Flüssige Biobrennstoffe können in der Zukunft einen Beitrag zur Wärmeversorgung leisten und den Bedarf an fossilem Öl senken.
Die IWO-Fachinformation erläutert Perspektiven flüssiger biogener Brennstoffe. Foto: IWO
Die weitere Verbreitung effizienter Ölheizungstechnik - zunehmend auch in Kombination mit Solarthermie -, verbesserte Gebäudedämmung sowie langfristig die Nutzung flüssiger Biobrennstoffe werden den Verbrauch von konventionellem Heizöl reduzieren. Grafik: IWO
Angesichts der großen Anzahl veralteter Heizungen würde eine gezielte Verbreitung der Öl-Brennwerttechnik im Gebäudebestand kurzfristig zu spürbar mehr Energieeffizienz im Wärmemarkt führen. Auch unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt ist der Austausch veralteteter Heiztechnik gegen effiziente Brennwerttechnik im Verbund mit Solarthermie eine sehr attraktive Energiesparmaßnahme und in vielen Fällen das wirkungsvollste Instrument gegen hohe Energiepreise.
Langfristig betrachtet werden nach Einschätzung des Instituts für wirtschaftliche Oelheizung (IWO) verbrauchsarme Öl-Heizgeräte zudem mit alternativen flüssigen Brennstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden.
Flüssige Biobrennstoffe Flüssige Biobrennstoffe weisen eine hohe Energiedichte auf und lassen sich anders als feste Brennstoffe mit moderner Verbrennungstechnik nahezu rückstands- und schadstofffrei verbrennen. Sie sind relativ einfach zu transportieren und zu lagern und könnten über vielfältige Bezugsquellen bezogen werden.
Biobrennstoffe der ersten Generation können direkt als Pflanzenöl oder nach einer chemischen Umsetzung mit Methanol zu Fettsäuremethylester (Fatty Acid Methyl Ester – FAME) verwendet werden. Pflanzenöle aus Raps, Soja oder Sonnenblumen sind der einfachste flüssige Biobrennstoff. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren anwendungstechnischen Eigenschaften von mineralischem Heizöl. FAME aus Pflanzenölen, aber auch aus tierischen Fetten, gibt es bereits als Bio-Diesel. Auch im üblichen Dieselkraftstoff sind mittlerweile bis zu fünf Prozent FAME, in Deutschland zumeist auf der Basis von Rapsöl, enthalten.
Zurzeit untersucht IWO in Abstimmung mit der Heizgeräteindustrie in verschiedenen Labor- und Feldtestreihen den Einsatz von flüssigen Biobrennstoffen in modernen Ölheizgeräten.
Zukunftspotenzial bergen überdies die synthetisch erzeugten Biobrennstoffe der zweiten Generation auf der Basis von Rest oder Ganzpflanzen, zumal sie problemlos in heutiger Ölheizungstechnik eingesetzt werden können. Unabhängig von der jeweils verwendeten Biomassebasis, darauf deuten die ersten Forschungsergebnisse hin, können qualitativ hochwertige BTL-Brennstoffe mit sehr positiver CO2-Bilanz erzeugt werden. Je nach Herstellungsverfahren werden im Vergleich zu konventionellen Brennstoffen rund 90 Prozent der CO2-Emissionen vermieden.
Die synthetische Erzeugung dieser flüssigen Brennstoffe aus Biomasse erfolgt nach demselben technischen Prinzip, mit dem seit rund 80 Jahren Kohle verflüssigt werden kann. In Südafrika beispielsweise werden mit diesem Verfahren beachtliche Mengen an Otto- und Dieselkraftstoffen aus Steinkohle hergestellt. Und in USA und insbesondere in China sind Kohleverflüssigungsanlagen geplant.
Flüssige Brennstoffe verfügen also über nachhaltige, breit gefächerte Zukunftsperspektiven mit langfristig hoher Versorgungssicherheit. So verstanden, erhält die vielfach bemühte Parole „Weg vom Öl“ nach Ansicht von IWO-Geschäftsführer Prof. Christian Küchen eine etwas andere Ausgangsbasis: „Ich halte ein Szenario für möglich, bei dem die global vorhandenen Erdölvorkommen gar nicht aufgebraucht werden, weil neue aus Biomasse gewonnene flüssige Kraft- und Brennstoffe im Laufe der Zeit das konventionelle Erdöl ergänzen und zum Teil ersetzen.“
Weitere Informationen zu flüssigen Biobrennstoffen gibt es in der
IWO-Fachbroschüre "Flüssige Brennstoffe".