Die Pellet-Lager sind wieder gut gefüllt, und der Markt ist besser vorbereitet auf zukünftiges Wachstum. Die Aussteller der Interpellets 2007 schauen nach vorn. Im Vorfeld dieser Fachmesse legt der HaustechnikDialog in Kooperation mit dem Heizungsjournal einen Schwerpunkt auf das Thema Pellets.
Alternative Rarität: Handgesägter Holzofen, bestehend aus einem Fichtenstamm (!) mit sternförmig per Kettensäge ausgehöhlter Brennkammer nebst seitlichen Luftzuführungsöffnungen, Tiroler Bauart, Februar 2007. (Foto Dr. Läge)
Für Ende 2007 wird lt. DEPV eine Pellet-Herstellkapazität von 1,5 bis 1,8 Mio. Tonnen in Deutschland erwartet.
Der Themenschwerpunkt Pellets wird eingeleitet mit dem folgenden Fachbeitrags Dr. Läges: Mit einer Verdoppelung des Absatzes allein innerhalb des Jahres 2006 hat sich die Pelletbranche auf der diesjährigen ISH dem Fachpublikum präsentiert. Von den 2006 insgesamt verkauften 660.000 Gas-, Öl-, Feststoffkesseln waren 55.000, also ungefähr 8 % für den nachwachsenden Rohstoff Holz bestimmt. Rund ein Viertel davon waren Pelletkessel. Der berühmte Basiseffekt mit hohen Prozentsätzen kann aber zu Fehlschlüssen über die absoluten Zahlen führen. Nur ein Floh kann 40mal so hoch springen wie er selbst ist: Elefanten können das nicht. Auf alle Fälle ist dem klassischen Öl- und Gaskesselmarkt von den Biomasse-Leuten ein spürbares Stück des Kuchens abgeknabbert worden. Dauerhaft! Wenngleich ein gewisser Anteil der Pelletanlagen der Versorgungssicherheit und höheren Ökologie dienen soll und als Zweitkessel aufgestellt wird.
Für 2009 rechnen Hersteller wie Bosch / Buderus damit, dass dann schon fast jeder zweite neu eingebaute Wärmeerzeuger mit alternativen Energien: Solartechnik, Geothermie, Rapsöl, Holz oder Energiegetreide sowie Elefantengras (auch Chinaschilf, Miscanthus genannt) – betrieben werden könnte. Wird der klassische Landwirt zum Energiewirt?
Der gesamte Holzverbrauch aller privaten Haushalte in Deutschland wurde vor 10 Jahren noch mit rd. 12 Mio. Festmetern pro Jahr ausgewiesen, lt. Universität Hamburg. 2006 waren es schon 20 Mio. Festmeter, davon sind 80 % Scheitholz aus Wald, Garten oder Landschaft.
Verbraucht werden diese Mengen in der Reihenfolge: Altholz, Schnittholzreste, Hackschnitzel und Holzpellets. 82 % der mit Feststoffen heizenden Haushaltenutzen das Holz in dezentralen Kamin- oder Kachelöfen (Abb. 1). Die restlichen 18 % besitzen bereits eine Holz-Zentralheizung. Der Preisvorteil von Pellets gegenüber Heizöl und Gas hat vor 3 Jahren ungefähr 30 % betragen. Anfangs gaben Sägewerke ihre Späne noch zu günstigen Entsorgungspreisen ab. Inzwischen konkurrieren die Pellethersteller mit der Papier- und Spanplattenindustrie um das Sägemehl der Sägewerke.
