Jüngst zog der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Karl-Heinz Schneider eine Bilanz des Baujahres 2006: “Die Bauinvestitionen sind in 2006 um real 4,2 % angewachsen. Der Rückgang der Bautätigkeit erscheint damit gestoppt.”
Karl-Heinz Schneider - Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Foto: Bundesvereinigung Bauwirtschaft
Bei der Analyse des ersten Quartals 2007 stellte Schneider fest, dass sich in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt weiterhin positiv entwickelt. Auch im Baugewerbe gibt es eine positive Entwicklung bei den Beschäftigtenzahlen (+ 67.000 Personen) und den Arbeitsstunden. Schneider: “Die Bruttowertschöpfung konnte im ersten Quartal 2007 deutlich ausgeweitet werden.” Schneider erklärte aber auch, dass die Veränderungsraten von Sonderfaktoren beeinflusst waren. So gab es im Vergleich zum ersten Quartal 2006 kaum witterungsbedingte Einschränkungen der Bautätigkeit. Darüber hinaus war das Basisniveau des Vorjahres besonders niedrig.
Schneider bewertet die Geschäftslage aktuell als “gefestigt zuversichtlich”. Die saisonüblichen Rückgänge an Umsätzen und Aufträgen waren geringer als üblich. Auch hat sich der Beschäftigtenabbau deutlich verlangsamt. Insgesamt schätzen drei Viertel aller Betriebe im Bauhauptgewerbe ihre Geschäftslage als befriedigend und besser ein. Im Ausbaugewerbe ist die Einschätzung noch etwas positiver. Einen höheren Umsatz erwarten ca. 85 % (Ost: 80 %) der Betriebe.
Die Auftragssituation ist regional und gewerkespezifisch zwar differenziert zu bewerten, die durchschnittliche Reichweite der Aufträge geht aber im Schnitt wieder auf zwei Monate zu. Die Betriebe im Bauhauptgewerbe profitieren dabei noch vom relativ günstigen Auftragsvolumen zum Jahresende 2006. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen zum Jahreswechsel. Der Auftragseingang liegt im ersten Quartal 2007 insgesamt um real 7,1 % über dem Vorjahreswert (+ 6,9 % in den alten Ländern und + 8 % in den neuen Ländern).
Bei den von der amtlichen Statistik erfassten Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten liegt der Pro-Kopf-Zuwachs des neuen Auftragsvolumens im ersten Quartal 2007 lediglich bei 1,1 %. Damit hat sich die Auftragssituation der Betriebe nur geringfügig verbessert. Außerdem sind die Baugenehmigungszahlen in Januar und Februar massiv eingebrochen und liegen um fast 40% unter den Werten von 2006. Schneider gab hierbei zu bedenken: Baugenehmigungen sind die Aufträge von morgen.” Auch belasten Materialpreissteigerungen die wirtschaftliche Lage der Betriebe. Darüber hinaus hat die Mehrwertsteuererhöhung nachteilige Wirkungen in preissensiblen Marktfeldern. Als Fazit ist für Schneider eine “Trendwende” weiterhin unsicher.
Schneider forderte gegenüber der Politik für die rund 300.000 mittelständischen Mitgliedsunternehmen der Bundesvereinigung Bauwirtschaft eine konsequente Mittelstandspolitik. Schneider: “Die Unternehmenssteuerreform bewirkt in der aktuellen Ausgestaltung keine Stärkung der Eigenkapitalbasis und der Investitionskraft im Mittelstand. Die Thesaurierungsrücklage ist nur geeignet für Großbetriebe mit starker Eigenkapitaldecke.” Zur Kostenbelastung durch die Sozialsysteme stellte Schneider fest, dass der Wettbewerb auf dem Baumarkt durch “graue” und “schwarze” Konkurrenz besonders verzerrt ist. Die Quote der Scheinselbständigen erreicht in machen Sektoren der Baubranche bis zu 50 Prozent. Weiter bemängelte er das Vorstreckungsdefizit für Bußgelder im Ausland. Auch der Unfallversicherungsbeitrag muss deutlich reduziert werden.
Schneider rief die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen auf, um den Wohnungsbau zu fördern. “Die Entwicklung bei den Baugenehmigungen ist dramatisch und die Regierung ist verschläft weiter endlich das private Wohneigentum in die Förderung der Altersvorsorge einzubeziehen.”
Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft vertritt die gemeinsamen Gewerke übergreifenden Interessen der Betriebe des deutschen Bau- und Ausbauhandwerks. Sie spricht für rund 300.000 Betriebe mit ca. 2,7 Millionen Beschäftigten und 300.000 Lehrlingen. Die Mitgliedsbetriebe erbringen fast 80 % der Leistungen der gesamten bauausführenden Wirtschaft in Deutschland.