Minergie ist der wichtigste Energiestandard in der Schweiz für Niedrigenergiehäuser. Dabei handelt es sich um eine in der Schweiz geschützte Marke für nachhaltiges Bauen, die dem Passivhaus Standard in Deutschland ähnelt. Sie gehört den Kantonen Bern und Zürich.
Der Urner Baudirektor, Regierungsrat Markus Züst überreicht Richard Gisler, Vizedirektor Urner Kantonalbank, das MINERGIE®-Zertifikat für den Neubau der Agentur Erstfeld. Von links nach rechts: Fredi Russi, Vizedirektor Urner Kantonalbank, Kurt Gisler, Agenturleiter Erstfeld, Richard Gisler, Vizedirektor Urner Kantonalbank, Regierungsrat Markus Züst, Guido Scheiber und Gerhard Danioth, Amt für Energie, Altdorf.
Die Urner Kantonalbank in Erstfeld hat jetzt das MINERGIE®-Zertifikat erhalten und übernimmt damit eine Vorreiterrolle, wie der folgende Objektbericht der Bank zeigt.
In Erstfeld entstand in knapp 10 Monaten das erste MINERGIE®- Bankgebäude der Zentralschweiz. Bauherr und Eigentümer des topmodernen Gebäudes ist die Urner Kantonalbank. Herausragende Merkmale der Agentur Erstfeld sind unter anderem die Gebäudehülle und die Komfortlüftung. Die schlichte, sehr gut wärmegedämmte Fassade bietet einen idealen Sonnen- und Wetterschutz und verleiht dem Gebäude rein optisch Leichtigkeit und Dynamik. Die Komfortlüftung sorgt für ein angenehmes Raumklima während des ganzen Jahres. Entwickelt, geplant und realisiert wurde der Bau vom Bereich Logistik der Urner Kantonalbank in Zusammenarbeit mit HTS Architekten und der Camenzind Haustechnik.
Die Übergabe des MINERGIE®-Zertifikats durch den Urner Baudirektor, Regierungsrat Markus Züst erfolgte am 18. April 2007. Rund 45 Prozent des Energieverbrauchs werden üblicherweise für Raumwärme und Brauchwasser in Gebäuden benötigt. Dabei ginge es auch anders: Mit einer guten Dämmung beispielsweise können zwischen 60 und 80 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden. Auch bezüglich Energiequellen können nachhaltige Maßnahmen zur Anwendung kommen, indem erneuerbare Energien wie Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme genutzt werden. In der neu erstellten Filiale Erstfeld wurden diese Maßnahmen im Rahmen des MINERGIE®-Konzepts umgesetzt. Unter anderem mittels hochwertiger Gebäudeisolation und einer Wärmepumpe, die rund 70 Prozent der Heizlast abdeckt. Die Wärmepumpe entzieht die notwendige erneuerbare Energie zum Heizen des Gebäudes dem Grundwasser. Zur Überbrückung der Stromsperrzeiten und zur Verlängerung der Wärmepumpe-Laufzeit ist ein Pufferspeicher eingebaut. Die Wärmepumpe kann im «Umkehrbetrieb» als Kältemaschine genutzt werden. Für ein angenehmes Raumklima ohne Durchzugserscheinungen und für ausgeglichene Raumfeuchtigkeit sorgt die Komfortlüftung – in der Regel ein Muss für MINERGIE®-Bauten. So ist in der Agentur Erstfeld die Luftqualität im Inneren des Gebäudes auch bei geschlossenen Fenstern einwandfrei. Ein großer Vorteil insbesondere an der tagsüber viel befahrenen Gotthardstrasse.
Urner Kantonalbank : «Nachhaltig in Immobilien investieren» Von den umgesetzten Maßnahmen profitieren nicht nur das Gebäude selbst und die Menschen, die darin arbeiten, sondern langfristig auch die Urner Kantonalbank als Eigentümerin: «Als Investor, der nachhaltig in Immobilien investiert und die Rendite über den ganzen Lebenszyklus’ des Gebäudes im Auge hat, war für uns der MINERGIE®- Standard sehr wichtig», erläuterte Richard Gisler, Bereichsleiter Logistik, anlässlich der Labelübergabe am 18. April 2007. Die gute Werterhaltung ist neben dem Plus an Komfort und der Rücksicht auf die Umwelt ein gewichtiges Argument für Investoren, um nach dem neuen Standard zu bauen.
Urner Kantonalbank übernimmt Vorreiterrolle Für die Planung und Realisierung des Neubaus arbeitete der Bereich Logistik der Urner Kan-tonalbank mit der HTS Architekten AG und Camenzind Haustechnik AG zusammen. «Als Hausbank der Urner erfüllen wir eine Vorbildfunktion», ist Vizedirektor Richard Gisler überzeugt. «Wir wollen dazu beitragen, dass der Baustandard auch vermehrt bei Verwaltungsbauten angewendet wird». Das Bekenntnis zu einer nachhaltigen Geschäftsphilosophie wird in Zukunft das Verhalten der Urner Kantonalbank im Logistikbereich prägen. «Auch weitere Neubauten sollen wenn immer möglich nach MINERGIE® realisiert werden».
