Mit 144.500 Ökostromkunden bundesweit und einem Umsatz von 29,9 Millionen Mark hat die NaturEnergie AG, Grenzach-Wyhlen, ihr zweites Geschäftsjahr abgeschlossen (30.9.). Damit ist die NaturEnergie AG Marktführer bei den reinen Ökostromanbietern. Als Geschäftsergebnis schreibt der südbadische Händler von grünem Strom eine schwarze Null. Seit Januar 2000 bietet das Unternehmen seine Marken NaturEnergie Silber und NaturEnergie Gold bundesweit an. Neue Kunden will der Stromhändler künftig vor allem durch Vertriebskooperationen und eine Neupositionierung in der Werbung "jenseits der Öko-Ecke" gewinnen. Für das Geschäftsjahr 2000/2001 erwartet die NaturEnergie AG eine Umsatzsteigerung von gut 20 Prozent auf 36 Millionen Mark.
Die Bereitschaft privater Stromverbraucher, ihren Lieferanten zu wechseln, ist noch nicht sehr groß. Da sind irreale Ängste am Werk, was die Versorgungssicherheit betrifft", sagte Kai-Hendrik Schlusche, Vorstand Kundenservice und Großkunden der NaturEnergie AG, bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Stuttgart. "Diese Zurückhaltung ist bei grünem Strom noch größer als bei Egalstrom, der bekanntlich aus Atom- oder Kohlekraftwerken kommt" so Schlusche. Mit mehr Service, der hohen Qualität des Stroms der Marke NaturEnergie und der Einfachheit des Anbieterwechsels werde man jedoch weitere Neukunden gewinnen und die Position als Marktführer festigen.
Auf die verhaltene Wechselbereitschaft reagiert die NaturEnergie AG mit einer strategischen Neuausrichtung. "Wir gehen raus aus der puren Öko-Ecke," sagte Andreas Fußer, Vorstand Privatkunden der NaturEnergie AG, in Stuttgart. Schließlich seien die Kunden des Unternehmens keine "Öko-Aktivisten", sondern verantwortungsbewußte Menschen, die bequem ihren Beitrag zu einer sauberen Umwelt leisten wollen. "Umweltschutz auf Knopfdruck" lautet das Motto der von der Düsseldorfer Agentur Butter neu entwickelten Werbekampagne.
Scharfe Kritik übte Fußer an der Kommunikationsstrategie der Energiemultis. So werbe aktuell ein Energieriese mit bekannten Schauspielern für seine neue Strommarke unter dem Slogan "Strom aus Sonne, Wasser und Wind." Gleichzeitig baue er das Atomgeschäft mit osteuropäischen Kraftwerken aus, so als Hauptabnehmer des umstrittenen tschechischen Reaktors Temelin.
Zur Akquisition von Kunden setzt die NaturEnergie AG zunehmend auf die Zusammenarbeit mit Partnern. Dazu gehören die Internet-Plattform astromo.de, die Zeitschriften Reformhauskurier und Ökotest-Magazin, der Telefonprovider Callino, die Versicherungen Rheinland und Securvita, sowie Ricosta Kinder- und Jugendschuh. Als richtungsweisend für ganz Deutschland bewertet das Unternehmen den Rahmenvertrag, den es mit den Landeskirchen in Baden-Württemberg im Sommer abgeschlossen hat. Auf der Basis dieses Vertrages sind von allen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden bereits mehr als 250 Gemeinden mit über 1.000 Abnahmestellen zur NaturEnergie gewechselt. "Das ist für uns ein großer Erfolg und unterstreicht den Qualitätsanspruch unseres Stroms", sagte NaturEnergie-Vorstand Schlusche bei der Pressekonferenz in Stuttgart. Schon seit zwei Jahren arbeitet die NaturEnergie AG mit den Neckarwerken Stuttgart zusammen, einem der größten Energieversorger in Deutschland.
Zur Situation auf dem Ökostrommarkt erläuterte Fußer, dass dieser mit über 70 Wettbewerbsangeboten für den Stromkunden wenig transparent sei. Auch habe sich bisher keines der vielen Qualitätssiegel durchgesetzt. Die NaturEnergie AG setzt bei seiner Marke NaturEnergie Gold auf das Zertifikat des Ökoinstituts Freiburg und hat NaturEnergie Silber vom TÜV Management-Service Süd zertifizieren lassen. "Am meisten Glaubwürdigkeit erzielen wir aber durch Besichtigungen der modernen und architektonisch schönen Wasserkraftwerke, von denen wir einen Großteil unseres Stroms beziehen," ergänzte Fußer.
Eine Gefahr für den gerade erst angelaufenen Ökostromhandel sieht das südbadische Unternehmen in überhöhten Netznutzungsgebühren und Bilanzierungspauschalen der Netzbetreiber. "Wir haben inzwischen mit vielen Netzbetreibern Verträge zur Belieferung unserer Kunden abgeschlossen. Aber pauschale Gebühren von bis zu 200 Mark pro Monat unabhängig von der Zahl der Kunden pro Netzgebiet machen die Belieferung unwirtschaftlich," beklagte Fußer in Stuttgart. "Die Politik ist hier gefordert, diesem modernen Raubrittertum einen Riegel vorzuschieben."
Die Marke NaturEnergie Silber fand im südbadischen Stammgebiet der Gesellschafter von NaturEnergie großen Anklang. Das Kraftwerk Laufenburg (KWL) und die Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), die zu je 50 Prozent an der NaturEnergie AG beteiligt sind, bieten den Strom aus reiner Wasserkraft seit 1.12.1999 als Standardtarif an. Seit 1.1.2000 verkauft die NaturEnergie AG ihren rein regenerativen Strom bundesweit und hat bisher 2.200 Direktkunden gewonnen. Für das Geschäftsjahr 2000/2001 sind 6.000 geplant. Damit würde die Kundenzahl insgesamt um gut drei Prozent auf 150.000 steigen.
NaturEnergie Silber ist vielerorts preisgünstiger als das Standardangebot des regionalen Anbieters. Mit NaturEnergie Gold kann der Verbraucher einen Beitrag zum Ausbau der regenerativen Energieerzeugung leisten. Fünf Pfennig je Kilowattstunde gehen in die Förderung neuer Anlagen für Wasserkraft, Solar- und Windenergie. So wurde durch Abnahmegarantien der NaturEnergie inzwischen mehrere Solaranlagen mit einer Fläche von insgesamt 1.600 Quadratmetern erbaut.