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News vom 17.12.2007

Trinkwasser - Reichlich Sparpotential

Trinkwasser wird als Lebensmittel eingestuft, seine Aufbereitung immer kostspieliger. Zudem steigen neben den Wassernutzungskosten auch die Kosten für die Entsorgung stetig. Sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht wird daher das Recycling von Grauwasser immer interessanter.

Im kommunalen Hallenbad von Yerres wurde die bisher größte AquaCycle-Grauwasserrecyclinganlage installiert.
Im kommunalen Hallenbad von Yerres wurde die bisher größte AquaCycle-Grauwasserrecyclinganlage installiert.
In einem eigenen Kellerraum wird das aufgefangene Duschwasser zu Klarwasser aufbereitet.
In einem eigenen Kellerraum wird das aufgefangene Duschwasser zu Klarwasser aufbereitet.
Roger Davito (li), Technischer Direktor der Kommunalverwaltung von Yerres, und Michael Hasenbeck, Geschäftsfeldleiter der Pontos GmbH haben mit der Anlage in Yerres, die täglich 26.000 Liter Wasser aufbereitet, die bisher größte Anlage dieser Art in Betrieb genommen.
Roger Davito (li), Technischer Direktor der Kommunalverwaltung von Yerres, und Michael Hasenbeck, Geschäftsfeldleiter der Pontos GmbH haben mit der Anlage in Yerres, die täglich 26.000 Liter Wasser aufbereitet, die bisher größte Anlage dieser Art in Betrieb genommen.
Auch das französiche Fernsehen zeigte großes Interesse für dieses Projekt.
Auch das französiche Fernsehen zeigte großes Interesse für dieses Projekt.
Druckerhöhungsanlage, mit deren Hilfe die Verbraucher (Gartenbewässerung und Tankstation für Reinigungsfahrzeuge) mit aufbereitetem Wasser versorgt werden.
Druckerhöhungsanlage, mit deren Hilfe die Verbraucher (Gartenbewässerung und Tankstation für Reinigungsfahrzeuge) mit aufbereitetem Wasser versorgt werden.
Das Duschwasser der durchschnittlich 800 Besucher pro Tag wird recycelt. Foto: Pontos
Das Duschwasser der durchschnittlich 800 Besucher pro Tag wird recycelt. Foto: Pontos
An zwei Entnahmestellen auf dem Gelände des Schwimmbads werden die Fahrzeuge der Straßenreinigungsfirma sowie der Tank für das Gießwasser befüllt. Foto: Pontos
An zwei Entnahmestellen auf dem Gelände des Schwimmbads werden die Fahrzeuge der Straßenreinigungsfirma sowie der Tank für das Gießwasser befüllt. Foto: Pontos
Die in Yerres zahlreich angelegten Parks, Blumeninseln, das Stadion sowie die Rasenflächen rund um das Schwimmbad werden mit recyceltem Wasser bewässert.
Die in Yerres zahlreich angelegten Parks, Blumeninseln, das Stadion sowie die Rasenflächen rund um das Schwimmbad werden mit recyceltem Wasser bewässert.
Die Diskussion um den Klimawandel hat die Bedeutung effizienter Lösungen auch für die Nutzung knapper werdender Wasserressourcen deutlich gemacht, auch wenn das Thema sicher noch mehr in den öffentlichen Fokus gehört. Der Wassersektor wird zu einem internationalen Zukunftsmarkt, bei dem selbstverständlich auch die Wettbewerbsposition der Deutschen Industrie von Bedeutung ist. Dabei geht es neben innovativer Technik vor allem um ganzheitliche Konzepte und Systemlösungen für das Wasser- und Gewässermanagement.

Ein Beispiel für den Einsatz innovativer deutscher Technik im Ausland konnte jetzt Pontos, das jüngste Tochterunternehmen der Hansgrohe AG, in Frankreich präsentieren. In der Industrie ist die zweifache Nutzung von hochwertigem und teurem Trinkwasser längst Standard. Doch mittlerweile haben auch die Kommunen die Chancen zur Einsparung erkannt. Im kommunalen Hallenbad von Yerres, einer im Großraum von Paris gelegenen Stadt, wurde die bisher größte AquaCycle-Grauwasserrecyclinganlage installiert. Dort im Schwimmbad wird das Duschwasser der durchschnittlich 800 Besucher pro Tag aufgefangen und für eine zweite Nutzung recycelt. Das wieder aufbereitete Wasser wird von der Stadt Yerres für die Straßen– und Fahrzeugreinigung sowie die Bewässerung der Grünanlagen eingesetzt. Die Stadtverwaltung spart durch das Grauwasserrecycling insgesamt mehr als neun Millionen Liter Trink- und Abwasser ein.

