Die Entwicklung der Baugenehmigungen für Wohngebäude im ersten Halbjahr 2007. Quelle: Bundesvereinigung Bauwirtschaft
Die Entwicklung der Bauinvestitionen im 1. Halbjahr. Quelle: Bundesvereinigung Bauwirtschaft
Die Betriebs- und Beschäftigtenzahlen der Mitgliedsverbände der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Quelle: Bundesvereinigung Bauwirtschaft Wohnungsbau entwickelt sich trotz großen Potenzials zum Bremsklotz: „Die schlechte Entwicklung im Wohnungsbau hängt wie ein Damokles- Schwert über der Bauwirtschaft. Denn die Wohnungsbauleistungen entwickeln sich bisher am schwächsten. Der Neubau hat kräftig nachgelassen.“ Mit diesen Worten beschrieb Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, die Situation für die maßgeblich im Wohnungsbau tätigen Betriebe des deutschen Bau- und Ausbauhandwerks.
Die bis einschließlich Juni vorliegenden Genehmigungszahlen von 76.400 genehmigten Neubauwohnungen (= -38,3 %) geben Anlass zu Befürchtungen, dass dem Eigenheimbau ein massiver Einbruch droht. Denn statt der in den letzten sieben Jahren „normalen“ Zahl von etwa 11.500 genehmigten Einfamilienhäusern pro Monat liegt der Monatsdurchschnitt aktuell bei nur noch
6.442 Häusern.
„Die Zahl der Baugenehmigungen ist der wichtigste Indikator für die weitere Entwicklung der Bauwirtschaft. Daher müssen wir damit rechnen, dass der Wohnungsbau noch im Laufe diesen Jahres, sicher aber im kommenden Jahr regelrecht einbrechen wird, wogegen der gewerbliche Bau und der öffentliche Bau auch weiterhin vergleichsweise gut laufen werden.“ So Schneider weiter.
Sollten die Genehmigungszahlen auf dem derzeitigen, niedrigen Niveau bleiben, heißt das spätestens für die Baukonjunktur 2008: Es werden 60.000 Einfamilienhäuser weniger gebaut, das sind 8 Mrd. Euro Bauinvestitionen und 100.000 Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen.
Schneider verwies darauf, dass die Eigenheimzulage überaus erfolgreich war und dass man sich eingestehen müsse, dass der private Wohnungsbau nur dann gut funktioniere, wenn es entsprechende Investitionsanreize gebe, die insbesondere für die Schwellenhaushalte von großer Bedeutung gewesen seien. Schneider forderte die Bundesregierung auf, endlich das selbstgenutzte Wohneigentum gleichberechtigt in die Förderung der privaten Altersvorsorge einzubeziehen. Die Bundesregierung setzt mit ihrer Politik den Aufschwung auf’s Spiel, denn es sind vor allem die mittelständischen Unternehmen des Bau- und Ausbauhandwerks mit ihren heimischen Beschäftigten, die den Löwenanteil am Wohnungsbau leisten, deren Existenz auf dem Spiel steht.
„Somit ruhen unsere Hoffnungen vor allem auf den Bestandsmaßnahmen im Wohnungsbau, die für Beschäftigung und Einkommen sorgen. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Beschlüsse der Bundesregierung zum Klimaschutz ausdrücklich.“ So der Vorsitzende der BVB.
Schneider forderte, vor allem die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden voran zu treiben. „Es kommt für die Zukunft entscheidend darauf an, wie es gelingt die überwiegend privaten Immobilienbesitzer dazu zu bewegen, in ihre Häuser und Wohnungen zu investieren. Dazu gehört auch eine fundierte Informationspolitik, durch die den Besitzern oder Mietern von Gebäuden der
wirtschaftliche Nutzen von Investitionen zur Energieeinsparung verdeutlicht werden kann.“ Schneider rechnete das enorme Potenzial, das in der energetischen Sanierung steckt, wie folgt, vor: „Von den 39 Mio. Wohnungen sind rund zwei Drittel energetisch betrachtet nicht mehr auf dem neuesten Stand, d.h. 26 Mio. Wohnungen müssten saniert werden. Setzt man pro Wohnung einen Betrag von nur 15.000 Euro an, so sprechen wir über ein Modernisierungspotenzial von 390 Mrd. Euro – ein gigantischer Betrag.“ Analoges gilt für öffentliche und gewerbliche Immobilien.
„Wenn also nur 5 % der Wohnungen jährlich saniert würden, was immerhin 1,3 Mio. Wohnungen wären und was einem Investitionsvolumen von 19,5 Mrd. Euro entspräche, dann könnten mittel- und langfristig die Arbeitsplätze unserer 2,7 Mio. Beschäftigten erhalten sowie neue geschaffen werden.“ Erklärte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft abschließend.
