Zähes Ringen um den besten Weg hat ein von Geschäftsleitung als auch Arbeitnehmerschaft akzeptierbares Ergebnis gebracht. Ein "made in Germany"-Unternehmen bleibt stark in Deutschland und passt sich trotzdem internationalen Strukturen an. Die Zukunft als eigenständiger deutscher Mittelständler scheint gesichert.
Der Vorstand der Grohe Water Technology AG & Co. KG, Europas größter und mit rund 10 Prozent Marktanteil weltweit führender Hersteller von Sanitärarmaturen, hat im Einvernehmen mit dem Betriebsrat die konsequente und zügige Fortführung der bereits begonnenen Internationalisierung beschlossen. Mit dem Ziel, profitables Wachstum zu generieren, seine Position am Weltmarkt auszubauen und so die Zukunft des Unternehmens als eigenständiger deutscher Mittelständler langfristig zu sichern, hat Grohe außerdem mit der Umsetzung von „Fit for the Future“ begonnen. Das Strategie-Programm verfolgt fünf wesentliche Stoßrichtungen:
1. Investition in die Marke und die Innovationskraft von Grohe.
2. Weiterer Ausbau des weltweiten Vertriebssystems.
3. Kosteneinsparungen in Höhe von 150 Mio. Euro, um notwendige Investitionen tätigen zu können.
4. Schaffung von Finanzstrukturen, die Grohes künftige Eigenständigkeit sichern.
5. Weiterentwicklung von einem deutschen Unternehmen mit Export zu einem internationalen Unternehmen mit deutschen Wurzeln.
Die Baukonjunktur in Deutschland ist seit fünf Jahren anhaltend schwach; der rückläufige Markt hat in diesem Zeitraum zu Umsatzverlusten in Höhe von rund 70 Mio. Euro im Heimatmarkt geführt. Wachstum findet vornehmlich in Übersee, den USA, Asien und dem Mittleren Osten statt: Hier ist der Umsatz in den vergangenen zwei Jahren um über 20 Prozent gestiegen. Die globale Marktausrichtung und eine erfolgreiche Markenpositionierung von Grohe haben dazu geführt, dass das Unternehmen seine Umsätze dennoch steigern konnte.
Kosteneinsparungen in Höhe von 150 Mio. Euro pro Jahr zwingend erforderlich Der Entscheidung über konkrete Maßnahmen zur Umstrukturierung des Unternehmens ist eine in Zusammenarbeit mit McKinsey durchgeführte, sorgfältige sachliche Prüfung der aktuellen Situation über einen Zeitraum von sechs Monaten vorausgegangen. Diese Analysen haben klar gezeigt, dass Grohe sehr schnell auf sich mit zunehmender Dynamik verändernde Wettbewerbsbedingungen reagieren muss.
„Es liegt in unserer Verantwortung, die aktuellen Herausforderungen anzunehmen, um in den nächsten Jahren die Zukunft von Grohe als eigenständiger deutscher Mittelständler nachhaltig zu sichern. Nur wenn wir die angestrebten Kosteneinsparungen in Höhe von 150 Mio. Euro pro Jahr ab 2007 erzielen, wird es uns möglich sein, das Unternehmen auch langfristig auf eine gesunde Basis zu stellen, die Weltmarke Grohe konsequent auszubauen und durch profitables Wachstum unseren zukünftigen Erfolg zu sichern“, sagt David Haines, Vorstandsvorsitzender von Grohe.
Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Finanzierung von Investitionen in die Marke und die Innovationskraft von Grohe wurden mehrere Maßnahmen geplant. Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen erkennt nicht nur der Grohe-Vorstand. Die vom Gesamtbetriebsrat beauftragte Unternehmensberatung hat das McKinsey-Konzept in seiner Gesamtheit und allen wesentlichen Punkten bestätigt: Zielsetzung und Handlungsfelder haben beide Beratungen einstimmig bewertet, lediglich bei den Plänen zur Realisierung entsprechender Maßnahmen gab es unterschiedliche Vorschläge zum zeitlichen Vorgehen.