1 m3 Holzpellets = 650 kg = 3.200 kW / h
1 kg Holzpellets = 5 kW / h
1 Liter Öl = 10 kW / h
1 Liter Öl = 3,1 Liter Holzpellets
= 2 kg Holzpellets
1 m3 Erdgas = 3,1 Liter Holzpellets
= 2 kg Holzpellets
Zu beachten ist, dass Pellets, die lediglich der DIN 5731 entsprechen und somit noch nicht die zertifizierte Qualität lt. DIN plus besitzen, einen stärkeren Ascheanteil und erheblich geringere Abriebfestigkeiten haben können. Damit weisen sie einen höheren unverbrennbaren Staubanteil auf und führen zu größerer Störanfälligkeit von Schneckenfördereinrichtungen. Der milde und stürmische Winter 2006 / 07, aber auch politisch bedingte Spekulationen haben zu überraschenden Preisveränderungen bei fast allen Brennstoffen Anlass gegeben. Festzuhalten bleibt jedoch, dass für Pellets nicht der Rundholzpreis sondern der Preis von Sägemehl entscheidend ist, als dem Rohstoff für die von den Sägewerken als Nebenprodukt verkauften Pellets. Fallen die Schnittholzpreise von durchschnittlich 80 Euro auf 70 Euro, also um ca. 14 %, wird davon höchstens eine Herstellkostenverringerung von 5 oder 7 % bei Pellets verursacht. Erst bei Pelletpreisen um 250 Euro lohnt es sich wirtschaftlich, auch Alt-Restholz zusätzlich zu Sägemehl zu verpressen. Die sich aktuell bessernde Baukonjunktur ist nach dem heftigen Sturmholzanfall durch das Orkantief „Kyrill“ jetzt von größerer Holzknappheit und steigenden Preisen gekennzeichnet. Mit einer merklichen Reduzierung der Pelletpreise ist nach Auffassung des Deutschen Energie-Pellet-Verbandes (DEPV)zunächst nicht zu rechnen.
Die Pelletpreise sind von 1998 bis 2002 incl. Mehrwertsteuer von 180 bis 200 Euro pro Tonne in den Jahren 2004 und 2005 auf 160 bis 180 Euro gefallen. Dieser Preisvorteil von Pellets gegenüber Heizöl und Gas war an der Jahreswende 2006 / 2007 jedoch eine Zeitlang völlig verschwunden. Am 1.1. 2006 kosteten Pellets noch 190 Euro pro Tonne; im Dezember 2006 dagegen bis zu 265 Euro entsprechend 53 Cent je Liter Heizöl. Im Januar 2007 wurden stellenweise auch noch über 250 Euro gezahlt.
Im Februar 2007 lag der Pelletpreis in Deutschland bei 234 Euro je Tonne und war 12 % gegenüber Januar gesunken. Er entsprach damit einem Heizölpreis von 48 Cent je Liter, so dass Pellets wieder kostengünstiger waren als Heizöl. Ohne durch Sturm verursachte Preisschwankungen am Rundholzmarkt pendeln sich die jetzigen Pelletpreise vermutlich im Bereich von 210 bis 230 Euro pro Tonne ein.
Für Ende 2007 wird lt. DEPV eine Pellet-Herstellkapazität von 1,5 bis 1,8 Mio. Tonnen in Deutschland erwartet. In unserem Lande gibt es ca. 20 Pelletproduzenten mit einer Jahresproduktion von ungefähr 160.000 Tonnen Pellets 2005, 450.000 Tonnen 2006 und voraussichtlich 785.000 Tonnen 2010. Bis 2008 dürfte sich die Zahl der Pelletanbieter nochmal verdoppeln, so dass dann eine Gesamt-Produktionskapazität für Pellets von 1.455.000 Tonnen zu erwarten ist, also weit mehr als der voraussichtliche Pelletbedarf. Nicht auszuschließen ist, dass künftig auch aus überseeischen Ländern (Kanada, Brasilien), wo erhebliche Mengen an Sägespänen bisher ungenutzt geblieben sind, dort produzierte Pellets als Rückfracht von Öltankern an deutschen Häfen kostengünstig angelandet werden. Aus Osteuropa gelangen ebenfalls zunehmend Pellets auf den deutschen Markt, wobei die Importware nicht immer den DIN-Normen entspricht.
In der hochgespielten öffentlichen Feinstaubdiskussion ist inzwischen Entwarnung gegeben worden, da Holzstaub bei weitem nicht so lungenschädlich wirkt wie die Emissionen aus Dieselfahrzeugen. Nicht zu vergessen, dass zwischen Emissionen aus uralten Scheitholzfeuerungen und aus modernsten Pelletkesseln ganz erhebliche Mengenunterschiede bestehen.
Heizen mit Pellets – unnötige Besorgnisse –praktische Realitäten: - Statt Holz hacken und Scheite schleppen – automatische Anlieferung gewünschter Pelletmengen zu gewünschtem Zeitpunkt
- kein Heizölgeruch im Keller oder Haus – Pellets duften wie natürliches Holz
- Pellets sind genau so komfortabel verfeuerbar wie Heizöl oder Gas,
- anders als offene Kamine können Pelleteinzelöfen oder -kessel mit genau regelbarer Raumlufttemperatur fahren und Lastspitzen zur Trinkwassererwärmung abgeben.