Mittlerweile gibt es mit dem von Pontos entwickelten AquaCycle kompakte Wasserrecyclinganlagen für den öffentlichen und privaten Bereich. Die Anlagen bestehen aus vorgefertigten Modulen, so dass Wiederaufbereitungskapazitäten zwischen 600 und bisher 30.000 Litern Wasser pro Tag möglich sind. Im Prinzip sind auch noch größere Kapazitäten durch Modulerweiterungen möglich – nur bisher in der Praxis noch nicht umgesetzt. Damit lassen sich AquaCycle-Systeme bedarfsgerecht in verschiedensten Projekten und auf unterschiedliche Verbrauchsgewohnheiten zugeschnitten einsetzen: in Ein- und Mehrfamilienhäusern ebenso wie in Wohnheimen, Hotels, Gewerbebetrieben und wie jetzt in Yerres auch in Schwimmbädern.

Die Idee hinter dem Wasserrecycling ist dabei denkbar einfach: Erst wird geduscht, danach mit dem gereinigten und wiederaufbereiteten Wasser die Toilettenspülung bedient, Wäsche gewaschen oder der Garten bewässert. In Frankreich stehen bei dieser direkten Verwendung anders als in Deutschland Vorschriften, die selbst bei der Toilettenspülung Trinkwasserqualität verlangen, noch im Wege. Aber aktuell diskutiert die französische Regierung die Verabschiedung folgender Gesetzesinitiative: Für die Installation und die Nutzung der Grauwasseraufbereitung werden vergünstigte Kredite angeboten. Die Wiederverwendung des Grauwassers betrifft den Bereich der Sanitärinstallationen aus der Dusche und Badewanne zur Einspeisung in die Toiletten, welche eine ideale Lösung zum Gebrauch von Grauwasser darstellt. Diese Gesetzesinitiative unterstreicht zudem die Richtlinien zur Regenwassernutzung, durch welche ca. 30 % des Trinkwasserverbrauchs kompensiert werden.

Roger Davito, Technischer Direktor der Kommunalverwaltung von Yerres, betonte das Interesse der Franzosen am Umweltschutz: „Wir haben ein ökologisches Verständnis. Vielleicht sind sie überrascht, dass wir hier in Frankreich ein so großes Interesse am Umweltschutz haben.“ Davito machte aber auch deutlich, dass man bei der Umsetzung dieses Wasserrecyclingprojektes anfangs gegen diverse Barrieren zu kämpfen hatte und der Weg dorthin ein wirklich langwieriger Prozess durch die Verwaltung war. Aber jetzt kann sich die Gemeinde Yerres über ein rundum nachhaltiges ökologisches Bau- und Betriebskonzeptes des neuen Schwimmbads freuen. Für dieses umweltfreundliche und ressourcenschonende Konzept hatten sich die Planer des Schwimmbades von Anfang an stark gemacht. Dabei wurden Abfälle umweltfreundlich getrennt und recycelt. Der Energie- und Wasserhaushalt des Gebäudes wurde nach ökologischen Gesichtspunkten optimiert: Gasheizkessel, Wärmetauscher zum Vorheizen des Wassers für die Schwimmbecken, ein Modul für die gleichzeitige Gaserzeugung sowie Sonnenkollektoren für das Warmwasser in den Sanitäranlagen gehören zu dem Konzept.

Das Duschwasserrecycling
Der effiziente, ressourcenschonende Umgang mit Trinkwasser spielte bei den gesamten Planungen eine wichtige Rolle. „Unser vorrangiges Ziel war es, die Betriebskosten des Schwimmbads so gering wie möglich zu halten“, erklärt Roger Davito, Technischer Direktor der Kommunalverwaltung von Yerres. „Außerdem sollte sich der Zeitpunkt der Amortisation in einem realistischen Rahmen bewegen.“ Die ursprünglich favorisierte Idee für eine Regenwasserauffanganlage wurde daher bald wieder verworfen, da diese witterungsabhängig arbeitet und die Wasserersparnis daher kaum verlässlich zu berechnen war. Recyceltes Duschwasser steht dagegen immer zur Verfügung. Zudem ließ sich im Projekt in Yerres die Menge des beim Duschen verbrauchten Wassers relativ genau kalkulieren, so dass die Pontos AquaCycle Anlage auf die spezifischen Anforderungen hin ausgelegt werden konnte. So wurde in Yerres mit dem AquaCycle 36.000 die bislang weltweit größte Anlage ihrer Art in Betrieb genommen. Sie bereitet täglich 26.000 Liter Wasser aus 53 Duschen für eine zweite Nutzung auf. Für die 24 Aufbereitungs- und Speicherbehälter wurde im Untergeschoss des Bades eigens ein Raum geschaffen.