Licht und Schatten liegen über der Baukonjunktur: „Die Umsatzerwartungen für 2007 bewegen sich im Bau- und Ausbauhandwerk bei Zuwächsen um die zwei Prozent, so dass die rund 300.000 in der Bundesvereinigung Bauwirtschaft organisierten Betriebe Umsätze in Höhe von etwa 176 Mrd. Euro erzielen dürften. Die Beschäftigung wird sich auf dem Niveau von 2006, d.h. bei gut 2,7 Mio. Personen, stabilisieren. Vieles deutet darauf hin, dass für das Bauhandwerk die mehrjährige wirtschaftliche Talfahrt ihr Ende findet.“ Mit diesen Worten skizzierte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Karl-Heinz Schneider, anlässlich der Pressekonferenz des Bau- und Ausbauhandwerks die Lage seiner Branche.
Das Volumen der gesamtwirtschaftlichen Bauinvestitionen liegt im ersten Halbjahr 2007 nominal bei 111,8 Mrd. Euro bzw. preisbereinigt bei 101,4 Mrd. Euro. Das entspricht im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres einem Zuwachs von 13,2 % bzw. 6 %.
Dabei weisen die Investitionen in öffentliche Bauten mit real + 10,5 % den kräftigsten Zuwachs auf. Die Ausweitung des Investitionsvolumens für gewerbliche Bauten liegt mit 7,7 % ebenfalls über dem durchschnittlichen Wachstum. Am schwächsten entwickelten sich die Investitionen in Wohnbauten, die lediglich um 4,1 % zunahmen und damit weit unter dem Durchschnitt lagen.
Im zweiten Quartal 2007 waren im Baugewerbe 2,204 Mio. Menschen beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 61.000 Erwerbstätigen (=2,8 %). Schneider schränkte diese an sich positiven Wachstumsraten allerdings ein: „Denn die Bauinvestitionen im gewerblichen und im öffentlichen Bau liegen (preisbereinigt) im zweiten Quartal 2007 nur in ganz geringem Maße über dem Vorjahr. In Verbindung mit dem gleichzeitigen Rückgang der Investitionen im Wohnungsbau, der volumenstärksten Bausparte, verringerten sich demzufolge die Bauinvestitionen insgesamt im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum real um 0,4 %, wogegen sie im ersten Quartal noch bei 14,4 % lagen.“
Vor allem aufgrund der Investitionsschwäche im Wohnungsneubau zeichnet sich für die Betriebe des Ausbaugewerbes und der Haus- und Gebäudetechnik ein günstigerer Konjunkturverlauf als für die Betriebe des Bauhauptgewerbes ab. „So kann es nicht verwundern, dass im bisherigen Jahresverlauf etwa 90 % des Beschäftigtenzuwachses im Baugewerbe den Ausbaugewerken zugute kommen.“ erklärte Schneider.
Ohnehin sind Sanierung und Modernisierung die leistungsstarken Aufgabenfelder der Bauwirtschaft. Ihr Anteil liegt im Wohnungsbau mittlerweile bei rund 60 % und bei den Nichtwohngebäuden auch schon zwischen 40 und 45 % der Gesamtinvestitionen – Tendenz steigend.
Die Betriebe des Bauhauptgewerbes profitieren weiterhin vor allem von Aufträgen der gewerblichen Wirtschaft. Hier liegen zur Jahresmitte 2007 die Auftragseingänge real um 10,6 %, die geleisteten Arbeitsstunden um 4,3 % und der Umsatz um 9,5 % über den jeweiligen Größen des Vorjahres.
Der Wohnungsbau, der die maßgebliche Bausparte des Bauhauptgewerbes ist, weist im ersten Halbjahr 2007 einen Rückgang des Arbeitsvolumens um 0,9 % auf. Dieser Rückgang ist nahezu ausschließlich durch die Abschwächung der Bautätigkeit im zweiten Quartal verursacht, denn in diesem Zeitraum gingen die geleisteten Arbeitsstunden um 13,5 % zurück. Der Umsatz lag im ersten Halbjahr um 1 % unter der Vorjahresgröße.
Die Betriebe der Ausbaugewerke stellen laut Verbandsumfragen mehrheitlich eine Verbesserung ihrer aktuellen Geschäftslage fest. Dazu trägt auch bei, dass Kunden wieder verstärkt auf die Qualität der Leistung achten und ein dementsprechendes Preisniveau akzeptieren.