Der Energievertrieb steht zukünftig vor großen Herausforderungen um Wertschöpfung zu sichern und im Wettbewerb zu bestehen. Energieeffizienz wird dabei zum wichtigen Marktfaktor im Kontext neuer energiepolitischer Rahmenbedingungen.
Auf der diesjährigen Jahrestagung des Fachverbandes für Energie-Marketing und Anwendung (HEA) e.V. in Fulda wurde diskutiert, wie sich Konzepte zum rationellen Energieeinsatz zu tragfähigen, kundenorientierten und vor allem werthaltige Energiedienstleistungen umsetzen lassen. Das Thema effiziente Energieanwendung erfährt zurzeit eine besondere Dynamik und Europa gibt hier weltweit das Tempo vor. Zur Halbzeit der großen Koalition in Berlin ist mit dem 29 Punkte-Programm von Meseberg auch für Deutschland ein Meilenstein gesetzt worden.
Ob diese Beschlüsse dem Zieldreieck von Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit entsprechen, werden wir mit Aufmerksamkeit beobachten, erklärte Dieter H.H. Stolte, Vorstandsvorsitzender der HEA, auf der Jahrestagung des Fachverbands in Fulda.
Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass Energieeffizienz auf breiter Basis Akzeptanz finden und letztlich beim Verbraucher stattfinden müsse. Für alle Beteiligten am Markt, also Energieversorger, Geräteindustrie und Fachhandwerk, komme es deshalb darauf an, die gesetzlichen Maßgaben und Verordnungen konsequent mit Leben zu füllen.
Zaghafter Prüfstein: Der Energieausweis Erster Prüfstein für mehr Energieeffizienzbewusstsein ist der Energieausweis, der mit Inkrafttreten der neuen Energieeinsparverordnung am 1. Oktober 2007 eingeführt wurde. Künftig muss für nahezu alle Neubauten sowie alle zum Verkauf stehenden und zur Vermietung angebotenen Gebäude ein Energieausweis erstellt werden.
Mit der Zulassung des verbrauchsorientierten Energieausweises hat die Bundesregierung eine große Chance vertan, den Energieausweis zu einem energetischen Gütesiegel eines Hauses zu machen. Hier erwartet die HEA künftig ein Umsteuern der Politik hin zum bedarfsorientierten Energieausweis, der Dämmung und Anlagentechnik unter vergleichbaren Nutzerbedingungen berücksichtigt.
Investitionen in die Gebäudesanierung werden aufgrund der nur eingeschränkt aussagefähigen Verbrauchsausweise wohl eher nicht getätigt werden. Nach Hochrechnungen der HEA müssen in den kommenden Jahren etwa 7 Millionen Energieausweise für Wohngebäude ausgestellt werden. Orientierten sich diese am Energiebedarf der Gebäude und gingen mit qualifizierten Modernisierungsempfehlungen einher, sei in den nächsten zehn Jahren eine Heizenergieeinsparung von mindestens 10 Prozent zu erwarten. Verbunden damit wäre eine jährliche Einsparung von etwa 50 Milliarden Kilowattstunden Heizenergie und 15 Millionen Tonnen an CO2-Emmissionen.
Wärmepumpen – eine Technik mit viel Potenzial: Heizungsenergieeinsparungen von sogar 40 bis 80 Prozent werden erreicht, wenn die Gebäude gleichzeitig effizient gedämmt werden und neue Heizungstechnologien zum Einsatz kommen, die kostenlose Energie aus der Umwelt verfügbar machen – also z. B. die Wärmepumpe oder die Brennwerttechnik verbunden mit Solarthermie. Bereits jetzt ist die weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung vorgesehen. Ab 2012 dürfen dann nur noch so genannte 3-Liter und luftdichte Passivhäuser gebaut werden, die ohne Lüftung mit Wärmerückgewinnung praktisch unbewohnbar sind. „Die ehrgeizigen politischen Zielvorgaben können nur dann umgesetzt werden, wenn es gleichzeitig gelingt die Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung zum allseits akzeptierten Standard zu entwickeln,“ erläutert Jörg Zöllner, Geschäftsführer der HEA.
Das Klimaprogramm der Bundesregierung sieht vor, die Nutzung von erneuerbaren Energien im Neubau mit einem Anteil von 15 Prozent und im Altbau von 10 Prozent zur Pflicht zu machen. Diese Pflicht ist nach Auffassung der HEA ein pauschaler Eingriff in die komplexe Thematik der bautechnischen Optimierungen und wird zu kreativen Vermeidungsstrategien bei den Betroffenen führen. Die bessere Alternative ist die Förderung im Rahmen eines Marktanreizprogramms. „Aus diesem Grund fordern wir, dass Wärmepumpen ohne Einschränkung im Marktanreizprogramm und im Wärmegesetz berücksichtigt werden,“ so Zöllner. Gerade Luft-Wasser-Wärmepumpen, die heute einen Marktanteil von 30 Prozent haben, seien besonders für die Modernisierung geeignet und sollten deshalb mit attraktiven Investitionsanreizen gefördert werden.
Um über die Möglichkeiten einer effizienten Hauswärmetechnik auf Basis neuer Technologien zu informieren, ist die HEA seit einigen Jahren mit der Initiative WÄRME+ am Markt präsent. Durch die Einbindung der Hersteller und des Fachhandwerks ist dabei sicher gestellt, dass intelligente Architekturkonzepte mit zeitgemäßer Hauswärmetechnik zu integrierten Gesamtlösungen verbunden werden und auch bei der Umsetzung der Maßnahmen vor Ort sachkundige Partner bereitstehen.
Kühlschrank & Co. – rechtzeitiger Austausch zahlt sich aus: Auch auf dem Markt der Haushaltsgroßgeräte sieht die HEA große Einsparpotenziale für den privaten Verbraucher. Neben der richtigen Nutzung von Kühlschrank, Waschmaschine und Co. sei es wichtig, dass in die Jahre gekommene Geräte rechtzeitig durch neue, effiziente Modelle ersetzt werden. Darüber hinaus gelte es, den Käufer eines Neugeräts zu überzeugen, dass er zum höherwertigen Modell mit dem geringeren Energieverbrauch greift. Um hier aufzuklären und beim Verbraucher mehr Bewusstsein für das Einsparpotenzial und den möglichen Komfortgewinn zu schaffen, hat die HEA die Initiative HAUSGERÄTE+ ins Leben gerufen. Eingebunden sind Industrie, Fachhandel und Energieversorger, deren Kommunikationskanäle zum Zwecke einer effektiven Verbraucheraufklärung intelligent vernetzt werden. HAUSGERÄTE+ erreicht beispielsweise über die Kommunikation der Energieversorger alle Haushalte und kann regionale Verbraucheraktionen gezielt unterstützen.
Aufbruchstimmung im Bereich Elektroinstallation: Noch in einem weiteren Bereich ist es dem Fachverband in den letzten zwei Jahren gelungen, Marktkräfte zielgerichtet zu mobilisieren und zusammenzuführen: War vorher die Elektroinstallation bei Neubau und Modernisierung eher Nebensache, erkennen Bauherren heute in immer stärkerem Maße die Vorzüge einer sicheren und zukunftsfähigen Anlage. Entscheidend dazu beigetragen hat die Initiative ELEKTRO+, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Bauherren, Renovierer und Architekten für moderne, zeitgemäße Elektroinstallation zu sensibilisieren und mit einem hersteller- und markenneutralen Info- und Serviceangebot über die vielfältigen Möglichkeiten zur Verbesserung des Wohnkomforts mittels moderner Technik zu informieren.