Für das neue Main-Kinzig-Forum, das die zentrale Verwaltung für den gesamten Main-Kinzig-Kreis übernimmt, wurde ein innovatives Haustechnikkonzept umgesetzt wie der folgende Objektbericht zeigt.
Seit Juni 2005 verfügt der Main-Kinzig-Kreis erstmals über eine zentrale Verwaltung. Angesiedelt in Gelnhausen, passt sich das Main-Kinzig-Forum gut in das umgebende Fachwerkensemble ein. Foto: Axel Häsler
Der große Barbarossasaal, in dem auch die Kreistagssitzungen stattfinden, bietet durch seine verglaste Rückwand einen beeindruckenden Blick auf das Kinzigtal. Foto: Danfoss
Direkt unter der Decke, und so später unsichtbar hinter der Flurdeckenverkleidung verborgen, befinden sich die Ventile, die den Heiz- und Kühlmedienlauf regeln. In jedem Raum ist ein Kombiventil eingebaut. Der dynamische Abgleich der Wassermenge erfolgt über einen Volumenstromregler direkt am Verbraucher. Foto: MKK
Das Kombi-Ventil AB-QM mit einem thermischen TWA-Antrieb sorgt gleichzeitig für den dynamischen hydraulischen Abgleich der einzelnen Verbraucher sowie für die Regelung der Temperatur. Im Schnitt durch das Ventil ist erkennbar, wie das Regelventil direkt in den Volumenstromregler integriert ist. Foto: Danfoss
Während das automatische AB-QM-Kombiventil für Regelung und hydraulischen Abgleich dafür sorgt, dass nahe der Pumpe eingebaute Ventile ebenso wie weit entfernte sowohl im Volllast- als auch im Teillastfall unter gleichen Bedingungen arbeiten, ist dies bei einem statischen hydraulischen Abgleich nicht gewährleistet. Grafik: Danfoss
Der östlich an Frankfurt angrenzende Main-Kinzig-Kreis ist mit einer Fläche von etwa 1.400 Quadratkilometern und über 410.000 Einwohnern Hessens größter Landkreis. Er entstand im Jahre 1974 durch eine Gebietsreform aus den Landkreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern. Auch deshalb war bis vor kurzem die Kreisverwaltung weit verstreut in den drei ehemaligen Landratsämtern und 17 weiteren Außenstellen untergebracht. Seit Juni 2005 ist die Zeit der langen Wege vorbei. Mit dem in Gelnhausen angesiedelten Main-Kinzig-Forum verfügt der Landkreis nun erstmals über eine zentrale Verwaltung. Und dies auf historischem Grund: In Sichtweite liegen nicht nur zahlreiche Fachwerkhäuser, sondern auch die Kaiserpfalz von Kaiser Friedrich Barbarossa, der im Jahr 1170 die Reichsstadt Gelnhausen gründete.
Das neue Gebäude besitzt einerseits eine ausdrucksstarke, unverwechselbare Gestalt, fügt sich aber mit seinen Giebeln, Vor- und Rücksprüngen auch harmonisch in das Ambiente der Barbarossastadt ein. Links und rechts gruppieren sich zwei in Nord-Süd-Richtung angeordnete, unter-schiedlich hohe Achsen, in denen die einzelnen Organisationseinheiten der Kreisverwaltung untergebracht sind. Sie bestehen jeweils aus mehreren Gebäuden, die sich zur Straße hin in ihrer Höhe an der umliegenden Bebauung orientieren und zur Kinzig hin abfallen. So wird das umliegende Areal – trotz der beachtlichen Größe des Neubaus, in dem über 800 Beschäftigte arbeiten – nicht zu stark do-miniert.
Eine lichtdurchflutete, etwa sieben Meter hohe Halle verbindet die beiden Verwaltungsachsen und bildet – als so genanntes Bürgerportal – den zentralen, öffentlich zugänglichen Bereich des Gebäudeensembles. Hier präsentiert sich der Main-Kinzig-Kreis als moderner Dienstleister. Die verglasten Verbindungen zwischen dem Bürgerportal und den Bürotrakten formen sich zu sechs begrünten Innenhöfen. Ihre Fortsetzung findet die Eingangshalle im Sitzungs- und Tagungstrakt. Der große Barbarossasaal, in dem auch die Kreistagssitzungen stattfinden, bietet durch seine verglaste Rückwand einen beeindruckenden Blick auf das Kinzigtal. Im Erdgeschoss darunter befindet sich das Casino, im Kellergeschoss die Haustechnik.
"Die von dem Frankfurter Architekturbüro Professor Mäckler entworfene zentrale Kreisverwaltung hat nichts von einem Bürobau klassischer Prägung", lobt Landrat Erich Pipa und ergänzt: "Der Architekt ist sowohl unserem Anspruch an eine Servicelandschaft gerecht geworden als auch unseren Vorgaben bezüglich Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit bei der Bewirtschaftung und einem effizientem Raumkonzept." Durch die Anpassung der räumlichen Gegebenheiten an die Arbeitsabläufe konnte der Flächenbedarf pro Mitarbeiter von 23 auf nur noch 14,5 Quadratmeter gesenkt werden. Wie das Gebäude selbst, ist auch das Energiekonzept des Main-Kinzig-Forums modern und richtungsweisend.
