.