- die als Gartendünger begehrte Asche braucht nur wenige Male pro Jahr aus der Anlage entnommen zu werden
- Energieaufwand zur Pelletherstellung = 2 bis 3 % der in ihnen gespeicherten Energie – dagegen über 12 % Energie aufwand zur Herstellung von Heizöl EL aus Erdöl,
- der Kohlendioxidausstoß von Pelletheizungen ist deutlich niedriger als bei Ölkesseln
- die Grenzwerte der Feinstaubbelastung lt. BimSchV werden bei Pelletheizungen weit unterschritten; außerdem sind sie entscheidend weniger gesundheitsschädlich als von Dieselmotoren
- die Anschaffungskosten für eine Pelletanlage sind höher als z.B. für einen Gas-Wandkessel gleicher Leistung. Die Investition amortisiert sich jedoch über geringere Brennstoffkosten. MWSt für Gas und Heizöl = 19 %, für Pellets nur 7 %.
„Wir alle müssen eine Doppelstrategie verfolgen und auf der einen Seite die Energieeffizienz steigern, aber gleichzeitig die langfristig immer knapper werdenden Energiequellen Öl und Gas durch regenerative Energie soweit technisch und finanziell irgendwie machbar ersetzen. Diesem gravierenden Strukturwandel können und wollen wir uns nicht entziehen. Darin sehen wir nicht nur eine große Herausforderung, sondern vor allem auch eine bedeutende Chance, auf die wir uns durch eine erhebliche Programmerweiterung schon jetzt vorbereiten“, so Dr. Martin Viessmann bei seiner ISH-Pressekonferenz. „Es gilt, komplette Systeme von der Wärmeerzeugung über die elektronische Regelung, Datenkommunikation bei der Wärmeerzeugung, aber auch bei der Wärmeverteilung von den Heizflächen bis zur Kühlung aus einer Hand mit genau aufeinander abgestimmten Systemkomponenten anzubieten. Das Marktsegment Biomasse wird künftig nicht nur im kleinen Leistungsbereich Bedeutung besitzen, sondern auch für größere Objekte bis hin zur Nahwärmeerzeugung von wachsender Wichtigkeit sein.“
Pelletkessel sind schon längst keine modifizierten Stückholzkessel mehr, sondern etwas ganz Neues, ausschließlich für die Befeuerung mit Holzpresslingen konstruiert, mit elektronischer Regelung. Da Pelletanlagen im Gegensatz zu Scheitholzkesseln ihre Nennleistung konstant über mehrere Tage hinweg abgeben können und eine Neubefüllung des Pelletvorratsbehälters fast ohne eine Unterbrechung der Heiztätigkeit erfolgen kann, darf bei Auslegung des Pelletkessels praktisch genauso wie bei Öl- oder Gaskesseln vorgegangen werden. Pelletkessel bieten für den Nutzer inzwischen einen nahezu genau so hohen Komfortstandard hinsichtlich Bedienung, Regelung und Reinigung wie Öl- oder Gaskessel, haben aber den Vorzug einer ökologisch viel höheren Bewertung durch den Verbraucher, weil sie mit nachwachsenden Rohstoffen und ohne Verschlechterung der globalen CO2-Bilanz auskommen.
Die Zahl der „Ökofreaks“ in unserem Lande dürfte in den nächsten Jahren noch erheblich zunehmen. Damit wächst auch eine gewisse Bereitschaft, höhere Anschaffungskosten und längere Amortisationsfristen als bei
Öl- oder Gaskesseln sowie mögliche Unannehmlichkeiten bei Lagerung und Beschickung von Pellets zu akzeptieren. Darüber hinaus können Pelletkessel bzw. -öfen als romantisches Luxusfeuer innerhalb von Wohnbereichen oder auch in modernen, nicht unterkellerten Häusern einen besonderen Platz finden, von dem aus sie Lastspitzen oder gefürchtete Lieferengpässe konventioneller Brennstoffe ausgleichen.
Schon hat ein ideenreicher Designwettbewerb für diese neue Art, mit Holz zu heizen, eine erhebliche Eigendynamik entwickelt. Ein bloßes Strohfeuer ist die Begeisterung für Pelletkessel, wie sie auf der ISH Anfang 2007 zu spüren war, nicht gewesen.