Nach dem IPCC-Bericht aus Bangkok macht das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH noch mal deutlich: Politik und Gesellschaft müssen nun ernsthafte Schritte zur CO2-Minderung machen und die Kräfte bündeln.
Die Aufteilung des Stromverbrauchs privater Haushalte in Deutschland. Quelle: Wuppertaler Institut, Abschlussbericht Studie Endenergieeffizinez
Die dringenden Handlungserfordernisse zur Begrenzung des Klimawandels sind in Politik und Gesellschaft angekommen. Ziele zur Begrenzung wurden vereinbart, viele Menschen sind seitdem aktiv geworden. Mit dem Bericht der 3. Arbeitsgruppe mahnen die Klimaexperten der Vereinten Nationen nun gezielte Maßnahmen an. Sie betonen, dass eine Begrenzung des Klimawandels noch möglich ist, wenn schnell gehandelt wird, denn die notwendigen Technologien stehen zur Verfügung oder sind in der Entwicklung und die Kosten sind tragbar. Alles hängt davon ab, wie die nächsten zwei Dekaden genutzt werden.
Konkrete Vorschläge, wie die Zielerreichung insbesondere in Deutschland und Europa gestaltet werden sollte, erarbeitet das Wuppertal Institut seit seiner Gründung. Szenarioanalysen zeigen u. a. wie die Treibhausgasemissionen der EU um mindestens 30 Prozent bis zum Jahr 2020 gesenkt werden können.
In Deutschland sind unseren Erkenntnissen zufolge 80 Prozent Minderung der CO2-Emissionen bei Einhaltung des Atomausstiegs bis zur Mitte des Jahrhunderts wirtschaftlich möglich.
"Die Energieeffizienz spielt für den Klimaschutz eine Schlüsselrolle", so Präsident Prof. Peter Hennicke, "35 bis 45 Prozent Energie lässt sich einsparen, wenn nur die beste Technik genutzt würde und mit sparsamen Geräten die Nachfrage gesenkt wird." Das Ergebnis seiner Studie fasst das Wuppertal Institut so zusammenfassen: In den nächsten zehn Jahren könnte Deutschland durch den Einsatz von Endenergieeffizienz seine Treibhausgasemissionen um 160 Millionen Tonnen jährlich reduzieren. Das ist möglich, wenn beim Kauf von Elektrogeräten, beim Neubau und bei der Renovierung von Gebäuden und Produktionsanlagen jedes Mal die jeweils energiesparsamste heute schon verfügbare Lösung gewählt wird. Weitere Informationen finden sich
hier im Internet im Abschlussbericht der Studie.
Als politisches Instrument schlagen wir die Einrichtung eines EnergieSparFonds vor. Auf der Grundlage der wirtschaftlichen Vorteile massiver Einsparungen in allen Sektoren (insbesondere auch beim Strom) müssen darüber hinaus die Erneuerbaren Energien eine immer stärkere Rolle beim Klimaschutz spielen. Wie ihr Ausbau ökologisch optimiert vorangetrieben werden kann, wurde für das Umweltministerium in verschiedenen Studien erforscht. Aufbauend hierauf ist kürzlich für das Umweltministerium ein aktuelles Leitszenario erstellt worden.
In wie weit die CO2-Abscheidung und -Speicherung, von der viele Akteure einen erheblichen Klimaschutzbeitrag erwarten, tatsächlich zum Klimaschutz beitragen kann, und welche Voraussetzungen dafür zu erfüllen macht eine neuere Studie deutlich.
Einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz muss auch der Verkehr beisteuern. In der Studie "Stand und Perspektiven Klimawirksame Emissionen des PKW-Verkehrs und mögliche Minderungsstrategien" werden mögliche Maßnahmen diskutiert.
Für einen erfolgreichen Klimaschutz sind alle Energie verbrauchenden Sektoren gefordert. Mit seiner Orientierung auf die anwendungsorientierte Nachhaltigkeitsforschung zeigt das Wuppertal Institut konkrete Möglichkeiten auf, benennt die erforderlichen Anteile, beschreibt aber darüber hinaus auch welche konkreten Schritte seitens der Politik und der Wirtschaft für eine erfolgreiche Umsetzung erforderlich sind. Für den Klimaschutz gibt es keinen Königsweg, sondern hier zählt allein ein adäquater Technologie- und Politikmix.
Die Klimaforschung beziffert das notwendige Zeitfenster des Handelns auf 10 bis 15 Jahre. Wir können es schaffen, auf der Basis des heute verfügbaren Wissens umzusteuern. Hemmnisse auf diesem sich nicht selber tragenden Weg können überwunden werden. Den Industrieländern wie Deutschland, die entsprechende Konzepte bereits entwickelt haben, kommt dabei eine immense Bedeutung als Vorreiter zu, insbesondere beim bevorstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm.
"Es wird mit Blick auf die erfolgreichen Exportmärkte der Zukunft und vermiedene Investitionen in Anpassungsmaßnahmen nicht zum Nachteil der Industrieländer sein. So beträgt heute schon der Weltmarkt für erneuerbare Energien mehr als 30 Mrd. Euro jährlich", betont Dr. Manfred Fischedick. "In zwei Dekaden kann mit einem Volumen von 250 Mrd. Euro und mehr gerechnet werden." Investitionen in den Klimaschutz und die Entwicklung neuer Technologien und der mit ihnen verbundenen Märkte sind demnach im doppelten Sinne Investitionen in die Zukunft.