Ein Mietshaus so sanieren, dass es nur noch halb soviel Energie benötigt wie ein Neubau– geht das? Ein fertig gestelltes Modellprojekt in Schwaben zeigt, dass es möglich ist.
Das Schwabener Mietshaus vor der Sanierung. Foto: eza!
Nach der Sanierung - das mit Mietshaus ausgestattet mit Solarenergie, Wärmepumpe und guter Dämmung. Foto: eza!
Als erste Sanierung im Regierungsbezirk Schwaben im Rahmen des bundesweiten Modellvorhabens Niedrigenergiehaus im Bestand der Deutschen Energie Agentur (dena) erreichte ein Mietshaus des Sozial-Wirtschaftswerks (SWW) in Oberstdorf diesen Standard. Der bisherige Heizenergieverbrauch konnte um 90 Prozent reduziert werden. Als „Quantensprung“ bezeichnet Architekt Michael Felkner das Projekt.
„Der Dämm-Standard bei Mietshäusern liegt derzeit bei acht bis zehn Zentimetern“, erläutert Felkner. „Und das ist eindeutig zu kurzfristig gedacht“, so der Architekt weiter. Nach nicht einmal zehn Jahren müsse dann nämlich mit hohen Kosten nachgebessert werden. Auf langfristige und damit nachhaltige Maßnahmen wurde deshalb beim Modellprojekt in Oberstdorf von Anfang an geachtet. Die Dämmung mit 20 Zentimetern ist auf eine Laufzeit von 30 Jahren ausgelegt. Genauso die dreifach verglasten Fenster und die neue Haustechnik. Martin Sambale, Geschäftsführer Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) meint dazu: „Es sprechen viele Gründe für eine so weitgehende Sanierung – durch diese Sanierung des SWW sollte auch ein Leuchtturmprojekt entstehen, das weitere Nachfolgeprojekte auslöst. Wir hoffen auf viele weitere Sanierungen in der nächsten Phase des Modellvorhabens, die im März starten soll.“ eza! betreut die Modellprojekte in Schwaben.
„Mit diesem Modernisierungsvorhaben haben wir einen neuen Weg beschritten“, erklärt Andreas Gebhard, Geschäftsführer des SWW. „ Die Bauausführung in solch zukunftsweisendem Standard war für uns mit etwas höheren Kosten verbunden, die Mieter werden sich jedoch über die deutlich niedrigeren Heizkosten freuen.“ Auch die Verantwortung gegenüber der Umwelt wird vom SWW ernst genommen „Durch den Einsatz von Wärmepumpe, Solar- und Photovoltaikanlage setzen wir hier gezielt auf erneuerbare Energien“ so Gebhard weiter „Ermöglicht wurde dieses Projekt nicht zuletzt durch die zusätzlichen Fördermittel die das SWW über das Modellvorhaben erhalten hat“.
Auch für die Mieter ist diese Maßnahme ein Gewinn. So waren beispielsweise vorher alle Wohnungen mit Einzelöfen ausgestattet. Die neue Heizung mit Solarenergie und Wärmepumpe und die gute Wärmedämmung bringen jetzt neben der Energiekosteneinsparung einen deutlichen Komfortgewinn. Auch die Lüftungsanlage trägt dazu bei. Lärmbelastungen durch eine naheliegende Bahnstrecke und einen großen Parkplatz gehören jetzt der Vergangenheit an.