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News vom 07.08.2006

Mehr Sicherheit für elektrische Geräte und Systeme

Komfortabel Leben ist heute ohne Elektrotechnik und Elektronik nicht mehr vorstellbar. Überall, wo elektrischer Strom im Einsatz ist, lauern Gefahren. Vom Brand durch Kurzschluss, einem elektrischen Schlag bis zu Unfällen durch Ausfall der Sicherheitstechnik, zum Beispiel in einer U-Bahn.

Dass Autos und Verkehrstechnik, Steckdosen und Kraftwerke oder Computer und Telefon sicher und zuverlässig funktionieren, dafür sorgen elektrotechnische Normen im Hintergrund. Für die Erarbeitung von Normen und Sicherheitsbestimmungen im Bereich der Elektrotechnik zum Schutz der Verbraucher ist in Deutschland die Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (DKE) im DIN und VDE zuständig.

Morgens in Deutschland: In knapp 40 Millionen Haushalten beginnt der Tag. Licht, Radio, Kaffeemaschine, Toaster, Kühlschrank und Herd sind im Einsatz. Bereits vor Arbeitsbeginn laufen für jeden Einzelnen mehrere hundert elektrische Geräte und Systeme: Vom Küchengerät und der Hauselektrik über die Elektronik in Auto, Bus oder Bahn, von den Ampelanlagen bis zur Satellitensteuerung für das GPS oder die Sendeanlage für den Mobilfunk.

Dass die Bürger die elektrisch betriebenen Systeme selbstverständlich und gefahrlos nutzen können, ist ein Erfolg der rund 5.500 elektrotechnischen Normen. Entwickelt und festgelegt werden sie von der Deutschen Kommission Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (DKE) im DIN und VDE. Rund 3.500 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten ehrenamtlich an der elektrotechnischen Normung in der DKE mit.

Normung ist Verbraucherschutz

Die Experten stellen in einer Norm beispielsweise diejenigen technischen Eigenschaften zusammen, die ein bestimmter Ein-Aus-Schalter als Mindestanforderung erfüllen muss. Dazu gehören Vorgaben zu Material und Dicke der Isolierung ebenso wie die sichere Funktionsweise nach einer bestimmten Anzahl von Schaltvorgängen. Auch die Definitionen von Prüfverfahren, mit denen die Einhaltung der Norm nachgewiesen werden kann, sind Bestandteil der Normen. Neben der Normung von kompletten Produkten und Systemen werden von der DKE auch die einzelnen Bauteile genormt.

So kann eine Kaffeemaschine aus bis zu 30 verschiedenen Bauteilen unterschiedlicher Hersteller bestehen. Und was für die Kaffeemaschine im Kleinen gilt, ist für den Bau und das Funktionieren komplexer elektrischer und elektronischer Systeme zwingende Voraussetzung. So stecken in einem Kraftwerk mehrere Millionen einzeln genormter Bauteile. Und von jedem dieser elektrischen Bauteile können Gefahren ausgehen. Kondensatoren zum Beispiel regeln den Stromfluss auf den Platinen jeder elektronischen Steuerung im Computer, im Aufzug wie auch – ein besonders sicherheitsrelevanter Bereich – in medizintechnischen Geräten: dem Röntgenapparat oder dem Beatmungsgerät. Bedienungsfehler, Netzausfälle oder Blitzeinschläge können dazu führen, dass die Netzspannung für wenige Millisekunden um mehrere hundert oder gar tausend Volt ansteigt. Die Folge: Überhitzung der Kondensatoren, Entzündung und Brand. Die Prüfkriterien der entsprechenden internationalen Norm verlangen daher, dass von den Kondensatoren nicht nur im Normalbetrieb keine Brandgefahr ausgeht, sondern schicken die Kondensatoren unter härtesten Bedingungen zu einer Art Feuertaufe.

Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit

Das Vorhandensein der Normen allein aber garantiert den Verbrauchern nicht automatisch umfassenden Schutz vor Gefahren. Die Hersteller von Elektrogeräten haften zwar nach dem europaweit gültigen Geräte- und Produktsicherheitsgesetz dafür, dass die Gesundheit von Anwendern nicht gefährdet werden. Eine Pflicht, die Geräte von unabhängiger Stelle auf die Einhaltung der Sicherheitsnormen überprüfen zu lassen, gibt es allerdings nicht. Immer wieder tauchen im Handel gefährliche Produkte auf, die den Vorgaben des Geräte- und Produktsicherheitsgesetztes nicht entsprechen.

Allein in 2005 wurden EU-Kontrolleure mehr als 700-mal fündig. Ein Drittel davon musste wegen grober Mängel, zum Beispiel der Gefahr eines Stromschlags aufgrund ungenügend geschützter Kontakte, aus dem Verkehr gezogen werden. „Die Verbraucher können jedoch an Sicherheitszeichen leicht erkennen, ob das Produkt den entsprechenden Sicherheitsnormen entspricht“, erklärt Bernd Franke vom VDE-Institut. Während mit der CE-Kennzeichnung lediglich der Hersteller selbst erklärt, sich an die betreffenden EG-Richtlinien zu halten, dürfen das dreieckige VDE-Zeichen nur Elektroprodukte tragen, die vom unabhängigen VDE-Institut erfolgreich getestet und zertifiziert wurden.