Das Recycling-Prinzip
Das aus dem Duschbereich abgeleitete Wasser wird zunächst gefiltert und von festen Elementen wie Textilfasern oder Haaren gesäubert. Diese herausgefilterten Elemente werden in die Kanalisation zurückgeführt, wobei der Filter Bestandteil einer automatischen und regelmäßigen Rückspülung ist. Das so behandelte Grauwasser wird nun auf rein biologisch-mechanische Weise aufbereitet. Bakterien zersetzen die unterschiedlichen im Wasser vorhandenen Schmutzpartikel. Die so entstandenen Ablagerungen werden regelmäßig abgesaugt und in den Abwasserablauf zurückgespült. Anschließend wird das Wasser mit ultravioletten Strahlen behandelt und auf diese Weise desinfiziert, so dass es am Ende als hygienisch einwandfreies Klarwasser weiterverwendet werden kann. Seine Qualität entspricht der EU-Richtlinie für Badegewässer (76/160/EWG).

Gießen und Reinigen mit aufbereitetem Klarwasser
Aus dem 12 Tanks umfassenden Klarwasserspeicher wird das Wasser an zwei Entnahmestellen abgepumpt und für das Besprengen der Grünflächen, die Straßenreinigung und das Waschen der städtischen Fahrzeuge verwendet. Zwar haben Berechnungen vorab ergeben, dass die wiederaufbereiteten Wassermengen den für diese Zwecke benötigten Jahresmengen entsprechen. Als Pufferspeicher sind die zusätzlichen Tanks jedoch unerlässlich, da im Winter weniger Gießwasser benötigt wird.

Geringe Betriebskosten – 26.000 Euro Einsparung im Jahr
Da keine chemischen Zusätze benötigt werden, die Bauteile auf eine lange Lebensdauer hin ausgelegt sind und Filter und Membranen nicht ausgewechselt werden müssen, halten sich die Betriebskosten des AquaCycle in engen Grenzen. Mit durchschnittlich 1,2 kWh pro behandeltem Kubikmeter Wasser ist auch der Stromverbrauch sehr niedrig. Den Kosten gegenüber steht eine Reduktion des Trinkwasserverbauchs und Abwasseraufkommens von jeweils mehr als neun Millionen Liter im Jahr.

Bei den momentanen französischen Wasserpreisen von 4 Euro pro Kubikmeter erwarten die Planer bei Trink- und Abwasserausgaben – abzüglich der Betriebskosten – eine jährliche Einsparung von 26.000 Euro. Tatsächlich erscheint eine Amortisation der insgesamt 150.000 Euro umfassenden Investition in weniger als sechs Jahren realistisch, wobei sich dieser Zeitraum bei weiter steigenden Wasserpreisen entsprechend verkürzt.

Ausblick
Auf EU-Ebene gibt es bisher noch kein Regelwerk zur nachhaltigen Wassernutzung – aber die Diskussionen dazu sind im Gang. Hemmnisse, wie sie in diesem Projekt der technische Direktor der Kommunalverwaltung von Yerres Roger Davito beschrieben hat, gibt es leider auch in Deutschland noch. Allerdings wird hier keineswegs Trinkwasser für die Toilettenspülung verlangt, doch die Vorstellung die eigene Wäsche mit dem aufbereiteten Duschwasser, dem sogenannten Klarwasser zu waschen, hemmt noch so manchen Bauherrn in seiner Planung. Im privaten Bereich sind es häufig noch Idealisten, die sich eine Grauwasserrecyclinganlage installieren – denn im Gegensatz zu einer Solaranlage, mit der sich das ökologische Bewusstsein nach außen hin auch zeigen lässt, „verschwindet“ die Recycling-Anlage im Keller, wie Dr. Carsten Tessmer, Leiter PR der Hansgrohe AG, bei der Präsentation des Schwimmbad-Projektes erläuterte. Doch Diskussionen in Deutschland Grauwasser- oder Regenwassernutzungsanlagen als Beispiel aus dem Bereich nachhaltiges Bauen positiv über ein eventuelles Punktesystem o.ä. mit in den Energieausweis aufzunehmen, zeigen, dass auch hier einiges in Bewegung gekommen ist. Bis zur nächsten ISH in 2009, die den Schwerpunkt „Wasser und Nachhaltigkeit“ gewählt hat, gibt es jedenfalls noch viel zu tun, um die Hemmnisse im Denken abzubauen.
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