Auf der SHK in Essen referierte am 9. März der Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser bei einem Pressegespräch der Firma Armacell zum Thema „Energiepass – Die Chance für die SHK-Branche“ über den derzeitigen Stand beim Energiepass.
Der Energiepass der Deutschen Energie Agentur - dena
Bereits 1989 wurde der erste Energieausweis/Energiepass von der Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung e.V. nach dem Berechnungsverfahren von Hauser/Hausladen entwickelt. Seitdem wird Professor Hauser auch als „Vater des Energiepasses“ bezeichnet. Und er machte auf der Veranstaltung in Essen ganz deutlich: „Wir wollen, dass der Gebäudebestand in Deutschland energetisch saniert wird.“
Seit Februar 2002 ist der Ausweis beim Neubau bereits Pflicht. Und wenn „die Bundestagswahl nicht alles zu nichte gemacht hätte“, so Hauser, wäre mit der notwendigen nationalen Umsetzung der EU-Richtlinie über die „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ (2002/91/EG) zum Januar diesen Jahres der Energieausweis auch im Gebäudebestand beim Verkauf und Vermietung bereits Pflicht.
Die Neufassung des Energieeinspargesetzes (EnEG 2005), welches am 8.September letzten Jahres in Kraft getreten ist, gehört zu der Umsetzung dieser EU-Richtlinie. Es ermächtigt die Bundesregierung, die weiteren Details bei der Umsetzung dieser EU-Richtlinie in einer Rechtsverordnung (hiermit ist die Energieeinsparverordnung 2006 gemeint) mit Zustimmung des Bundesrates zu regeln.
Doch diese detaillierte Regelung zu den Energieausweisen, die noch nicht verabschiedete EnEV 2006 – lässt auf sich warten. Derzeit befindet sich der Referentenentwurf zur Endabstimmung im Wirtschaftsministerium. Hauser rechnet aber noch in diesem Jahr mit der Umsetzung der EnEV2006.
Streit in dem Referentenentwurf gibt es unter anderem um den Punkt, ob der Energieausweis auf einer Bedarfs- oder Verbrauchsgrundlage ausgestellt werden soll. Laut §5a des EnEG 2005 ist grundsätzlich beides möglich und wird erst mit der neuen EnEV geregelt .
Für Hauser gibt es in diesem Streit nur eine sinnvolle Lösung: „Es muss zu einem bedarfsorientiertem System kommen. Beim Modernisierungsmarkt entstehen wirklich Chancen wenn der Energiepass für Gebäude auf dem Bedarf basiert.“ Eine reine Betrachtung der Kosten würde laut Hauser zwar für einen verbrauchsbasierten Ausweis, der z.B. über Heizkostenabrechnungen ermittelt wird, sprechen. Aber der eigentliche Zweck - eine energetische Kennzeichnung, kann durch die Abhängigkeit vom jeweiligen Nutzerverhalten und mangelnde Berücksichtigung meteorologischer Randbedingungen ein verbrauchsorientiertes System einfach nicht erfüllen. Und für das Gesamtziel der energetischen Verbesserung der Gebäude würden die technischen Maßnahmen unwichtiger werden und mit ihr die Bereitschaft in diese Maßnahmen zu investieren.
Objektspezifische Modernisierungsempfehlungen und die sich damit eröffnenden Chancen für Immobilieneigentümer, Planer, Architekten, Handwerker, Industrie und Umwelt lassen sich nur mit einem bedarfsorientiertem System umsetzen. So fordern laut Hauser auch der VDI, Verbraucherschutzverbände und eine große Mehrheit an Hochschullehrer für Technischen Ausbau und Bauphysik einen Energiepass für Gebäude der auf dem Bedarf basiert.