Brenzlige Situationen bleiben der Dramaturgie und den Bühnendarstellern der Alten Oper vorbehalten. Dafür sorgt das Brandschutzgewebe der Zellertaler Hapuflam GmbH. Es umhüllt sämtliche neu verlegten Strom- und Steuerungskabel auf dem sogenannten Schnürboden hoch unter dem Dach des Frankfurter Konzerthauses. Mehr Sicherheit für die Bühnentechnik mit Winden und Motoren zur Bedienung von Vorhängen, Kulissen und Lichtmasten sowie deren Stromversorgung, 25 Meter über Bühne und Zuschauerraum.
Schwarz ist die vorherrschende Farbe von Wänden, Decke und Gebälk auf dem Schnürboden der Alten Oper – bis auf einen orangefarbenen Lindwurm. Christo in der Alten Oper? Nein - Monteure haben das schockfarbene Brandschutzgewebe um Kabeltrassen von Steuerungs- und Verteilerschränken auf über hundert Metern Länge zu den einzelnen Aggregaten und Motoren verlegt. Für die Hauptschlagader der Bühnentechnik ist vorbeugender Brandschutz von elementarer Bedeutung.
Lange Suche nach Ideallösung
Die gesamte Technik des Schnürbodens ist auf zwei Gitterrost-Etagen hoch unter dem Dach der Alten Oper verteilt. Zur Modernisierung des Brandschutzes haben Mitarbeiter von Hochbauamt, Feuerwehr und der Alten Oper gemeinsam nach der Ideallösung gesucht. Den Ausschlag für das Hapuflam-Gewebe gaben sowohl dessen technische Eigenschaften als auch die Montagevorteile. "Wir können oben unter dem Dach keine Arbeiten mit großer Staubentwicklung zulassen. die anschließende Reinigung wäre viel zu umständlich, langwierig und entsprechend teuer," so Jürgen Jungmann, technischer Leiter der Alten Oper. Deshalb kamen herkömmliche Dämmplatten und die Installation von Kabelkanälen für ihn nicht in Frage.
Die Hitze bringt den Schutz
Aber nicht nur die einfache Verarbeitung war ein Kriterium für das Gewebe, sondern auch dessen ungewöhnliche Materialeigenschaften. Bei gewöhnlichen Temperaturen bleibt das orangefarbene Gewebe unscheinbar. Durch Hitzeeinwirkung jedoch quillt die fünf Millimeter dicke Beschichtung der Glasfasermatten auf das Fünfzigfache an – der Fachmann sagt, es `intumesziert´. So entsteht eine hitzeisolierende Dämmschicht, die die Kabel vor hohen Temperaturen isoliert – und einem schwer entflammbaren Kabelschutz nach DIN 4102-B1 entspricht. Bei einem Kabelbrand durch Kurzschluss kehrt sich die Schutzwirkung um, denn dann wird der Brandherd durch das aufquellende Gewebe im Keim erstickt – und so die Gefahr für Mensch, Technik und Gebäude erheblich reduziert.
Wo gehobelt wird ...
... da fallen Späne, es geht aber auch ohne. Das Hapuflam-Gewebe beispielsweise kann nahezu geräuschlos und völlig staubfrei verlegt werden. Deshalb konnte es ohne größere Störung auch während des Probenbetriebs verlegt werden. Teppichmesser, Meter und Halteklammern sind die einzigen erforderlichen Hilfsmittel. Die Materialeigenschaften kommen aber auch dem Montagepersonal sehr entgegen. In Rollenpaketen à 30 kg wurde das Gewebe mit dem Fahrstuhl die sechs Stockwerke hoch und über die engen Wendeltreppen zum Schnürboden transportiert. "Ein Idealfall für unser Haus und die Monteure - es gibt keinen Staub, keinen Lärm und keine Gefahr – weil während der Montage nichts Schweres in den Bühnen- oder Zuschauerbereich runterfallen konnte", ist Jungmann begeistert. Außerdem sei das Gewebe mit etwas Geschick an jede Form der Kabelpritsche anzupassen gewesen, ein wichtiges Kriterium für die vielen verwinkelten Kabelführungen hoch unter dem Dach der Alten Oper. Ein Glücksfall für den Brandschutz und Garant für heiße Darbietungen und brenzlige Situationen - rein dramaturgisch betrachtet.