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News vom 21.02.2007

Die Modernisierungswelle kommt

Der Fachverband Sanitär-, Heizung-, Klima- und Klempnertechnik Niedersachsen hat im Rahmen seiner Kampagne zur Heizungsoptimierung ein Interview mit Interview mit Professor Dr.-Ing. Dieter Wolff, FH Braunschweig/Wolfenbüttel zum Thema Mordernisierung der Heizanlagen geführt:

Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff. Foto: FH Braunschweig/Wolfenbüttel
Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff. Foto: FH Braunschweig/Wolfenbüttel
Frage: Herr Prof. Wolff, gibt es Zahlen, die belegen, wie viele Heizungsanlagen in den bundesrepublikanischen Ein- bzw. Zweifamilien-Häusern überholungsbedürftig sind oder ausgetauscht werden müssten?

Prof. Wolff: Wir schätzen die Zahl der veralteten Heizungsanlagen auf mehrere Millionen. Bei dieser Angabe gehen wir zum einen von den Anlagen aus, deren Lebenszyklus das Ende erreicht hat, und zum anderen von denen, die den Ansprüchen geltender EU-Richtlinien und –Verordnungen nicht mehr genügen. Hier sprechen wir allein von geschätzten 2,3 Mio. Stück. Auch die vom Gesetzgeber verlangten Energieausweise sowie verschiedene Förderprogramme werden hoffentlich für einen zusätzlichen Modernisierungsschub sorgen.

Frage: Welche Laufzeit gilt durchschnittlich für konservative, also mit fossilen Energieträgern betriebenen Heizungsanlagen, und woran erkennt der Besitzer der Anlage, dass eine Modernisierung bzw. ein Austausch angezeigt ist?

Prof. Wolff: Wir gehen von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren aus, wobei diese Angabe natürlich von regelmäßig durchgeführten Wartungen abhängig ist. Zur zweiten Frage: Zwei Verbrauchsparameter sind für die Frage nach Austausch, Modernisierung oder Weiterbetrieb entscheidend: Die Abgasverluste und die Kesseloberflächenverluste, die man zusammen z. B. durch Einbau eines einfachen Wärmemengenzählers hinter dem Wärmeerzeuger leicht bestimmen kann. In vielen Fällen wurde im Rahmen von Studien festgestellt, dass entscheidende Komponenten von Altanlagen überdimensioniert sind und die Einstellung sowie Regelung der Heizung optimiert werden sollte. In die Mängelliste gehören Thermostatventile, die nicht voreingestellt sind sowie zu groß dimensionierte Pumpen, Heizkörper und Heizungskessel. Zudem fehlt fast immer der hydraulische Abgleich zur Begrenzung der Wärmeabgabe. Neben dem Abgleich, z. B. durch Voreinstellung von Thermostatventilen, kann der Hausbesitzer vor allem mit der Einstellung einer angepassten Förderhöhe an der Pumpe sowie der Einstellung der Vorlauftemperatur am zentralen Regler die Leistung seiner Anlage verbessern, den Verbrauch verringern und Emissionen minimieren. Eine weitere wichtige Forderung an die Hersteller von kompakten Öl- und Gaswandgeräten: es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, für die Anlage eine definierte Druckdifferenz zwischen möglichst 0,5 bis 2 m (als entsprechende Förderhöhe) einzustellen, um eine vernünftige Optimierung im Einfamilienhaus zu erzielen. Mit diesen Optimierungsmaßnahmen kann der Besitzer der Anlage, vorsichtig geschätzt, zwischen 0,5 bis 2 l Heizöl (oder die entsprechende Menge in m2 Erdgas), also bis etwa 1,50 pro qm und Jahr Energie sparen.

Frage: Stichwort Alternative Energien (Solarthermie) und Heizungsanlagen. Sind solche Kombinationen technisch ausgereift bzw. zu empfehlen?

Prof. Wolff: Wie immer auf dem umfangreichen Feld der Heizanlagentechnik gilt: Das hängt von vielen Faktoren ab. Sicher ist die Solarthermie heute eine ausgereifte Technik. Ein Problem ist noch zu lösen: die so genannte Stagnation im Kollektorkreis (Überhitzung und Dampfbildung), die auftreten kann, wenn im Sommer keine Nutzwärmeabnahme gegeben ist. Bei der Auslegung und Planung kommt es immer darauf an, wer für welchen Haustyp bei welcher Bewohnerzahl, also für welchen Bedarf plant. Mit einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung können – abhängig von der Nutzerzahl – typisch 0,5 bis 2 l Heizöl pro qm und Jahr, mit zusätzlicher Heizungsunterstützung noch einmal zusätzlich typisch 0,5 bis 1 l/ pro qm und Jahr eingespart werden. In Überlegungen zum Einsatz regenerativer Energiequellen können beispielsweise auch Biobrennstoffanlagen – Pellets, Biogas, Rapsöl, aber auch Wärmepumpen- und BHKW-Anlagen (Blockheizkraftwerke) einbezogen werden. Investitionen in alternative Energien – dazu zählen die nachträgliche Dämmung von Außenwänden oder der Einsatz hochwertiger Wärmeschutzverglasungen – erfordern immer langfristige Planungen über 20 Jahre und mehr, da die Beschaffungskosten vergleichsweise hoch sind, sich aber die Komponenten durch ihr Einsparpotenzial im Laufe ihres Lebenszyklus auf jeden Fall amortisieren sollten; sonst ist die Maßnahme unwirtschaftlich. Auch spielt die Beschaffenheit der Gebäudehülle eine Rolle und die Frage, ob es sich um einen Altbau oder um einen Neubau handelt. Grundsätzlich gilt die Prämisse für alle Modernisierungsmaßnahmen: Wie kann ich mit dem geringsten Aufwand die meisten Kilowattstunden einsparen und wie plane ich mittel- und langfristig eine Modernisierung der Gebäude- und Anlagentechnik in Stufen oder sofort auf ein technisch und wirtschaftliches Gesamtoptimum. Hier gilt die Devise: „Wenn schon, denn schon!“

