Gestern wurde die im Auftrag des BDI von McKinsey & Company Inc. erarbeitete Studie „Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Deutschland“ vorgestellt.
Der BDI empfiehlt der Regierung einen Fächer von Instrumenten wie z.B. Marktanreizprogramme, die ausgewogen eingesetzt und angewendet werden müssten
Mit dieser Studie hofft der BDI den Grundstein für eine erfolgreiche klimapolitische Zusammenarbeit mit der Bundesregierung zu legen. „Mit der Studie liefern wir einen essenziellen Beitrag zur Bewertung der klima- und energiepolitischen Pläne der Bundesregierung. Wir verstehen die Studie als ein Angebot zur Zusammenarbeit mit der Bundesregierung“, sagte der Vorsitzende der Initiative, BDI-Präsident Jürgen Thumann.
Laut BDI hält die Studie in Summe in den vier Sektoren Gebäude, Industrie, Energie und Transport einen Abbau der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 26 Prozent gegenüber 1990 für wirtschaftlich erreichbar – und zwar ohne Einbußen für Wirtschaftswachstum und Lebens-qualität sowie unter Beibehaltung des Kernkraftausstiegs, mit durchschnittlichen Vermeidungskosten von bis zu 20 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent.
Aus Sicht des
Bundesumweltministeriums (BMU) ist zwar nicht jeder der in der Studie gezogenen Schlussfolgerungen zuzustimmen – dies gilt vor allem für den Vorschlag, die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke aus klimaschutzpolitischen Gründen zu verlängern. Für das BMU bietet die Studie jedoch eine Reihe von interessanten Ansätzen und Überlegungen, die die Basis für eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft schafft. Dazu der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Matthias Machnig: „Ich begrüße vor allem den differenzierten methodischen Ansatz, der auch den wissenschaftlichen Untersuchungen entspricht, die das Bundesumweltministerium der Ausgestaltung der deutschen Klimaschutzpolitik zugrunde legt. Die Studie zeigt erneut, dass Klimaschutz nicht nur bezahlbar ist, sondern in vielen Bereichen sogar zu massiven Einsparungen führen kann. Für die deutsche Wirtschaft bietet der Klimaschutz große Chancen. Die BDI-Studie belegt: Klimaschutz ist nicht nur ökologisch unverzichtbar, sondern dient dem Industriestandort Deutschland und der deutschen Technologieführerschaft. Die Studie liefert eine Basis, auf der intensive und nüchterne Gespräche zwischen der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft geführt werden können.“
Für den
Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) irrt die BDI - Studie, da dort mit unrealistisch niedrigen Ölpreisen gerechnet wird. Laut BEE ist die Senkung der CO2-Emissionen bis 2020 sogar um 40 Prozent zu niedrigen Kosten erreichbar.
Die deutschen Klimaschutzziele können zu deutlich geringeren Kosten erreicht werden, als vom BDI behauptet. Mit einem höheren Anteil Erneuerbarer Energien können die CO2-Emissionen bis 2020 sogar um 40 Prozent gesenkt werden, ohne dass die Kosten jemals die vom BDI genannte Höhe erreichen. Hauptursache für die fehlerhafte Berechnung des BDI sind ein falsch angenommener Ölpreis und die Vernachlässigung Erneuerbarer Energien bei den CO2-Minderungspotenzialen. So lässt die Studie zum Beispiel den gesamten Bereich der Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien außen vor. „Der BDI bleibt leider weit hinter seinem Anspruch zurück, die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen mit einem Preisschild zu versehen“, so Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).
Besonders augenfällig ist, dass McKinsey im Auftrag des BDI mit unrealistisch niedrigen Ölpreisen rechnet. So wird entgegen allen Prognosen und auch entgegen eigenen Annahmen in anderen Studien für 2020 ein Ölpreis angenommen, der real 30 Prozent unter dem heutigen Ölpreis liegt. Damit erscheinen alle Effizienzmaßnahmen und auch der Ausbau Erneuerbarer Energien teurer als sie in Wirklichkeit sind. Bei einem Ölpreis, der real auf heutigem Niveau bliebe, würden die vom BDI angegebenen Kosten bis 2020 auf Null zusammenschrumpfen. „Allein durch den Ausbau Erneuerbarer Energien können wir bis 2020 über 100 Milliarden Euro für Öl- und Gasimporte einsparen“, betonte Nitzschke. „Die Gutachter unterschätzen deutlich das Potenzial Erneuerbarer Energien zur CO2-Minderung. Den Wärmebereich blendet die Studie komplett aus - obwohl das von der Bundesregierung angekündigte Wärmegesetz für Erneuerbare Energien eine der Maßnahmen ist, die der BDI eigens untersuchen lassen wollte.“
Auch das Potenzial der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien liegt bei McKinsey erheblich unter den Erwartungen der Branche der Erneuerbaren Energien. Erneuerbare Energien können insgesamt bis 2020 über 130 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr zusätzlich einsparen. McKinsey berechnet für den BDI gerade einmal 48 Millionen Tonnen.
Für den
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) liefert die McKinsey-Studie zu den Kosten des Klimaschutzes eine Reihe von Argumenten, warum sich die Industrie ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen auf keinen Fall verweigern sollte. Absehbar sei jedoch auch, dass sich Wirtschaftszweige wie die Autoindustrie oder der Energiesektor verstärkten Umweltschutzmaßnahmen mit Hinweis auf die Studie auch künftig verweigern würden. Wenn McKinsey CO2-Minderungen von lediglich 26 bis 31 Prozent als kostengünstig bewerte, liege das daran, dass Schäden durch den Klimawandel und die Kosten notwendiger Schutzmaßnahmen völlig außer acht gelassen worden seien.
Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Die McKinsey-Studie ist nicht das Produkt einer Umweltorganisation und sie macht aus dem Bundesverband der Deutschen Industrie auch keine ökologische Veranstaltung. Trotzdem kann sie in einigen Bereichen einem effektiven Klimaschutz den Weg bereiten. Vor allem bei den Erneuerbaren Energien und bei der Gebäudesanierung hebt die Studie die Chancen hervor. Die Autohersteller und die Stromkonzerne aber werden sich hinter McKinsey verstecken, wenn von ihnen mehr Verantwortung für den Schutz der Umwelt verlangt wird.“
Der BDI werbe unter Berufung auf den Klimaschutz auch für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken. Davon dürfe sich die Bundesregierung jedoch nicht erpressen lassen. Die erst wenige Wochen zurückliegende Pannen-Serie der Atomreaktoren in Krümmel und Brunsbüttel habe gezeigt, dass Atomkraftwerke unverantwortliche Risiken bergen. Hinzu komme, dass die Atomenergie den Ausbau erneuerbarer Energien und damit den Klimaschutz blockiere.
Große Lücken weise die McKinsey-Studie bei den Sparpotenzialen von Autos und den Ausbauchancen der klimafreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf. So werde angenommen, dass technische Maßnahmen an Pkw deren CO2-Ausstoß lediglich um rund acht Millionen Tonnen pro Jahr verringern könnten. Dies blende die möglichen Minderungseffekte durch sparsame Autos vollständig aus. Auch der von McKinsey prognostizierte KWK-Ausbau bleibe hinter der vom BDI selbst abgegebenen Zusage zurück.
Im Internet findet sich
hier die im Auftrag des BDI erstellte Studie.