Im Vorfeld der Interpellets 2007 legt der HaustechnikDialog in Kooperation mit dem Heizungsjournal einen Schwerpunkt auf das Thema Pellets. Im folgenden Beitrag stellt Dr. Läge die Entwicklungen rund um Hovals Biolyt vor.
Vorhang auf für den Hoval 15 bis 50 kW Biolyt-Pelletkessel mit Stirlingmotor: Dipl.-Ing. Hagen Jakubek demonstriert das zukunftweisende Projekt. Foto Dr. Läge
Der aktuelle Hoval BioLyt Holzpellet-Heizkessel für Mehrfamilienhäuser und Großbauten wird neuerdings in zwei Größen für Nennwärmeleistungen von 14 bis 49 oder 20 bis 69 kW gebaut. Damit hat der kleine, schon seit längerem in der Praxis bewährte 50 kW BioLyt einen großen Bruder bekommen.
Beide Kessel können von 100 % bis 30 % herab modulierend fahren. Die Kesselwirkungsgrade erreichen Werte über 90 %. In absehbarer Zeit soll die Serie um Geräte mit über 100 kW nochmals erweitert werden. Besonders zur Modernisierung alter Öl- /Gaskesselanlagen kann der BioLyt bequem eingesetzt werden. Die bewusst schlanke Hoval Eigenentwicklung benötigt nur eine 74 bzw. 80 cm große Stellfläche und passt damit noch durch Kellertüren. Die schmale Bauweise wird möglich, weil Brenner und Brennkammer waagerecht angeordnet worden sind, so dass Zufuhr von Primär- und Sekundärluft voneinander getrennt geschehen können. Um kostspielige Umbaumaßnahmen am Aufstellungsort selbst zu vermeiden, sind alle Anschlüsse des BioLyt nach hinten gelegt worden. Die Brennkammertür incl. Brenner lässt sich je nach Montage nach links oder rechts ausschwenken. Das Gerät wird vollautomatisch gezündet wie bisher schon bei Pelletkesseln kleinerer Leistung üblich.
Die praxisgerechte Brennerkonstruktion verzichtet auf bewegliche Teile in den heißen Zonen. Sie besitzt weder Rüttel- noch Klapproste. Die zugehörige Aschenbox braucht nur alle sechs Wochen entleert zu werden. Kesselservice nur zweimal pro Jahr. Bei Modernisierungsaufträgen können schon bestehende Kamine fast immer weiterhin genutzt werden. Exakte Anpassung des Kaminquerschnitts mittels Edelstahlrohr ist jedoch kostengünstig möglich.
Zum Kessel gehört eine 240 Liter Pelletbox. Der Hersteller empfiehlt für die Pelletzuführung ein Saugsystem, um den Brennstoff vom Lagerraum zum Füllzyklon zu befördern, der sich oben auf dem Kessel befindet und in vier verschiedene Positionen drehbar ist. Die Lambda-Regelung des BioLyt kann die Verbrennung sogar an unterschiedliche Pelletsorten anpassen.
Schlechtere Pelletqualität bedeutet jedoch weniger Energieeffizienz. Die Kombination mit einer Solaranlage zur Wassererwärmung und / oder Heizungsunterstützung ist ohne weiteres möglich. Die digitale TopTronicT-Regelung sorgt für vollautomatisches Zusammenspiel aller einzelnen Anlagenkomponenten. Zusätzlich ist die Regelung auch in der Lage zu kommunizieren. Geht die Anlage auf Störung, kann der Servicemann über SMS unterrichtet werden, so dass die Wartungsfirma entsprechende Maßnahmen treffen kann. Zukünftig kann man das Ganze auch per Handy steuern. Über große Entfernungen hinweg lassen sich am Kessel Außen-,Vorlauf- und Raumtemperatur abfragen und z. B. vom Urlaubsort aus die gewünschte Zimmertemperatur rechtzeitig einprogrammieren.
War bisher Fern- und Störungsüberwachung von Hoval Heizanlagen via PC schon möglich, so kann in Zukunft auch durch Internet-Browser-Technologie auf die Anlage zugegriffen werden, ohne dass eine weitere Software erforderlich ist. Der Fachmann kann über seinen PC diese Kommunikationsplattform für den Service nutzen. Noch bevor sich ein Problem am Kessel bemerkbar macht, kann er im Rahmen eines Vertragsverhältnisses mit dem Kunden per Fernwartung die effektive Situation vor Ort diagnostizieren und im Störfall Service- Einsatz veranlassen.
In Zukunft wird der BioLyt mit 50 kW Nennleistung auch CO2-neutral Strom erzeugen können. Denn die seit über zwei Jahren gewonnenen Erfahrungen mit dem Stirling-Motor in Kombination mit einem Stückholzkessel werden dann auch für den „Synergieeffekt“ durch eine Verbindung zwischen Pelletgerät und Stirling-Motor genutzt. Anders als bei Diesel- oder Otto-Motoren arbeitet der hinzugefügte Stirling mit externer Wärmezufuhr. Ein Teil der Wärme, die der BioLyt-Kessel mit seiner waagerechten ölflammenartigen Verbrennung erzeugt (Abb. 3), wird abgezweigt und einem Stirling-Motor zugeleitet, um von außen die eine Hälfte des Zylinders zu erhitzen, in welchem sich dann ein Arbeitsgas ausdehnt und den Kolben vortreibt. Dabei gelangt dieses Arbeitsgas jedoch in die andere, außen noch kühle Hälfte des Zylinders, wo es sich erneut zusammenzieht, so dass der Kolben wieder in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Diese Kolbenbewegung wird über eine Kurbelwelle in eine Drehbewegung umgewandelt, welche einen Asynchron-Generator antreibt, der dadurch den Strom erzeugt. Die Wärmeleistung des BioLyt Stirling kann zwischen 15 und 50 kW modulieren, während die elektrische Leistung 800 bis 1000 Watt erreicht.
Der modulare Aufbau der Anlage stellt sicher, dass der Kessel auch dann voll einsatzbereit bleibt, wenn der Stirling außer Funktion gehen sollte. Diese modulare Anlage mit kombiniertem Stirling-Motor zur CO2-neutralen Eigenstromerzeugung, z. B. für Insellagen in Zonen ohne öffentlichen Netzanschluss, findet bereits jetzt in der Fachwelt besondere Beachtung. Es handelt sich dabei um eine technisch, ökonomisch und ökologisch höchst sinnvolle Weiterentwicklung.