Mustergültiges Bauprojekt Regierungsrat Markus Züst, der das MINERGIE®-Zertifikat an die Urner Kantonalbank übergab, ist von der Zukunft des fortschrittlichen Baustandards überzeugt: «MINERGIE® wird schon bald auch bei den kantonalen Neubauten und wenn immer möglich auch bei Sanierungen Standard sein». Er bezeichnete den Neubau der Urner Kantonalbank in Erstfeld als mustergültiges Bauprojekt und dankte der Urner Kantonalbank und den Fachplanern für das grosse Engagement als Initianten, Vordenker und Umsetzer des Projekts. MINERGIE® sei eine interessante Kapitalanlage geworden, welche heute auch für Banken ein wichtiges Verkaufsargument sind. Der Standard erfülle wichtige Kriterien, die auf die mittel- und langfristige Rendite und die Sicherung des Anlagewerts einen positiven Einfluss hätten. Er hoffe, dass viele Baufachleute und Investoren dem Beispiel der Urner Kantonalbank folgen werden, insbesondere auch im Wohnungsbau.
Gebäudehülle Die Gebäudehülle besteht aus einer tragenden Struktur in Stahlbeton mit aussen liegender Wärmedämmung von 20 cm. Im Dachbereich beträgt die Wärmedämmung 22 cm. Durch die kompakte Form mit nahezu quadratischem Grundriss ergibt sich ein gutes Verhältnis zwi-schen Aussenfassade und innerer Nutzfläche. Durch die sehr gute Wärmedämmung erreicht das Gebäude einen sehr niedrigen Energieverbrauch.
Beleuchtungskonzept Minergie Verwaltungsbauten haben im Bezug auf den Elektrizitätsverbrauch besonders hohe Anforderungen zu erfüllen. Da die Zielvorgabe für das ganze Gebäude auch den Elektrizi-tätsverbrauch einschließt, sind Konzepte für Beleuchtung, Bürogeräte usw. zu erstellen. Dies ist bei Dienstleistungsgebäuden wie der Agentur Erstfeld kein einfaches Unterfangen. Mit einem umfassenden Elektrizitätskonzept konnten die hohen Anforderungen erreicht werden.
Vernetztes Denken ist gefragt Eine gute Wärmedämmung schützt im Winter vor unnötigen Wärmeverlusten nach aussen und im Sommer vor Überhitzung im Innern. Gleichzeitig müssen aber die inneren Wärme-quellen in die Überlegungen einbezogen werden. Die Abwärme der Apparate, Beleuchtung und Mitarbeiter ist während der Heizperiode eine willkommene Ergänzung zur Senkung des Heizenergiebedarfs, weil diese Abwärme in einer so genannten Wärmerückgewinnung beim Luftaustausch zur Erwärmung der Aussenluft dient. Im Sommer sind diese inneren Wärmequellen eine zusätzliche Wärmelast, welche die Raumtemperatur in die Höhe treibt. Im Winter wird das Gebäude mit einer Wärmepumpe, welche Grundwasser als Wärmequelle nutzt, beheizt. Das Grundwasser dient im Sommerhalbjahr gleichzeitig zur Kühlung der Decken und Wände im Innern des Gebäudes. Damit kann auf eine Klimaanlage im traditionellen Sinn verzichtet werden. Auf die gleiche Art werden auch der Serverraum und der Automatenraum gekühlt.
Nutzung der Sonnenenergie Auf dem Dach der Geschäftsstelle Erstfeld ist eine Fotovoltaikanlage mit einer Fläche von 90 m2 installiert, welche Sonnenenergie direkt in elektrische Energie umwandelt. Die jährliche Stromproduktion liegt bei ca. 10'000 - 12'000 kWh, was dem Jahresstrombedarf von zwei Haushalten entspricht. Der grösste Teil fällt im Sommerhalbjahr an. Die Gemeindewerke Erstfeld übernehmen diesen Strom in ihr Netz, welches in diesem Fall so etwas wie den Energiespeicher bildet.
Die 3 Liter Bank In der Bilanz erreicht das neue Bankgebäude den beachtlichen spezifischen Wert von 32 kWh pro m2 und Jahr, was einem Ölverbrauch von rund 3 Liter Öl pro m2 und Stunde be-heizte Fläche entspricht. Man kann sagen, die Urner Kantonalbank Erstfeld ist eine 3-Liter-Bank. Ein gemäß Vorschriften gebautes Gebäude würde 2½-mal mehr Energie benötigen.
Minergiehypothek: Neu im Produktesortiment Die Urner Kantonalbank unterstützt Investitionen ihrer Kunden in Objekte nach Minergie-Standard und lanciert in den nächsten Tagen die Minergiehypothek. Diese bietet Vorzugskonditionen für Neubauten und Renovationen welche nach Minergie-Standard gebaut werden. Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrer Kantonalbank.