Der Vorsitzende des Fachbereichs Hochbau im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Dipl.-Ing. Thomas Sander, kritisiert den Kompromiss zum Gebäudeenergieausweis und fordert den Bundesrat auf nachzubessern.
Dipl.-Ing. Thomas Sander - Vorsitzender des Fachbereichs Hochbau im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.
„Hauptimpulsgeber im Wohnungsbau werden weiter die Maßnahmen im Bestand sein. Die Diskussion über Klimaschutz, steigende Energiepreise sowie über die Einführung eines Gebäudeenergiepasses haben mit dazu beigetragen, dass mehr in den Wohnungsbestand investiert wird. Als Vertreter des mittelständischen Baugewerbes können wir steigende Bestandsinvestitionen nur begrüßen. Denn sie sichern viele Tausend Arbeitsplätze in unseren Firmen.“ Dieses erklärte der Vorsitzende des Fachbereichs Hochbau im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Dipl.-Ing. Thomas Sander aus Hamburg, gestern anlässlich der Pressekonferenz des Fachverbandes Wärmedämm- Verbundsysteme e.V. in Berlin.
Von den 30 Millionen Wohnungen und Häusern, die in Deutschland vor 1984 gebaut wurden und seinerzeit nur geringe Energiestandards erfüllen mussten, sind 24 Millionen sanierungsbedürftig. Um den Verbrauch an Erdgas oder Erdöl nachhaltig zu senken, sind in der Regel umfassende Dämmmaßnahmen sowie der Einbau einer effizienten Heizungsanlage erforderlich.
Sander kritisierte in diesem Zusammenhang den gefundenen Kompromiss zum Gebäudeenergieausweis, der sowohl verbrauchs- als auch bedarfsorientierte Ausweise zulässt, da dieser den Anforderungen, nämlich nicht nur Transparenz für Eigentümer und Mieter zu schaffen, sondern auch Investitionsanreize zu setzen, nicht gerecht werde. Er forderte daher die Bundesregierung, bzw. den Bundesrat auf nachzubessern, im Interesse von Klimaschutz und Arbeitsplätzen in Deutschland.
Sander forderte darüber hinaus Korrekturen an der Aufzählung derjenigen Handwerke, die – nach dem heute im Bundeskabinett vorliegenden Entwurf - zur Ausstellung der Energieausweise zukünftig berechtigt sein sollen. Es fehlen nämlich wesentliche Handwerke wie der Stuckateur, der Fliesenleger, der Estrichleger, der Schreiner/Tischler, der Elektrotechniker, der Ofen- und Luftheizungsbauer, der Maler und Lackierer sowie der Metallbauer.
Sander wörtlich: „Dies ist umso unverständlicher, weil die anerkannte Qualifizierung des Gebäudeenergieberaters HWK, die wir gemeinsam mit anderen Verbänden des Bau- und Ausbauhandwerks bereits vor vielen Jahren entwickelt und am Markt eingeführt haben, auch Meistern aus den genannten Gewerken offen steht und diese sich in den vergangenen Jahren an der Fortbildung beteiligt haben. Bereits die Meisterberufsbilder dieser Handwerke weisen die grundlegenden bauphysikalischen Kenntnisse auf, die der Fortbildung zum Gebäudeenergieberater HWK zu Grunde gelegt sind.“
Ein Ausschluss dieser Gewerke bezüglich der Ausstellungsberechtigung wäre somit eine Diskriminierung, die nicht zu begründen ist, zumal anderen, in der EnEV genannten Gewerken, eben diese Vorkenntnisse fehlen, wie beispielsweise dem Schornsteinfeger.
Zusammenfassend erklärte Sander: „Die Sanierung des Gebäudebestandes in Deutschland birgt ein riesiges Potenzial für Energieeinsparung und Klimaschutz - und hilft dem Einzelnen, Heizkosten zu sparen. Angesichts hoher Preise für Öl und Gas sowie der Frage nach Energiesicherheit ist das Thema aktueller denn je. Mit der energetischen Modernisierung ist aber nicht nur eine Reduzierung der Heizkosten verbunden, sondern gleichzeitig auch eine Steigerung des Wohnkomforts. Das eigene Haus erfährt somit eine Wertsteigerung.“