Frage: Sie empfehlen also einen „ganzheitlichen Blick“?

Prof. Wolff: Ja, wenn Sie damit den Blick auf das gesamte Gebäude mit seinen verschiedenen Systemen meinen. Jeder Gebäude- und Anlagenbesitzer sollte sich die Fragen stellen: Wie ist die Gebäudehülle gedämmt, welche Qualität haben Fenster und Türen? Wie ist die Heizungsanlage gedämmt, welche Heiztechnik kommt zum Einsatz, wann sollte die Anlage gewartet und die Regeltechnik überprüft werden? Dann lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Gesetzeslage und ein wenig Recherchezeit, um das passende Förderprogramm zu finden. Beispielsweise ist die Förderung über das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau empfehlenswert. Und nicht zuletzt sollte der Hausbesitzer sich der richtigen Fachkompetenz versichern: Der Installateur oder Heizungsbauermeister und der Energieberater sind das ideale Team. Schließlich gilt bei allen durchgeführten Maßnahmen: Die Erfolgskontrolle ist ein Muss! Deshalb sollten spätestens nach einer Anlagenerneuerung Verbrauchsmessgeräte zur Erfolgskontrolle eingebaut werden. Der Aufwand ist relativ gering. Bei verschiedenen Projekten konnten wir hierdurch wesentliche Erkenntnisse gewinnen.

Frage: Zum Schluss: Wohin werden sich die Themen Heizungstechnik und Energieverbrauch entwickeln?

Prof. Wolff: Es ist für mich erfreulich festzustellen, dass sich langsam ein Bewusstsein für die genannten Themen entwickelt, sowohl auf Seiten der Verbraucher, als auch auf der unserer Industrie- und Handwerksbetriebe. Die rapide steigenden Energieverbrauchskosten und das Wissen um die Folgen der CO2-Emissionen stellen starke Triebfedern dar. Langfristig werden sich die regenerativen Energieträger zu einem vollwertigen Ersatz der fossilen Brennstoffe entwickeln. Aber gleichzeitig muss der Nutzwärmeverbrauch durch nachträgliche Verbesserung der Gebäudehülle und durch ein bewusstes und sparsames Nutzerverhalten drastisch reduziert werden: nur durch 80% Verbrauchsminderung kann ein Anteil regenerativer Energien von 80% oder sogar von 100% bis zum Jahre 2050 realisiert werden. Deshalb ist eine langfristige Planung und Aufeinanderabstimmung der baulichen und anlagentechnischen Maßnahmen eine zwingende Notwendigkeit. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, wenn wir bedenken, dass bei Heizungsmodernisierungen und Neubauten lediglich 8% der neuen Anlagen mit Solarthermie kombiniert werden oder nach einer Modernisierung fast nie ein hydraulischer Abgleich und eine Anpassung der Pumpen- und Reglereinstellungen vorgenommen wird. Hier muss auch an die Komponentenhersteller appelliert werden, dass sie nicht weiterhin mit einer einfachen „Plug-&-Play-Philosophie“ werben, also den Eindruck vermitteln, die neuen Geräte müssten nur einfach angeschlossen werden und schon laufen sie ohne jegliche Einstellung. Hier sind die Qualität und das Verantwortungsbewusstsein des Handwerkers gefragt. Absehbar wird sich nicht nur eine Technik als marktbeherrschend erweisen, sondern vielmehr eine Mischung verschiedener Technologien (Solar, Wärmepumpen, Holz, Biomasse, Klein-BHKWs und
weiterhin konventionelle Öl-Niedertemperatur- und Gas-/Öl-Brennwerttechnik) zusammen mit einer Modernisierung von Bestandsgebäuden auf Niedrigenergiehaus- oder auf Passivhausstandard wird die Zukunft gehören.

Zur Person: Professor Wolff, Jahrgang 1952, ist seit 1987 Professor an der FH BS/WF im Fachbereich Versorgungstechnik, dem er von 1993 – 1995 als Dekan vorstand. Prof. Wolff hat Anfang der 90er-Jahre in seinem Fachbereich, erstmalig in Niedersachsen, zwei verpflichtende Praxissemester eingeführt. Diese wurden – aus seiner Sicht sehr bedauerlich – mit Einführung neuer Bachelor-Studiengänge leider wieder abgeschafft, obwohl die Praxissemester in den meisten Fällen zu einem optimalen Berufseinstieg geführt haben. Der Ingenieur lehrt in den Bereichen Heizungstechnik, Instandhaltung und Wirtschaftlichkeit Energietechnischer Anlagen.
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