Die Norm zur Ermittelung der Heizlast bzw. der deutsche Anhang ist nochmals überarbeitet worden und liegt nunmehr im Entwurf vor. Als Ziel dieser Überarbeitung wurde die Anpassung der Berechnungsergebnisse an die der alten DIN 4701 genannt.
Klaus Duensing, Dipl.- Ing. und Prokurist der Firma Consoft rät dem Planenden zur Unterstützung seiner Arbeit eine Software einzusetzen.
In Elrond kann die Heizlastberechnung nach EN 12831 oder DIN 4701 bzw. ÖNorm M7500 erfolgen.
Die Frage, warum dann erst eine andere Norm und neue Rechenverfahren, stellen wir vorerst nicht. Die EN12831 kam im August 2003 heraus, der erste deutsche Anhang im April 2004. Handwerkliche Mängel machten eine Überarbeitung zum März 2005 erforderlich, wir haben darüber berichtet.
Was soll sich nach dem Entwurf nun wieder ändern? Ganz vorn steht die Abkehr von der nach außen orientierten Bemaßung. Wurde am Anfang noch als Grund angegeben, dass für den Wärmeverlust die gesamte Außenwandfläche entscheidend ist, stellt man nun auf die üblicherweise bemaßten Innenmaße ab. Es wird also einfacher. Und die resultierende Heizlast dürfte allein aus diesem Grund um 5-10% sinken.
Als Basis der Berechung gilt weiterhin die Außentemperatur, die Liste der Referenzorte ist um ungefähr 15% erweitert worden. Die für die Berechnung der Verluste ans Erdreich wichtige Jahresmitteltemperatur ist klimazonenbezogen und gleich geblieben, sie wurde nicht auf die Mitteltemperatur in der Heizzeit geändert.
Leichte Veränderungen ergeben sich bei der Berücksichtigung angrenzender Treppenräume und unbeheizten Dachräumen, hier wurde mehr gerundet. Nachbarraumtemperaturen können jetzt auch expliziert über eine Bilanzierung der Wärmeströme ermittelt werden.
Deutliche Änderungen haben sich beim Thema Mindestlüftung ergeben. Zuerst einmal ist die besondere Berücksichtigung von Büro-, Besprechungs- und Schulräumen entfallen. Hier gilt nunmehr ein Mindestluftwechsel des halben Raumvolumens pro Stunde. Wie das mit der bekannten Frischluftmengenbedarf von 14 m³/h pro Person (üblicher Berechnungsansatz der kontrollierten Raumlüftung) in Einklang zu bringen ist, dieser Frage muss der Planende selbst nachgehen. Auch WCs und Bäder mit Fenster erfordern nur noch den 0.5fachen Luftwechsel. Vielleicht ein Ansatz, die Installation von Lüftern voran zu bringen. Sehr stark wirkt sich aus, dass der Mindestluftwechsel für die Ermittlung der Gebäudeheizlast nochmals halbiert wird. Ähnlich wurde in der DIN 4701 verfahren.
Ebenfalls verändert ist die Behandlung der Wiederaufheizlast. 2003 noch ganz zentral gesehen, dass bei guter Dämmung und daraus folgenden niedrigen Heizlast kaum Reserven für einen Aufheizvorgang zur Verfügung stehen. Im Anhang 2005 fand sich schon die sinnige Bemerkung, dass die Aufheizleistung entfallen kann, wenn man mit dem Auftraggeber nicht reden kann. Diese Situation sollte aber der engagierte Planende grundsätzlich vermeiden. Nach dem Entwurf ist die Wiederaufheizleistung nicht mehr Bestandteil der Normheizlast – allerdings gibt es jetzt eine Auslegungsheizleistung, also doch Transmission plus Lüftung plus Wiederaufheizung. Die Abschätzung, in wie weit die Aufheizleitung nun für die Auslegung des Kessels berücksichtigt werden muss, obliegt dem Planenden. Wenn er dazu sich der Absprache mit dem Auftraggeber bedient, ist er sicher klug beraten. Im Berechnungsdetail ist die schwere Gebäudemasse der mittelschweren gleichgesetzt, was bei der mittelschweren zu einer leichten Erhöhung der Last führt. Zugefügt wurde eine wahlweise Berücksichtigung nach Nutzungsprofil und eine Stütztemperatur.
Eine Vereinfachung hat der Entwurf: Das vereinfachte Berechnungsverfahren wurde komplett gestrichen. Gut so, denn der Rechenaufwand war gleich und führte nur zu höheren Ergebnissen.
Soweit die Unterschiede in den Definitionen der Norm. Sie soll im zweiten Quartal 2007 rechtsverbindlich werden, Einsprüche sind noch möglich und an den Normungsausschuss zu richten.
Wir interessierten uns für die Auswirkungen in der Praxis und sprachen dazu mit dem Dipl.Ing und Prokuristen des Softwarehauses ConSoft, Herrn Duensing.
Redaktion HaustechnikDialog: Herr Duensing, Ihr Programm „Elrond“ kann nach Eingabe eines Hauses auf Knopfdruck die Ergebnisse nach den verschiedenen Normen auswerfen. Haben Sie bereits erste Berechnungsergebnisse, die einen Vergleich anschaulich machen?
Herr Duensing: In unserem heizheizungstechnischen Programmpaket „Elrond“
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info) sind gerade die Rechenregeln des Entwurfs eingearbeitet worden. Mehrere Projekte wurden durchgespielt. Am Beispiel eines Einfamilienhauses wurde nach DIN4701 8,2 kW, nach EN12831 (2005) 10,9 kW und nach dem neuen Entwurf 8,7 kW für die Kesselleistung berechnet. In den Räumen selbst variierten die Rechenergebnisse ähnlich.
Redaktion HaustechnikDialog: Und können Sie auch die Zahlen für ein größeres Projekt nennen?
Herr Duensing: Ja gern. Wir haben gerade ein aktuelles Projekt eines Kunden mit Wohnungen und Büros vorliegen, ca. 500 Quadratmeter beheizter Fläche. Die Ergebnisse sind heftig unterschiedlich: für die Kesselleistung berechnen sich nach DIN4701 45 kW, nach EN12831 (2005) 93 kW und nach dem Entwurf 72 kW.
Redaktion HaustechnikDialog: Was empfehlen Sie Ihren Kunden?
Herr Duensing: Aus der Sicht eines Bauherren sind natürlich die Kosten für die Installation, der Komfort und auch die Energieeffizienz von großer Bedeutung. Allerdings kann dabei der Preis für die Investition schon mal in den Hintergrund treten zugunsten einer sicheren energieeffizienten Anlage, die den Ansprüchen des Bauherren nach Komfort verbunden mit niedrigen Betriebskosten genügt. Zusätzlich zur Heizlastberechnung sollte die Rohrnetzberechnung mit hydraulischem Abgleich Pflicht einer jeden Heizungsplanung sein. Und um diese Anforderungen vernünftig und schnell zu erfüllen, sollte der Planende zur Unterstützung seiner Arbeit eine ordentliche Software nutzen.
Redaktion HaustechnikDialog: Hoffen wir, dass sich das Bewusstsein schärft, dass Energieeffizienz uns alle angeht. Die stetig steigenden Gas- und Brennstoffkosten tun vielleicht ein übriges, um die effektiv Planenden zu fördern.