Am vergangenen Freitag war „Innovation in der Solarwirtschaft“ das Thema des ZDF Morgenmagazins und dazu hatte sich auch die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) geäußert.
Mit der Diskussion um die EEG-Novelle die Weichen für die deutsche Handwerkerschaft richtig stellen.
Mit ihrer dortigen Stellungnahme gibt die DGS auch eine direkte Antwort auf das kürzlich erschienene Glos-Gutachten zur EEG Novelle in dem eine Absenkung der EEG-Vergütung für Solarstrom zugunsten der Windkraft gefordert wird.
Im Beitrag “Spitzentechnologie made in Germany - Wie fit ist Deutschlands Ökobranche wirklich?“ weist DGS-Präsident Dr. Jan Kai Dobelmann auf die Bedeutung der Innovation bei der Entwicklung des Technologiefeldes Photovoltaik hin. "Wir brauchen nicht nur billige Produkte, sondern Innovationen, um gegen Länder wie China oder andere Massenproduzenten bestehen zu können. Die Photovoltaik ist ideal geeignet, innovative Anwendungen in der Gebäudetechnik zu schaffen. Hier würden zwei Stärken der Deutschen Wirtschaft zusammengeführt. Wir sind bei Dämmstoffen und Fassaden Spitze. Die meisten Solarunternehmen kommen aus Deutschland - wir müssen dies kombinieren."
Das ZDF berichtete in seinem Beitrag über die kürzlich erschienene Berger-Studie, die der Umwelttechnologie bessere Markt- und Arbeitsplatzzahlen vorhersagt als dem klassischen Maschinenbau oder der Automobilwirtschaft. Im Internet findet sich
hier der Beitrag.
Jetzt die Weichen richtig stellen! - Photovoltaik heißt Innovation am Haus Unter der Überschrift: Koalition will Windkraft stärker fördern - zu Lasten der Solarenergie berichtete Spiegel Online über ein Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums, das sogenannte Glos-Gutachten.
Das vom IE Leipzig und dem Prognos Institut für den Bundeswirtschaftsminister Glos erstellte Gutachten kommt zu dem Schluss, die Photovoltaikvergütung für Dachanlagen um 4 €ct. abzuschmelzen und eine einheitliche Degression von 6,5% einzuführen. Begründet wird dies mit einer besseren Wirtschaftlichkeit von Freiflächenanlagen. Der Bericht zum Glos-Gutachten findet sich
hier im Internet bei Spiegel Online.
Bundesminister Glos zur Veröffentlichung des Gutachtens: "Das Bundesumweltministerium wird im Einvernehmen mit dem Bundeswirtschafts- und -verbraucherschutzministerium in diesem Jahr dem Bundestag einen Erfahrungsbericht zum EEG vorlegen. Das jetzt vorliegende Gutachten bietet eine gute Grundlage für eine differenzierte Diskussion." Das Gutachten findet sich im Internet hier in der
Kurzfassung sowie in der
Langfassung.
Lernkurve ist Maßstab für herkömmliche Photovoltaikmodule Das Gutachten belegt Marktwachstum und Erfolge bei der Kostensenkung für Solarstrom in Deutschland. Dass in der Photovoltaik durch den Markterfolg erhebliche Kostensenkungen eingetreten sind, ist auch für die DGS hoch erfreulich. Es beweist, dass die von Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) in den letzten Jahren aufgestellte Lernkurve zur Kostenreduktion durch Massenproduktion gilt und auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden kann.
Für Maschinen und Herstellung herkömmlicher Photovoltaikmodule greifen Skaleneffekte, Effizienzsteigerungen und Kostenreduktionen in klassischer Weise. Innovative Produkte wie Solarfassaden oder -dächer profitieren bei Rohstoffen und Bauteilen, werden jedoch noch nicht massenweise hergestellt. Sie können die Skaleneffekte deshalb noch nicht im gleichen Maße umsetzen und sind teurer.
Kraftwerk Haus - Die Gebäudehülle als CO2-freier Stromerzeuger Deutschland ist, getragen von vielen mittelständischen Solarunternehmen, Innovations- und Technologieführer in der Photovoltaik. Dies muss so bleiben, denn hier wachsen die Arbeitsplätze von Morgen schon Heute. Neben der Produktion der Komponenten Solarmodule und Wechselrichter gilt das auch für die Bereiche der Planung und vor allem das ausführende Handwerk. Viele Elektro-Handwerksbetriebe haben sich mit der Thematik Solarstrom ein zukunftsfähiges Standbein geschaffen. Nur beständiger Innovationsdruck schützt den solaren Mittelstand in Deutschland vor der ausländischen Konkurrenz mit billigen Löhnen und großen Fertigungskapazitäten bei Standardmodulen.