Einigung erzielt – Stellenabbau geringer als geplant – Standorte Lahr, Hemer und Porta Westfalica bleiben erhalten Heute beschäftigt die Gruppe weltweit 5.870 Mitarbeiter, davon 4.300 in Deutschland. Vorstand und Betriebsrat haben sich nach intensiver Prüfung aller Optionen und konstruktiven Verhandlungen darauf verständigt, 943 Vollzeitbeschäftigten in Deutschland bis Ende 2006 betriebsbedingt zu kündigen, um langfristig den Standort Deutschland sichern zu können. 290 Beschäftigte verlassen das Unternehmen im Rahmen natürlicher Fluktuation, vereinbarter Altersteilzeit und Nicht-Verlängerung von befristeten Verträgen.
Langfristig kann das Unternehmen mehr als 3.000 Arbeitsplätze in Deutschland erhalten, das entspricht 60 Prozent aller Grohe-Mitarbeiter. Basierend auf ihren Analysen hatte McKinsey einen Abbau von knapp 3.000 Stellen vorgesehen – eine Zahl, die Vorstand und Betriebsrat nicht mitgetragen haben. Die Kündigung von 943 Vollzeitkräften ist jedoch unumgänglich.
Die Konsequenz für die deutschen Grohe-Standorte ist:
- Das Werk Lahr bleibt als Kompetenzzentrum für Kunststoff-Spritztechnik und Oberflächenbearbeitung erhalten – damit werden hier knapp 940 Arbeitsplätze gesichert. Grohe wird in Produktionstechnologie und -Know-how investieren, um Lahr langfristig eine führende Position im globalen Produktionsverbund zu sichern. Da aus Effektivitätsgründen Teile der Produktion ausgegliedert werden müssen, ist jedoch ein Abbau von rund 380 Arbeitsplätzen am Standort durch betriebsbedingte Kündigungen nicht zu vermeiden.
- In der Hauptverwaltung bleiben rund 600 Arbeitsplätze erhalten. Rund 60 Mitarbeiter verlieren durch betriebsbedingte Kündigungen ihren Arbeitsplatz.
- Das Werk Hemer bleibt weiterhin Kompetenzzentrum für Metallbearbeitung. Im Werk Hemer bleiben knapp 660 Arbeitsplätze erhalten. Die von McKinsey vorgeschlagene Verlegung des Logistikzentrums nach Polen hat der Vorstand abgelehnt.
- Das Werk Herzberg wird, wie bereits bekannt gegeben, zum 31. Dezember 2005 geschlossen. Vielen der Beschäftigten konnte Grohe die Möglichkeit eröffnen, sich über eine Qualifizierungsgesellschaft für neu zu schaffende Jobs bei DaimlerChrysler in Ludwigsfelde zu qualifizieren. Zur Schließung von Herzberg gibt es keine Alternativen, da der Standort nicht wirtschaftlich zu führen ist. Zu diesem Ergebnis sind drei Unternehmensberatungen unabhängig voneinander gekommen: Vor vier Jahren Boston Consulting, aktuell McKinsey sowie die vom Betriebsrat beauftragte Unternehmensberatung.
- Das Werk Porta Westfalica bleibt – wie bereits angekündigt – bestehen.
Vorstand und Gesamtbetriebsrat haben über alle Einzelheiten der Restrukturierungsmaßnahmen intensiv beraten. Dabei ist es in Abstimmung mit dem Gesamtbetriebsrat gelungen, den Arbeitsplatzabbau insgesamt deutlich zu reduzieren: Dass nicht knapp 3.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, wie in der Konzeption von McKinsey als notwendig erachtet bzw. 1.500 wie ursprünglich vom Vorstand vorgeschlagen, sondern dass 943 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt werden, ist maßgeblich Verdienst des Betriebsrats. Die Verhandlung über Interessenausgleich und Sozialplan sind abgeschlossen. Von den Kündigungen betroffene Mitarbeiter erhalten das Angebot, in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln.