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News vom 04.11.2004

Weil zum Beispiel Brennstoffkosten unterbewertet werden...

Vollkostenvergleiche von Heizsystemen sind oftmals irreführend

Pauschale Vollkostenvergleiche von Heizsystemen sind wenig geeignet, privaten Bauherren und Modernisierern eine sinnvolle Beurteilung eines Heizsystems zu ermöglichen. Im Gegenteil: Die Ergebnisse solcher Pauschalvergleiche können für Privatleute womöglich sogar irreführend sein. Denn sie vermischen echte Kosten und rein kalkulatorische Werte, beruhen zudem zum Teil auf Schätzungen und Pauschalisierungen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für wirtschaftliche Oelheizung e.V. (IWO) nach einer Untersuchung verschiedener Vollkostenvergleiche.

Größtes Manko solcher Vollkostenvergleiche: Hoch effiziente und emissionsarme Heizgeräte wie Brennwertanlagen, deren Einsatz auch vom Gesetzgeber gefördert wird, schneiden bei dieser Rechenmethode schlecht ab. Denn aufgrund der Einbeziehung kalkulatorischer und möglicher künftiger Kosten erhalten die Investitionskosten im Verhältnis zu den laufenden Kosten – insbesondere zu den Brennstoffkosten – eine viel zu große Bedeutung.

„Weit besser geeignet für die Sichtweise von privaten Bauherren“, so erklärt IWO-Geschäftsführer Prof. Christian Küchen, „ist die getrennte Betrachtung von einmaligen Investitionen und tatsächlichen laufenden Kosten.“ Vor allem die Investitionskosten nämlich sind stark von den persönlichen Vorstellungen und den individuellen baulichen Gegebenheiten abhängig und daher nur unvollkommen pauschal zu erfassen. Hier spielen unter anderem Faktoren wie Lage des Gebäudes, Aufstellort der Heizanlage und Qualität der Heiztechnik, sowie das regionale Preisniveau des Handwerks eine wesentliche Rolle.

„Außerdem muss grundsätzlich zwischen einem Neubau und einer Modernisierung unterschieden werden“, erklärt Professor Küchen weiter. „Denn aufgrund des höheren Wärmeschutzes in einem Neubau ergeben sich beachtliche Unterschiede beim jährlichen Energiebedarf und damit bei den jährlichen Brennstoffkosten. Zudem fallen Handwerksleistungen, die bei einer Erstinstallation notwendig sind, bei einer Modernisierung gar nicht an.

Die separate Ausweisung von Investitionen und laufenden Kosten hingegen schafft Transparenz und erleichtert somit die Entscheidung für oder gegen ein Heizsystem. So reduziert zum Beispiel die Mehrinvestition in eine verbrauchsarme Brennwertanlage die laufenden Energiekosten. Die separate Ausweisung der betriebs- und verbrauchsgebundenen Kosten ist besonders für Privatleute ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium, weil dieser Posten als ständig wiederkehrender Teil der Lebenshaltungskosten das Haushaltsbudget beeinflusst.

Welcher Stellenwert den Brennstoffkosten beikommt, verdeutlicht ein Blick auf die Gesamtbrennstoffkosten allein der letzten zehn Jahre: Für 3000 Liter Heizöl beziehungsweise für die entsprechende Wärmemenge Erdgas (33.540 kWh) musste ein Gasheizungsbesitzer zwischen 1994 und 2003 bundesdurchschnittlich insgesamt 12.100 Euro aufwenden, ein Besitzer einer Ölheizung hingegen nur 8.846 Euro.

Schwer durchschaubar wird es für einen privaten Bau- oder Modernisierungsinteressenten, so vermuten die IWO-Experten, durch die vielfach in Vollkostenvergleichen angewendete Vermischung der zum Anschaffungszeitpunkt tatsächlich anstehenden Kosten mit rein kalkulatorischen und möglichen zukünftigen Kosten. Wenn etwa der Betrachtungszeitraum für die Investition beliebig auf 20 oder gar 40 Jahre festgelegt wird oder wenn Zinsaufwendungen für eine womöglich gar nicht in Anspruch genommene Fremdfinanzierung angesetzt werden, mag das erklären, warum Vollkostenvergleiche von unterschiedlichen Organisationen zumeist zu völlig abweichenden Ergebnissen führen. Einem privaten Bau- oder Modernisierungsinteressenten aber macht es die objektive Beurteilung eines Heizsystems nur schwerer.
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