Die starke Förderung der Gebäudeintegration von Photovoltaik ist deshalb einfach ein Zukunftsbonus für Deutschland. Wer Photovoltaik nur auf die Stromproduktion verengt, wie bei aus Massenmodulen gefertigten Freilandanlagen, verkennt die Zukunftschancen der Photovoltaik. Diese ist handwerksnah und prädestiniert für einen Mehrfach-Nutzen. Gelungene Beispiele hierfür sind z.B. der Berliner Hauptbahnhof mit seiner transparenten Photovoltaikanlage.
Keine Geisterfahrt - Innovationen brauchen Wachstumsraum Der Vorschlag des Glos-Gutachtens, eine Absenkung der EEG-Vergütung im Gebäudebereich gleichen jedoch einer Geisterfahrt. Sie steuert direkt gegen den innovativen Mittelstand in der deutschen Solarwirtschaft und bedroht das deutsche Handwerk. Freilandanlagen werden aus Massenproduktionsmodulen altbekannter Bauart erstellt, diese stammen auch zunehmen auch aus dem Billiglohnland China. Sie können auch von ungelernten Kräften in industrieller Montageweise errichtet werden, die gut qualifizierten Handwerker gehen meistens leer aus.
Die Elektronikindustrie beweist: Für Massenprodukte ist Deutschland meist nicht der richtige Standort. Wir brauchen immer Innovationen. Innovative Gebäudetechnik hingegen fordert lokale Ingenieurkenntnisse. Hier sind wir stark.
Mit einem gleichen Schritt in die andere Richtung, nämlich der Absenkungsempfehlung in Richtung Freilandanlagen würde ein Innovationsdruck erzeugt, der die heimische Solarwirtschaft stärkt. Diese ist viel besser als Hersteller aus Fernost in der Lage, angepasste Innovationen für den heimischen Gebäudemarkt zu erzeugen. Ebenfalls würde dem Handwerk so nicht der Boden entzogen.
DGS Positionspapier zum EEG:
Die DGS hatte bereits in ihrem Positionspapier für die Verbändeanhörung im Bundesumweltministerium darauf hingewiesen, dass man einer Optimierung und Veränderung der EEG-Vergütung von Photovoltaik aufgeschlossen gegenübersteht. Wichtig für den Verband ist dabei: Zukunftsperspektiven erweitern und nicht durch eine falsche Weichenstellung Nachteile für die heimischen Technologieführer zu erzeugen.
Ziele und Forderungen der DGS in der EEG-Novelle:
1.) Innovationssprung einleiten - Innovationen brauchen Wachstumsraum
Das klimaneutrale Kraftwerk Gebäudehülle muss erschlossen werden. Hierzu braucht es ein EEG mit Innovationsbonus für Solartechnik, die Teil der Gebäudehülle ist. Dabei müssen zwei Wachstumsbranchen in Deutschland kombiniert werden. Dies braucht noch Zeit, ist aber eine richtungsweisende Zukunftsinvestition. Wird der Schutz jetzt gewährt, wirkt dies ummittelbar auf den nationalen Mittelstand und das Handwerk.
2.) Wachstumssprung nutzen - Solarindustrie muss zum Gesellschaftsvertrag der Kostenreduktion stehen
Marktvolumina und Kostenkurve für Standardmodule sind durch die Industrie veröffentlicht und bestätigt. Diesem Gesellschaftsversprechen der internationalen Photovoltaik-Industrie muss gefolgt werden. Der derzeitige Boom hat auch Experten überrascht, nun muss die kostendeckende Vergütung des EEG an den deutschen Stromkunden weitergereicht werden. Die kostendeckende Vergütung verpflichtet. Dies übt den Druck auf die größtenteils asiatischen Hersteller von Massenware aus und schafft die Basis für günstige Rohstoffe und Komponenten wie Solarzellen.
DGS ist guter Dinge für die deutsche Photovoltaik-Industrie und das Handwerk
"Wir setzen darauf, dass Herr Glos die falsche Handlungsempfehlung des Gutachtens zugunsten einer Stärkung der Boombranche Photovoltaik und der deutschen Bauzulieferindustrie umkehrt. Ein Wirtschaftsminister muss nationale Kompetenzen ergänzen und nicht das Ausland zu Importen von Massenware anregen." so DGS-Präsident Dr. Jan Kai Dobelmann.
Die DGS ist überzeugt, dass die anstehende EEG Debatte das Kernziel des EEG, nämlich die Kostenreduktion durch Marktbereitung sich mit Sicherheit wieder zur Eigen machen wird. Schon alleine die Sorge um die deutsche Handwerkerschaft, die nur bei Dachanlagen und nicht in der industriell errichteten Freifläche aktiv werden kann, sollte der Politik eine solche Weitsicht gebieten.
Anhang: Weiterer Artikel zum Thema Photovoltaikkosten bei Spiegel Online:
Solarfirmen kassieren Milliarden - auf Kosten der Verbraucher sowie die Antwort des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) auf diesen Beitrag des Spiegel Online:
Leserbrief - Solaranlagen mit Erdbeeren vergleichen