Auf einer Mitgliederversammlung in Hamburg beklagte das Institut für wirtschaftliche Oelheizung e.V. (IWO), dass das geplante Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) der Bundesregierung zur Erschließung des enormen Energieeinsparpotenzial im Gebäudebestand ungeeignet sei.
Dieter Bischoff, stellvertretender IWO-Vorstandsvorsitzender. Foto: IWO
Bei der Gebäudeheizung kommt noch immer vielfach ineffiziente Technik zum Einsatz. Grafik: IWO
Der „schlafende Riese Wärmemarkt“ sei in diesem Jahr endlich in den Fokus der Energie- und Klimapolitik gerückt, sagte der stellvertretende IWO-Vorstandsvorsitzende Dieter Bischoff auf der IWO-Mitgliederversammlung in Hamburg. Für die Gebäudebeheizung werde mehr als ein Drittel des gesamten deutschen Energieverbrauchs aufgewendet. Vielfach komme dabei ineffiziente Technik zum Einsatz.
„Mit einer deutlich stärkeren Verbreitung der sparsamen Öl-Brennwerttechnik könnte der Energieverbrauch und damit zugleich die CO2-Emissionen ölbeheizter Haushalte um bis zu 30 Prozent gesenkt werden“, sagte Bischoff. Werde darüber hinaus noch regenerative Energie eingebunden, also heute Solarthermie und künftig anteilig schwefelarmes Heizöl mit Bioanteil, erhöhe sich das Reduktionspotenzial weiter und zwar zu einem immer noch sehr attraktiven Kosten-Nutzen-Verhältnis, so Bischoff.
Nach Angaben der Heizgeräteindustrie entsprechen zurzeit allerdings nur etwa zehn Prozent der insgesamt ca. 17 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland dem aktuellen Stand der Technik, sprich: Brennwerttechnik. Und nur etwa ein Drittel aller neu installierten Ölheizungen sind Brennwertkessel. Um die Öl-Brennwerttechnik nachhaltig im Markt zu verankern, ist also noch viel Aufklärungsarbeit nötig, insbesondere vom Handwerk, betonte Dieter Bischoff.
Gegenüber dem Vorjahr ist der Absatz von Heizgeräten in Deutschland um 25 Prozent eingebrochen. Die Verbraucher sind in der Frage der Wärmeenergieversorgung extrem verunsichert. Weit über zwei Millionen Heizkessel sind älter als 25 Jahre und weisen hohe Energieverluste auf. Trotz hoher Energiepreise bleiben jedoch Investitionen in effiziente Heizungstechnik vielfach aus.
Nach Einschätzung von IWO-Geschäftsführer Prof. Christian Küchen bedingen mehrere Faktoren die Verunsicherung der Verbraucher: „Gestiegene Energiepreise, Zweifel an der Zuverlässigkeit russischer Energielieferungen, Politiker und ‚Experten’, die ‚weg von Öl und Gas’ fordern, ohne dabei ein schlüssiges alternatives Energiekonzept zu liefern.“ Vor diesem Hintergrund würden sich viele Hausbesitzer fragen, welches Heizsystem in ihrem Fall das geeignete ist und die verlässlichsten Perspektiven bietet. „Hier besteht ein großer Bedarf an seriöser und technologieoffener Beratung vor allem durch Planer, Handwerk und Energieberater“, sagte Küchen.
Kritik an Wärmegesetz Zudem müsse auch die Politik die Rahmenbedingungen für die schnelle Verbreitung effizienter Heiztechniken schaffen, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren. Mit dem geplanten Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) schlägt die Bundesregierung nach Ansicht der Mineralölwirtschaft und anderer Branchenverbände die falsche Richtung ein.
Mit dem Gesetz soll der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmemarkt bis zum Jahr 2020 auf 14 Prozent erhöht werden. Der aktuelle Entwurf des EEWärmeG sieht dazu bei Neubauten und bei grundlegenden Gebäudesanierungen eine Nutzungspflicht für bestimmte erneuerbare Energietechniken vor: Der Eigentümer wird verpflichtet, den Wärmeenergiebedarf anteilig mit fester Biomasse (Holzheizungen), Geothermie / Umweltwärme (Wärmepumpe) oder Solarenergie (Solarthermie) zu decken. Flüssige und gasförmige Biobrennstoffe sollen nur in Ausnahmefällen und unter hohen Auflagen möglich sein.
„Das geplante Wärmegesetz ist ungeeignet, das enorme Energieeinsparpotenzial im Gebäudebestand zu erschließen“, sagte IWO-Vorstand Dieter Bischoff. „Deshalb lehnen wir den Entwurf ab.“ Es sei nicht nachvollziehbar, warum Hausbesitzer zur Nutzung bestimmter und meist teurerer erneuerbarer Energietechnik verpflichtet werden sollen, während der Einsatz von einem effizienten Öl-Brennwertkessel, der mit Heizöl mit Bioanteil betrieben wird, nicht zur Erfüllung der im Gesetzentwurf geforderten Quote genügen soll. „Damit wird eine der unter Kosten-Nutzen-Aspekten attraktivsten Heiztechnik stark benachteiligt“, so Bischoff.
Klimaschutz und Energieeffizienz im Rahmen der EnEV umsetzen Mit ihrer Kritik an dem Gesetzesvorhaben steht die Mineralölwirtschaft nicht allein: In einer Stellungnahme vom 31. Oktober 2007 haben sich der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) und IWO gemeinsam mit dem Bundesverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), dem Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks, mit Haus & Grund Deutschland und weiteren Organisationen der Immobilienwirtschaft sowie verschiedenen Verbänden der Gaswirtschaft eindeutig gegen den vorliegenden Wärmegesetz-Entwurf ausgesprochen.
Die gemeinsame Forderung lautet: Die Ziele des geplanten Gesetzes, Klimaschutz und Energieeffizienz, müssen im Rahmen oder analog der Energieeinsparverordnung (EnEV) umgesetzt werden. Denn mit ihren Berechnungs- und Bewertungsverfahren für Gebäudehülle und Gebäudetechnik, ist eine technologieoffene und energieneutrale Zielerreichung am Besten möglich.
„Anstelle von starren Nutzungspflichten für erneuerbare Energien sollte die weitere Absenkung des Jahres-Primärenergiebedarfs von Gebäuden verfolgt werden. Die Energieeinsparverordnung bietet hierfür sehr gute Voraussetzungen. Die sinnvolle Gleichberechtigung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien ist weit besser in der bestehenden Energieeinsparverordnung realisiert“, betonte IWO-Geschäftsführer Küchen.