Den wichtigste Punkt bei der Betrachtung der Energieeffizienz eines Gebäudes sieht Felicitas Kraus, Bereichsleiterin Energieeffizienz im Gebäudebereich der Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), neben der Heizungsanlage und der Dämmung, in der Lüftungstechnik.
Peter Rathert vom BMVBW mit Felicitas Kraus von der dena
„Die Lüftungstechnik wird um so wichtiger, je höher die Qualität eines Gebäudes ist“. Denn „hocheffiziente Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung reduzieren die erforderliche Energie zur Deckung des Lüftungswärmebedarfs auf ein Zehntel“, laut Kraus.
Doch die Lüftungsanlagen dienen auch zur Vermeidung von Bauschäden. Laut dena weisen fast 22 Prozent aller bestehenden Gebäude offensichtliche Feuchtigkeitsschäden auf. In 9,3 Prozent aller Gebäude tritt Schimmel auf.
Auch Dr. Jan Witt vom Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung (HEA) e.V. beim VDEW hält die Lüftungstechnik für einen noch zu wenig beachteten Punkt. „Bei der Dämmung stößt man bei der Energieeinsparung an die Grenzen, deshalb muss man versuchen die Energie im Gebäude zu halten“, so Witt. Dies ist für ihn nur mit guter Lüftungstechnik möglich. Neben den Einsparungen ist bei effizienten Wohnungslüftungssystemen ebenso wichtig, dass schädigende Feuchtigkeit aus der Bausubstanz abgeführt wird und so die Bildung von Schimmelpilz nahezu ausgeschlossen ist. Auch die in der Außenluft immer vorhandenen Allergene und Staub werden nahezu komplett ausgefiltert.
Die Bundesregierung wird auch weiterhin die Steigerung der Energieeffizienz von bestehenden Gebäuden durch energetische Sanierung fördern. Die EnEV 2006 dient neben dem neuen Energieeinspargesetz EnEG der nationalen Umsetzung der EU-Gebäuderichtline. Mit der EnEV 2006 werden die für Neubauten schon vorhandenen Energiepässe auch auf den Gebäudebestand ausgedehnt.
Laut Peter Rathert - Leiter des Referates „Technische Gebäudeausrüstung“ im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen (BMVBW) werden die hohen Energieeinsparpotenziale im Gebäudebestand erschlossen. Derzeit wird noch am Referentenentwurf der EnEV 2006, der durch den Regierungswechsel ins Stocken geraten war, diskutiert. „Es werden damit noch einige Wochen ins Land gehen, aber im Laufe des nächsten Jahres wird die EnEV abgeschlossen sein“, so Rathert.
In seinem Vortrag auf dem Fachworkshop „Energieeffiziente Wohnungslüftung in der Bestandssanierung“ am 15.12.06 in Hannover erläutert Rathert den Stand der Umsetzung. In der Novelle der EnEV 2006 werden bei den Energiepässen Berechnungsmethode und Anforderungsniveau bei den Wohngebäuden unverändert bleiben.
Während hingegen für Nicht-Wohngebäude eine neue Berechnungsmethode unter Einbeziehung des Energiebedarfs für Beleuchtungs- und Klimaanlagen (DIN 18599) erfolgen soll.
Berücksichtigt wird auch die Prüfung alternativer Energieversorgungssysteme und die Ausstattung und Inspektion von Klimaanlagen.
Die Energieausweise sollen bedarfs- und verbrauchsorientierte Ausweise für ganze Gebäude, nicht für einzelne Wohnungen sein.
Bei den Aussteller für die Ausweise ist an eine bundeseinheitliche Mindestqualifikation (z.B. Bauvorlageberechtigte, TGA-Ingenieure, Energieberater im Handwerk) gedacht.
Weiterhin ist bei den Ausweisen die Pflicht zur Vorlage bei Vermietung oder Verkauf, und der Aushang bei öffentlichen Gebäuden geplant. Die Ausweise sollen so präzise wie nötig, so kostengünstig wie möglich sein.
Insgesamt werden die Energieausweise, laut Kraus, auch gegen die Hürde beim Investieren in neue Technik zur Steigerung der Energieeffizienz helfen. „aber dazu sollte eine qualitativ gute Energieberatung kommen.“ Ganz wichtig wird dabei sein sich bietende Gelegenheiten, wie beispielsweise anstehende Modernisierungsmaßnahmen, dazu zu nutzen.