Herzstück der Gebäudetechnik ist einer der größten Geothermiespeicher Deutschlands. Durch das von dem Schweizer Ingenieur Peter Berchtold für das Main-Kinzig-Forum entwickelte Konzept werden 60 Prozent der gesamten Heizenergie aus dem Boden bezogen. 85, jeweils 99 Meter tief in den Untergrund eingelassene Sonden bilden einen Geothermiespeicher mit einer Fläche von etwa 3.500 Quadratmetern und einem Volumen von 340.000 Kubikmetern. 30.000 Liter Heizöl oder umgerechnet 79 Tonnen Kohlendioxid sollen so pro Heizsaison und im Vergleich zu herkömmlichen Systemen eingespart werden. Doch der Speicher kann nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen verwendet werden.
Die innovative Haustechnik setzt sich im Inneren des Gebäudes fort: Die Heizung und Kühlung der einzelnen Räume erfolgt über eine Bauteilaktivierung der Deckenelemente. Traditionelle Heizkörper sucht man deshalb in den Büroräumen vergeblich. Das von dem Ingenieurbüro Ummenhofer & Quednau, Mönchweiler, als 3-Leitersystem projektierte Rohrnetz versorgt die einzelnen Räume jeweils über einen separaten Vorlauf mit dem Heiz- oder Kühlmedium. Der Rücklauf ist gemeinsam ausgeführt. In jedem Raum angebrachte Raumthermostate erlauben den Nutzern die individuelle Anpassung der Temperatur. Die Verbraucher sind in Form einer Drosselschaltung in das Netz integriert. Bei einem solchen mengenvariablen System hat jeder Ein-griff eines Regelventils Rückwirkung auf das gesamte Netz. Sein Vorteil besteht darin, dass es den Einsatz geregelter Pumpen ermöglicht. Sie wiederum verringern den Energieeinsatz im Vergleich zu einem System mit konstantem Volumenstrom erheblich.
Nicht nur auf Grund seiner Größe und Komplexität stellt ein solches System besondere Anforderungen an den hydraulischen Abgleich. Der häufig angewandte statische Abgleich mit manuellen Drosselventilen bedeutet bei einer Anlage dieser Größe einen unvertretbar hohen Aufwand, ganz abgesehen davon, dass er nur bei Volllast funktioniert. Denn im Teillastfall verlieren Drosselventile mit festen Einstellwerten ihre Wirkung; die Druckverluste verlagern sich auf die Regelventile. Ein dynamischer hydraulischer Abgleich dagegen stellt sicher, dass dem einzelnen Verbraucher ausreichend Heiz- oder Kühlmedium zur Verfügung steht, er also nicht unter- oder überversorgt wird – und das bei allen Lastzuständen der Anlage. Nur so ist gewährleistet, dass sowohl das gewünschte Raumklima als auch der projektierte energiesparende Betrieb erreicht werden.
Im Main-Kinzig-Forum werden, dem modernen Haustechnikkonzept entsprechend, automatische AB-QM-Kombiventile von Danfoss für den hydraulischen Abgleich und die Regelung eingesetzt, insgesamt rund 900 an der Zahl. In Heiz- und Kühlmittelvorlauf jedes Raumes befindet sich je ein Kombiventil. Bei den, unsichtbar hinter den Flurdeckenverkleidungen eingebauten Ventilen erfolgt der dynamische Abgleich der Wassermenge über einen Volumenstromregler direkt am Verbraucher. Die Einstellung lässt sich schnell und einfach vornehmen sowie überprüfen. Dazu wird an der Skala einfach der gewünschte Volumenstrom eingestellt. Das in anderen Objekten bislang zumeist erforderliche, zeitraubende und damit teure Ein-messen der manuellen Ventile entfällt.
Ein weiterer Vorteil: Das Regelventil ist in den Volumenstromregler integriert. Das sparte im Main-Kinzig-Forum nicht nur den Einbau eines zusätzlichen Ventils, sondern bedeutet auch, dass der Regler bei einer konstant hohen Ventilautorität von "1" arbeitet. In der Praxis heißt das, dass Druckschwankungen des Rohrnetzes, etwa wenn einige Regelkreise unter Teillast betrieben werden, keinen Einfluss auf das einzelne Regelventil haben. Somit besteht auch kein negativer Einfluss auf die Raumtemperaturregelung. Die Folge ist eine gleichmäßige Temperaturverteilung und ein höherer Komfort. Die Stellantriebe müssen weniger nachregeln, wodurch sich deren Lebensdauer erhöht.
"Das Main-Kinzig-Forum und seine Haustechnik haben ihre Bewährungsprobe vollauf bestanden. Die Verwendung moderner Konzepte und Komponenten sorgte nicht nur für Einsparungen während der Bauphase, sondern auch für niedrige laufende Betriebskosten. Die Erfahrungen der ersten Monate sowie die Zufriedenheit von Kunden und Mitar-beitern geben uns Recht," lobt Landrat Pipa das Konzept.
Das Main-Kinzig-Forum in Zahlen: - 134.419 Kubikmeter umbauter Raum
- 37.399 Quadratmeter Bruttogeschossfläche
- davon 15.409 Quadratmeter Tiefgarage mit ca. 600 Stellplätzen
- 18.000 Quadratmeter Nutzfläche
- 3.500 Quadratmeter Geothermispeicher
- 340.000 Kubikmeter Geothermiespeicher
Das Main-Kinzig-Forum Gelnhausen: - Bauherr: Kreiswerke Gelnhausen GmbH
- Archtekt: Büro Prof. Christoph Mäckler, Frankfurt
- Energiekonzept: Ingenieurbüro Peter Berchtold, Sarnen, Schweiz
- Haustechnische Planung: Ingenieurbüro Ummenhofer & Quendau
- Generalunternehmer Müller-Altvatter, Stuttgart