Der Reiz moderner Büro- und Verwaltungsgebäude besteht heute vorwiegend in gewagten Glas- und filigranen Betonkonstruktionen. Was fürs Auge spannend ist, kann für die Energiebilanz jedoch verheerend sein.
Passivbürogebäude Energon - Preisträger in der Kategorie
Forschungs- & Entwicklungszentrum Tuttlingen - Preisträger in der Kategorie
Passivbürogebäude Thiepvalareal in Tübingen - Preisträger in der Sonderkategorie
Denn die meisten der gigantischen Glasriesen benötigen im Sommer extrem leistungsfähige Klimaanlagen, um die Temperaturen im Innern einigermaßen erträglich zu halten. Und das kostet viel Energie, meist in Form von Strom. Ein Umdenken und –handeln in Richtung nachhaltiges Kühlen zu fördern will das Projekt „Keep Cool“ vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme IZES und weiteren Instituten aus neun europäischen Ländern hierzu in ganz Europa Beiträge leisten.
Das Institut für ZukunftsEnergieSysteme prämierte jetzt Anfang Mai im Rahmen des
Architektenwettbewerbs „Keep Cool“ 3 Projekte für die beispielhafte Umsetzung nachhaltiger Kühlkonzepte in Bürogebäuden. Die Projekte zeichnen sich durch eine weitestgehende Vermeidung von Kühllasten kombiniert mit der Nutzung natürlicher Wärmesenken aus.
Die Preisträger sind:- Kategorie Große Bürogebäude - „Passivbürogebäude Energon“ in Ulm, Architekten: oehler, faigle, archkom und Fachplaner: ebök Ingenieurbüro
- Preiskategorie Kleine/Mittlere Bürogebäude - „Forschungs- & Entwicklungszentrum Tuttlingen“, Architekten: Rolf+Hotz Architekten und Fachplaner: Stahl&Weiss – Büro für Solarenergie
- Sonderpreis Sanierung - „Passivbürogebäude Thiepvalareal“ in Tübingen, Fachplaner: ebök Ingenieurbüro
Die Jury befand zum
Passivbürogebäude Energon:
„Der Entwurf des Passivbürogebäudes überzeugte neben der architektonisch ansprechenden Gestaltung durch die konsequente Umsetzung eines nachhaltigen Kühlkonzeptes bei gleichzeitig konkurrenzfähigen Herstellungskosten. Die konsequente Anwendung eines hohen sommerlichen Wärmeschutzes (außen liegender Sonnenschutz mit Tageslichtlenkung, Passivhausstandard, freiliegende thermische Massen) bei gleichzeitiger Vermeidung innerer Lasten (effiziente Beleuchtungs- und Bürotechnik) und Maßnahmen zur Mikroklimaverbesserung in Kombination mit hybriden Kühlmaßnahmen (Automatische natürliche Nachtlüftung, Erdwärmetauscher, Betonkerntemperierung in Verbindung mit Erdsonden) überzeugte die Jury. Die praktisch nicht vorhandenen Überhitzungsstunden belegen eindrucksvoll die Funktionsfähigkeit des Kühlkonzeptes. Die auf dem Dach installierte PV-Anlage komplettiert das integrale Gebäudekonzept - es wird ein CO2-neutraler Gebäudebetrieb erreicht.“
Der Entwurf des
Forschungs- und Entwicklungszentrums Tuttlingen wurde von der Jury als ein überzeugendes Beispiel eines nachhaltigen Kühlkonzeptes in einer marktnahen Umsetzung gesehen: „Die aufgrund der Anforderungen des Bauherrn vorgegebenen Randbedingungen an die Gebäudeanlagentechnik wurden im Kühlkonzept, das aus einer Kombination aus sommerlichem Wärmeschutz (guter Dämmstandard, freiliegende thermische Massen, außen liegender Sonnenschutz mit Lichtlenkung) in Kombination mit freier Nachtlüftung und Betonkernaktivierung besteht, vorbildlich umgesetzt. Eine reversible Wärmepumpe kühlt nutzungsbedingte Spitzen aktiv bei Bedarf ab. Die Gesamtintegration des Anlagenkonzeptes (Wärmepumpe) in Verbindung mit passiven und hybriden Kühlmaßnahmen wurde beispielhaft gelöst. Die installierte PV-Anlage deckt in der Jahresbilanz den für den Wärmepumpenbetrieb (Kühlen und Heizen) erforderlichen Strom CO2-neutral.“
Beim Sonderpreis „Sanierung“ den das
Passivbürogebäude Thiepvalareal in Tübingen erhielt überteugte die Jury: „Als beispielhaftes Projekt im Bereich der Bestandssanierung zeigt das Projekt Passivbürogebäude im Thiepvalareal des Ingenieurbüros ebök überzeugend, wie ein konsequentes ganzheitliches Gebäudekonzept mit innovativen Komponenten auch im Bestand unter Denkmalschutz-Auflagen realisierbar ist. Das Projekt hat somit Vorbildcharakter für den Bestandsbereich und kann hier entscheidende Impulse setzen. Das Projekt weist einen Schwerpunkt bei der Umsetzung passiver Kühlmaßnahmen (Passivhausstandard im Bestand, freiliegende thermische Massen in Kombination mit innovativen Materialien (PCM) zur Erhöhung der Speichermasse im Leichtbau-Dachgeschoss, innen liegendem Sonnenschutz und gemäßigtem Fensteranteil, hocheffizienter Beleuchtungstechnik, konsequenter Einsatz Strom sparender Bürotechnik) aus. Ergänzend tragen das mechanische Nachtlüftungskonzept in Kombination mit einer Zuluftvorkühlung über Erdwärmetauscher zur Abfuhr von Rest-Kühllasten bei.“
Weitere Informationen zu dem Projekt im Internet unter:
Keep Cool und auf der
Projektseite