Die bei Göttingen gelegene Gemeinde Jühnde wird als erstes „Bioenergiedorf“ in Deutschland demnächst nur noch mit Energie aus erneuerbaren Energieträgern versorgt werden.
Vergangene Woche (19.11.2004) begannen die Arbeiten für eine Biogasanlage, die in Zukunft das Herzstück der Energiegewinnung bilden wird. In der Anlage werden Gülle und Grünschnitt vergoren, das dabei entstehende Biogas wird in einem Motor verbrannt, der wiederum einen Generator antreibt.
Wenn die Anlage Mitte 2005 fertig gestellt ist, soll sie etwa 3 Mio. kWh Strom pro Jahr produzieren. Ausreichend um in der warmen Jahreszeit den Ort damit komplett zu versorgen. Für die kälteren Tage ist aber natürlich auch vorgesorgt: Ein Holzhackschnizelwerk verstärkt in dieser Zeit die Biogasanlage.
Das, vom Interdisziplinären Zentrum für nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen ins Leben gerufene, Projekt „Bioenergiedorf“ ist in Deutschland bislang einmalig und soll zeigen, dass sogar ein ganzes Dorf aus schonen Ressourcen versorgt werden kann.
Für Deutschland zeigt sich jedoch ein Bild, dass nicht annähernd so positiv ist: 87% der verwendeten Energie wird aus klimaschädlichen, fossilen Energieträgern gewonnen, 10% aus risikoreicher Atomenergie und lediglich die letzten 3% aus schonenden, erneuerbaren Energien. Und auch weltweit betrachtet sieht die Lage nicht wirklich besser aus.
Das Projekt zieht Konsequenzen aus der Weltklimakonferenz 1992 in Rio de Janeiro, wo bereits damals auf die uneffektive und umweltbelastende Nutzung von Energien hingewiesen wurden war.
Etwa 2 Mio. Euro der insgesamt 5 Mio. Euro teuren Anlage werden durch Fördergelder vom Bund (mit 1,32 Millionen Euro), dem Land Niedersachsen und dem Landkreis Göttingen finanziert. Die übrigen 3 Mio. Euro werden durch Eigenkapital und Kredite aufgebracht.
Das Interesse an dem Projekt ist nicht nur in Deutschland groß. Auch aus Japan, Russland und Dänemark gab es bereits Anfragen. Um ihr Know-How weiter zu vermitteln haben einige Mitarbeiter der IZNE nun einen Leitfaden erstellt. Das Ziel für die Mitarbeiter ist klar: „Wir wollen, dass möglichst viele andere Regionen dies auch umsetzen“.
Weitere Informationen erhalten Sie bei der
IZNE.