Negative Bevölkerungsprognosen prägen seit vielen Jahren die politischen Debatten in Deutschland. Doch kaum jemand nimmt zur Kenntnis, dass die Vorhersagen ständig nach oben korrigiert werden.
Wie LBS Research mitteilt, hatten die statistischen Ämter von Bund und Ländern noch im Jahre 1992 für 2030 in Deutschland einen Bevölkerungsrückgang auf 69,9 Millionen Menschen vorhergesagt. Mittlerweile geht das DIW selbst in seiner pessimistischsten Prognose davon aus, dass die Bevölkerung im Jahre 2030 mit 83,6 Millionen Einwohnern um gut 1 Million über dem aktuellen Bestand liegt.
Wie LBS Research ergänzend mitteilt, liegt das DIW selbst bei zurückhaltenden Annahmen für 2030 über dem aktuellen Stand von 82,5 Millionen Einwohnern zur Jahreswende 2004/2005. Bei höheren Annahmen über die Nettozuwanderung sowie bei einem unterstellten konstanten Anstieg der Lebenserwartung wird für 2030 sogar eine Bevölkerung von 85,2 Millionen prognostiziert. Unter diesen Voraussetzungen nimmt laut DIW die Bevölkerung bis 2050 mit 83,1 Millionen zwar wieder etwas ab, liegt damit aber auch bis zur Mitte des Jahrhunderts noch über dem heutigen Stand.
Nach Auffassung der LBS-Experten erweisen sich vor diesem Hintergrund manche wohnungs- und städtebaupolitischen Debatten als völlig falsch. Zumindest für Deutschland insgesamt stehe ein Bevölkerungsrückgang keineswegs unmittelbar bevor. Besonders fraglich sei es, wenn die aktuelle Schwäche der Wohnungsbaukonjunktur von der Politik bereits auf demografische Faktoren zurückgeführt wird. Hinzu komme für die Perspektiven des Wohnungsmarktes, dass wegen des anhaltenden Trends zu kleineren Haushalten deren Zahl noch über längere Zeit weiter wachsen werde. Allein in den letzten acht Jahren sind im Schnitt über 200.000 Haushalte pro Jahr hinzugekommen. Nach den Prognosen wird ihre Zahl noch mindestens bis 2020 weiter ansteigen, und zwar insgesamt um fast 2 Millionen.
Selbstverständlich ist laut LBS Research bei den Bevölkerungsprognosen regional zu differenzieren. Angesicht unterschiedlicher Entwicklungstendenzen in verschiedenen Räumen Deutschlands komme es für Bau- und Investitionsentscheidungen mehr denn je auf die Standorte an. Klar sei aber auf jeden Fall, dass manchen Regionen mit Bevölkerungsrückgängen auf der anderen Seite auch zumindest in gleichem Umfang Wachstumsregionen gegenüberstünden. Denn sonst sei per saldo ein Bevölkerungszuwachs mathematisch unmöglich. Diese unterschiedliche Situation führe aber sogar eher zu höherem Wohnungsbaubedarf. Denn Arbeits- und Wohnungssuchende in Wachstumsregionen könnten schwerlich darauf verwiesen werden, dass in anderen Gegenden der Republik immer mehr Wohnungen leer stehen.
Nach Einschätzung der LBS-Experten ist die hier dokumentierte Entwicklung der Bevölkerungsprognosen für 2030 im Prinzip nichts Neues. Denn im Rückblick zeige sich, dass die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung stets oberhalb der Prognosen gelegen habe.
Diese wichtige Botschaft dürfe daher nie vergessen werden, weder von der Politik noch von den Akteuren auf dem Markt. Sonst würden Fehlentwicklungen mit Angebotsengpässen sträflich spät wahrgenommen.