Zusammen mit dem Wirtschaftsminister von Andalusien, Francisco Vallejo Serrano, hat der Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, Matthias Machnig, vor kurzem den Grundstein für das Sonnenkraftwerk Andasol 1 gelegt.
Die Parabolrinnen für Europas erstes solarthermisches Kraftwerk kommen überwiegend aus Deutschland. Foto: Schott Solar
Die Technik des 300-Millionen-Euro-Projekts, das mit Parabolrinnen arbeitet, kommt zum großen Teil aus Deutschland. Dazu gehören die Solarkollektoren und die Receiver, die mit Fördermitteln des Bundesumweltministeriums entwickelt wurden. Das Ministerium hat auch die Entwicklung des Wärmespeichers gefördert, der den Kraftwerksbetrieb rund 7,5 Stunden ohne Sonneneinstrahlung aufrecht erhalten kann.
"Solarkraftwerke sind ein viel versprechender Weg, Strom aus Sonnenenergie im großen Maßstab, d. h. weltweit und kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Der Bau dieses Kraftwerks ist auch ein Erfolg konsequenter und kontinuierlicher Technologieentwicklung", so Machnig.
Bei dem Solarkraftwerk sollen 200.000 Parabolspiegel auf einer Grundfläche von fast 300 Fußballfeldern aufgebaut und kontinuierlich auf die Sonne ausgerichtet werden. Damit wird Andasol 1, das weltweit größte Kraftwerk seiner Art sein. Die Solarstrahlung wird mit den Spiegeln auf Receiverrohre konzentriert, die aneinander gereiht 100 km lang sind. Die darin produzierte Wärme wird zur Erzeugung von Dampf genutzt und über eine Dampfturbine in Strom umgewandelt.
Das von der Solar Millennium AG, Erlangen, entwickelte und in Kooperation mit der spanischen ACS Cobra-Gruppe realisierte Projekt soll 200.000 Menschen mit Strom versorgen. Es bildet den Auftakt für zwei weitere Kraftwerke ähnlicher Bauart am gleichen Standort.
Das Bundesumweltministerium hat die Weiterentwicklung der Parabolrinnen-Technologie in den letzten Jahren gefördert. Der deutsche Umwelt-Staatsekretär Matthias Machnig ist überzeugt: „Der Bau des Parabolrinnen-Kraftwerks ist ein Erfolg konsequenter und kontinuierlicher Technologieentwicklung. Dieses Projekt weist den Weg zum weltweiten Ausbau kostengünstiger Stromerzeugung durch erneuerbare Energien“.
„Mit Andasol 1 fängt ein neues Zeitalter der solaren Stromgewinnung an“, unterstreicht auch Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie und Technologie der Grünen im deutschen Bundestag, die Bedeutung der heutigen Grundsteinlegung. Dafür spräche aus seiner Sicht eine Reihe von Vorteilen: „Kraftwerke wie Andasol 1 werden eine wichtige Rolle für die zukünftige Energieversorgung übernehmen. Sie sind aktiver Klimaschutz, tragen zur Sicherung der Energieversorgung bei und könnten helfen, illegale Atomwaffenprogramme wie im Iran zu verhindern."
Solarthermische Kraftwerke erzeugen aus der Wärmeenergie der aufgefangenen Sonnenstrahlung Strom. Bei einem Parabolrinnen-Kraftwerk bündeln rinnenförmige Spiegel die Sonnenstrahlen auf ein Rohr in der Brennlinie des Kollektors. Im Rohr wird dadurch eine Wärmeträgerflüssigkeit erhitzt, die im Kraftwerksblock mittels Wärmetauschern Dampf erzeugt. Wie bei konventionellen Kraftwerken wird der Dampf in einer Turbine zur Stromgewinnung genutzt. Auf diese Weise kann Sonnenenergie effizient und kostengünstig genutzt werden. Parabolrinnen-Kraftwerke gelten als anerkannte und zuverlässige Technologie und werden in Kalifornien seit rund 20 Jahren kommerziell betrieben.
Mit Hilfe von Flüssigsalztanks, die als thermische Speicher dienen, kann der Strom bedarfsgerecht bereitgestellt werden. Die Solarkraftwerke können so auch nach Sonnenuntergang Strom erzeugen. Das solarthermische Kraftwerk Andasol 1 hilft, die Nachfragespitzen im spanischen Stromnetz in den Sommermonaten abzudecken, die vor allem durch den hohen Energiebedarf der Klimaanlagen verursacht werden.
Positive Marktaussichten für solarthermische Stromerzeugung Heute ermöglichen die politischen Rahmenbedingungen in Spanien die Realisierung der Kraftwerksprojekte. Denn solarthermisch erzeugter Strom erhält hier 25 Jahre lang eine gesetzlich garantierte Einspeisevergütung von rund 21 Euro-Cent pro Kilowattstunde. Da die Technologie solarthermischer Stromerzeugung deutliche Kostenreduktionspotenziale aufweist, kann sie gemäß dem Programm der Weltmarktinitiative für solarthermisch erzeugten Strom jedoch bereits in zehn Jahren mit Spitzen- und Mittellaststrom aus fossilen Energieträgern wettbewerbsfähig sein. Greenpeace hält bis 2025 eine installierte Gesamtleistung von 36.850 MW weltweit machbar, wodurch 54.000 Arbeitsplätze entstehen würden. Bis 2040 können solarthermische Kraftwerke eine Gesamtleistung von 600.000 MW aufweisen. Damit decken sie fünf Prozent des Weltstrombedarfs ab, mehr als heute Wasserkraft oder Atomkraft.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geht davon aus, dass bis 2050 in Ländern im Mittelmeerraum erneuerbare Energien fossile weitestgehend verdrängt haben und solarthermische Kraftwerke dabei doppelt soviel Strom liefern können wie Wind, Photovoltaik, Biomasse und geothermische Kraftwerke zusammen. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und der Club of Rome empfehlen mittelfristig den Import von solarthermisch erzeugtem Strom aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland.