Die Universität Darmstadt gewinnt in Washington den Spitzenwettbewerb um das attraktivste und energieeffizienteste Solar-Haus.
Das Haus war schon seit der Wettbewerbsphase als Holzbau geplant, da Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und zur Herstellung und Verarbeitung wenig Energie verbraucht. Das Gebäude ist in drei Schichten aufgebaut. Die Äußerste bilden Eichenholzlamellen, die, ebenso wie das Dach, mit Photovoltaik bestückt sind. Fotos: TU Darmstadt
Durch eine Verschattung der Fenster wird eine Überhitzung des Innenraums an heißen Tagen vermieden.
Die Licht-Gutachter zeigten sich von der Ausstrahlung bei Nacht begeistert.
Die minimale Nasszelle lässt sich durch flexible Wände im Norden in ihrer Grundfläche verdoppeln. Sanitärobjekte der Firma Duravit und das klaren Design der Armaturen in Küche und Bad der Firma Dornbracht bieten einen angenehmen Raumeindruck.
Noch auf der Fachmesse Energie der Hannover Messe 2007 bei einer Projektvorstellung schien man sich nicht recht vorstellen zu können, als deutsche Universität in Washington zu gewinnen. Hatten doch nur zwei europäische Universitäten, neben der TU Darmstadt noch die Universidad Politécnica de Madrid, den Sprung in den Bauwettbewerb überhaupt geschafft. Doch jetzt hat die TU Darmstadt den internationalen Wettbewerb "Solar Decathlon 2007" um das attraktivste und energieeffizienteste Solar-Haus gewonnen. Das Team von 30 Nachwuchswissenschaftlern um den Architektur-Professor Manfred Hegger verwies in dem einwöchigen Finale vor dem White House in Washington D.C. die Konkurrenz von 19 Top-Universitäten unter anderem aus den USA, Kanada und Spanien auf die Plätze.
Rang zwei belegte die University of Maryland, Rang drei die Santa Clara University. Den undankbaren vierten Platz belegte die Penn State University. Abgeschlagen war am Ende unter anderem das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das Darmstädter Solarhaus wurde unter der Leitung von Prof. Hegger in enger Kooperation mit dem Fachgebiet Regenerative Energien (Prof. Thomas Hartkopf) und vielen Industriepartnern innerhalb von 18 Monaten geplant und an der TU gebaut.
Die Juroren der einzelnen Disziplinen waren voll des Lobes für die Leistungen der TU Darmstadt. Die Universität gewann in drei der zehn Teildisziplinen souverän - Architektur, Beleuchtungskonzept und Technik. "Eine Klasse für sich", schwärmte die Architektur-Jury. Darmstadt habe hinsichtlich Ästhetik und Funktionalität "alles herausgeholt, was nur möglich war". Die Licht-Gutachter waren fasziniert von der Ausstrahlung bei Nacht. Die Jury aus Ingenieurwissenschaftlern bescheinigte ein Maximum an Innovation.
Auch in der Energiebilanz lautet das Urteil "perfekt": Besonders die zukunftsweisenden Konzepte im Bereich der regenerativen Energie aus Sonnenlicht sowie das Energiemanagement wurden von der Jury ausdrücklich hervorgehoben. Sie seien tief beeindruckt und begeistert gewesen, berichteten die Juroren. Besucher hatten die die ganze Woche über auf dem Wettbewerbs-Gelände an der National Mall in Washington Schlange gestanden, um sich im Darmstädter Haus umzusehen.
"Der Sieg unseres Teams in diesem anspruchsvollen internationalen Wettbewerb freut mich außerordentlich. Er unterstreicht, dass Deutschland bei den erneuerbaren Energien weltweit Vorreiter ist. Energie und Nachhaltiges Bauen und Wohnen gehören zu den großen Kompetenzfeldern der Technischen Universität Darmstadt", sagte Präsident Hans Jürgen Prömel. "Wir geben mit unserem einzigartigen Haus eine Antwort auf die Zukunftsfrage, wie die Menschheit im 21. Jahrhundert, im Zeitalter immer knapper werdender Ressourcen, wohnen wird", so Prömel weiter.
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Wettbewerbs wird das Solarhaus zunächst durch Deutschland touren und anschließend den Darmstädter Wissenschaftlern für weitere Forschungen und Experimente zur Verfügung stehen.
Hintergrund Solar Decathlon Der Solar Decathlon ist ein vom US-Energieministerium ausgeschriebener Wettbewerb, der die Potenziale des solaren Bauens im Rahmen einer Bauausstellung einer breiten Öffentlichkeit vorstellen soll. 20 internationale Wettbewerbsbeiträge wurden in der vorigen Woche in Washington D.C. in unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses als fertige Häuser vorgestellt.
Die TU Darmstadt hatte als eine von nur zwei europäischen und einzige deutsche Universität den Sprung in den Bauwettbewerb geschafft. Mit einem überzeugenden Entwurf, einer klaren Konstruktion und einem hoch rentablen Betriebskonzept für das Solar-Haus der Zukunft hatte sie sich für die Endrunde des renommierten Wettbewerbs qualifiziert.
Das in Darmstadt gebaute High-Tech-Haus wurde für die Präsentation in den USA eigens zerlegt und in speziellen Boxen über den Atlantik verschifft. Das Wohngebäude, das von einem Team aus 30 Nachwuchswissenschaftlern des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt unter Leitung von Prof. Manfred Hegger entwickelt wurde, hatte 2006 bereits den Deutschen Solarpreis gewonnen und ist ausgewählter Ort der Initiative "Deutschland - Land der Ideen".