Der dritte und letzte Teil des vierten IPCC-Berichts im Auftrag der Vereinten Nationen zur Minderung von CO2-Emissionen ist am vergangenen Freitag in Bangkok verabschiedet worden.
Um die Klimakatastrophe zu verhindern, muss jetzt konsequenter gehandelt werden.
Um den Klimawandel in einem beherrschbaren Rahmen zu halten, müssen die CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zum Jahr 1990 weltweit halbiert werden. Dazu müssen die erneuerbaren Energien erheblich ausgebaut und die Energieeffizienz massiv gesteigert werden. Die dazu erforderlichen Technologien stehen bereit, müssen aber konsequenter als bislang eingesetzt werden. Dies sind wesentliche Ergebnisse des neuen Berichts des Internationalen Wissenschaftsrats zum Klimawandel (IPCC), der am Freitag in Bangkok verabschiedet wurde.
Nach Ansicht von
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sind die Aussagen des neuen IPCC-Reports kein Grund, vor der Herausforderung des Klimawandels zu resignieren. „Der Bericht zeigt: Die Klimakatastrophe ist nicht unabwendbar. Wir können sie verhindern. Das Ziel der Europäischen Union, eine Erwärmung um mehr als 2 Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu verhindern, ist erreichbar. Dazu muss innerhalb der nächsten 10 bis15 Jahre das Wachstum der Treibhausgas-Emissionen weltweit angehalten und bis 2050 auf die Hälfte im Vergleich zu 1990 gemindert werden. Der IPCC-Bericht zeigt aber auch: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen jetzt entschlossen handeln, um schwerwiegende und nicht mehr kontrollierbare Klimafolgen zu vermeiden.“
Gabriel weiter: „Wir müssen die erneuerbaren Energien weltweit ausbauen und die Energieeffizienz in allen Bereichen massiv steigern. Die erforderlichen Technologien stehen längst bereit. Die Politik muss ökonomische Anreize zum Klimaschutz geben, der Emissionshandel ist dafür ein wichtiges Instrument. Außerdem müssen wir Investitionen in klimafreundliche Technologien fördern. Deutschland und Europa sind auf einem guten Weg. Jetzt kommt es darauf an, dass wir bei der Klimakonferenz im Dezember auf Bali auch international die Weichen richtig stellen. Die Wissenschaft hat ihre Arbeit getan, jetzt muss die Politik handeln.“
Für den
World Wide Fund For Nature (WWF) ist mit der Veröffentlichung des letzten Teilbandes die Zeit des Wartens jetzt vorbei. Das IPCC habe einen klaren Weg zum Schutz des Planeten aufgezeigt. Jetzt läge es an den Regierungen, diesen Weg zu beschreiten und den Klimaschutz energisch voranzutreiben. „Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorüber. Wir haben die Technologie, den Klimawandel zu bekämpfen, und wir haben das Geld, die Maßnahmen zu bezahlen – aber wir haben keine Zeit mehr abzuwarten und zuzuschauen. Jetzt müssen wir handeln“, fordert Regine Günther vom WWF Deutschland.
Das IPCC geht davon aus, dass sich die Welt schon jetzt auf einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1,3 Grad Celsius einstellen muss. „Noch steht ein kurzes Zeitfenster offen, um die Erwärmung unter dem gefährlichen Grenzwert von 2 Grad zu halten – doch die Zeit wird knapp“, so Regine Günther.
Auch die
KfW Bankengruppe, die die CO2-Minderung, Energieeinsparung und Energieeffizienz mit zinsgünstigen Krediten im In- und Ausland fördert, hält ein Umsteuern für dringend notwendig. "Wir freuen uns, dass die Debatte über den Klimawandel, die die KfW seit Jahren vorangetrieben hat, inzwischen einen breiten Raum in der Öffentlichkeit einnimmt. Ein Umsteuern ist dringender denn je, wie der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC zeigt, " sagte Ingrid Matthäus-Maier, Sprecherin des Vorstands der KfW Bankengruppe. "Mit ihren Programmen zum Umwelt- und Klimaschutz ermöglicht die KfW Bund und Ländern, möglichst wirksam und zugleich haushaltsschonend ihre umwelt- und klimapolitischen Ziele im Kampf gegen den Klimawandel umzusetzen," sagte Matthäus-Maier.
Der IPCC stellt in seinen Berichten im Auftrage der Vereinten Nationen die aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen der Klimaänderung im Konsens der internationalen Forschung fest. Der jetzt vorgestellt Bericht zur Minderung von Emissionen ist der dritte und letzte Teil des vierten IPCC-Berichts. An ihm wirkten Hunderte von Wissenschaftlern aus vielen Staaten mit, darunter auch zahlreiche Forscher aus Deutschland.
Der Bericht gibt keine Empfehlungen, sondern stellt den wissenschaftlichen Sachstand zu den technischen und ökonomischen Optionen und Potentialen zur Emissionsminderung sowie zur Wirksamkeit von Maßnahmen dar.
Am 2. Februar diesen Jahres wurde der erste Teilband des IPCC- Sachstandsberichts veröffentlicht. Darin werden die wissenschaftlichen Grundlagen dargestellt. Der HaustechnikDialog hat
hier darüber berichtet. Der am 4. April vorgestellte zweite Teilband befasst sich mit den Folgen der Klimaänderung. Auch über den zweiten Teil hat
hier der HaustechnikDialog berichtet.
Ein abschließender Synthesebericht, der die wesentlichen Aussagen der drei Teilbände auf politische Fragestellungen hin zusammenfasst, wird im November in Valencia (Spanien) verabschiedet.