Nur die Hälfte der Produkte besteht die Eingangsprüfung

Wie streng das VDE-Institut arbeitet zeigen die aktuellen Prüfergebnisse: Nur die Hälfte aller neuen Produkte besteht die Eingangsprüfung. „Durchgefallene“ Produkte müssen entsprechend nachgebessert werden. Weltweit tragen inzwischen rund 200.000 Typen von Elektroprodukten das VDE-Zeichen und jeden Tag durchlaufen 40 bis 50 neue Produkte die Sicherheits-Checks der VDE-Prüfingenieure aus Offenbach. Diese Prüfingenieure sind in die Arbeiten der DKE aktiv eingebunden und ihre Erfahrungen tragen wesentlich zur Weiterentwicklung der Normen bei.

Normen sichern das Wirtschaftswachstum

Normen dienen nicht nur dem Schutz der Verbraucher. Die Bürger profitieren auch wirtschaftlich von der Normung. Über alle Branchen hinweg wird der volkwirtschaftliche Nutzen aller Normen zusammen auf rund 16 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt - allein für den Wirtschaftstandort Deutschland. Für das Wirtschaftswachstum haben Normen ähnliche Bedeutung wie Patente und Lizenzen. Sie beflügeln den Wettbewerb und bieten die Gewähr, dass sich die besten Produkte durchsetzen können. Zudem verbessern international gültige Normen den Warenaustausch und sind damit wichtiges Erfolgsgeheimnis vieler technischer Exportschlager aus Deutschland, zum Beispiel medizintechnische Geräte, Kraftwerkstechnik oder die Produkte der Elektro- und Maschinenbauindustrie.

Besonders wichtig dabei ist die Freiwilligkeit des Verfahrens bei der Normensetzung. Wird eine neue Norm beantragt oder eine bestehende überarbeitet, lädt die DKE Wissenschaftler, Experten aus Forschungs- und Prüfinstituten, Fachverbände, Behörden sowie der Industrie ein, im Normungsgremium mitzuarbeiten. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Normen entstehen, die entweder ein Unternehmen bevorzugen oder die Innovationen eines Unternehmens behindern würden oder ein zu niedriges Sicherheitsniveau festlegt. Ein Verfahren, das sich in Deutschland bereits seit 1895 und international seit Gründung der International Electrotechnical Commission (IEC) vor hundert Jahren bewährt hat. Heute repräsentieren die 130 nationalen Mitglieder der IEC etwa 98 Prozent des Welthandels mit elektrotechnischen Produkten. Seine 100-jährige Jubiläumsfeier wird die IEC vom 25. bis 29. September in Berlin begehen. Organisiert wird die Jubiläumsveranstaltung vom VDE als Gründungsmitglied der IEC. Der VDE erwartet zum Normungsgipfel rund 2.000 Normungsexperten aus aller Welt.

Sicherheits ABC

Sicherheitszeichen auf elektrotechnischen Produkten informieren die Verbraucher. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf die Zeichen der unabhängigen Prüfinstitute achten. Doch Vorsicht: Nur wenn das VDE- oder GS-Zeichen auf dem Typenschild des Gerätes angebracht ist, ist das gesamte Produkt VDE-geprüft. Ansonsten haben nur die gekennzeichneten Einzelteile, zum Beispiel ein Stecker, die Prüfungen im Prüflabor bestanden. Eine Produktdatenbank mit allen vom VDE-Institut getesteten Geräten und Bauteilen finden Verbraucher unter www.vde-institut.com.

Eine Übersicht zu den Sicherheitszeichen:
  • VDE Zeichen - Prüfzeichen für Elektroprodukte im Sinne des Gerätesicherheitsgesetztes (GSG), Medizinproduktegesetz (MPG), Installationsmaterial und Komponenten. Die Kennzeichnung garantiert die laufende Überprüfung des Produktes und der Fertigung durch das unabhängige Prüf- und Zertifizierungsinstitut des VDE.

  • VDE-GS-Zeichen -Das GS-Zeichen ist eine im Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) festgelegte Kennzeichnung. Am Namenszusatz des Zeichens (hier VDE-GS) ist die herstellerunabhängige Prüfeinrichtung erkennbar, welche die Produktprüfungen durchgeführt hat.

  • VDE-Quality-Tested - Damit gekennzeichnete Geräte durchlaufen im VDE-Institut neben den sicherheitstechnischen Tests des VDE-Zeichen zusätzlich zahlreichen Prüfungen, welche die Gebrauchstauglichkeit der Elektroprodukte garantieren. Zum Beispiel wird auch die Handhabung, der Energieverbrauch oder die Verständlichkeit der Gebrauchsanweisung geprüft.

  • VDE-EMV-Zeichen - EMV steht für die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten und Systemen. Die Prüfung und Überwachung erfolgt durch das VDE-Institut.

  • ENEC-Zeichen des VDE - Auf Leuchten, Leuchtenkomponenten, Energiesparlampen, Geräten der Informationstechnik sowie einer Reihe elektronischer Bauteile bestätigt das ENEC-VDE-Zeichen gemäß dem europäischen Zertifizierungsverfahren die Prüfung und Überwachung durch das VDE-Institut wie beim VDE-Zeichen.

  • VDE-Kabelzeichen - Diese Zeichen zeigen auf Kabeln, isolierten Leitungen und Installationsrohren die erfolgte Produktprüfung durch die VDE-Prüfingenieure.

  • CE-Kennzeichnung - Der Hersteller erklärt in eigener Verantwortung die Einhaltung der grundlegenden Anforderungen der betreffenden EG-Richtlinien. Dieses Label ist kein Prüfzeichen für Sicherheit und Qualität, sondern richtet sich an die Marktaufsichtsbehörde.

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