Auch der zweite Versuch des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks ZDH, ein bundesweit elektronisches Vergabeportal für die Baubranche zu errichten, ist daneben gegangen. Bereits im November 2007 musste das Deutsche Vergabe- und Beschaffungsnetz (DVBN) Insolvenz anmelden.
Die Elektronische Vergabeplattform der DVBN.
Der Zentralverband des deutschen Handwerks ZDH hat auch mit dem „handwerk.de“-Nachfolger das Ziel für öffentliche und private Handwerksaufträge das führende Internetportal in Deutschland zu werden, nicht erreicht. Das Deutsche Vergabe- und Beschaffungsnetz DVBN hatte Ende letzten Jahres, wie das Handelsblatt berichtete, Insolvenz anmelden müssen - womit dem ZDH Lizenzeinnahmen in Höhe von einer halben Millionen Euro wegfallen.
Bereits mit der „handwerk.de/AG“, die vom ZDH Anfang 2000 ins Leben gerufen wurde, hatte der Verband Schiffbruch erlitten und war im Februar 2004 mit Millionenverlusten in die Insolvenz geschlittert. Im HaustechnikDialog wurde
hier darüber berichtet.
Ein Neuanfang zur Online-Auftrags-Vergabe wurde 2006 mit der DVBN gemacht. Die neu gegründete DVBN, Deutsche Vergabe- und Beschaffungsnetz GmbH, ging im September 2006 mit ihrer elektronischen Vergabeplattform www.dvbn.de an den Start. Die DVBN GmbH war als Holding mit den Tochterunternehmen DVN Deutsche Vergabenetz GmbH, ventasoft GmbH und altenda GmbH gegründet worden. Auf Initiative des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie des Deutschen Städte und Gemeindebunds (DStGB) sollte die DVBN GmbH eine übergreifende, offene IT-Infrastruktur zur Vernetzung der gesamten Baubranche in Deutschland schaffen. Doch mit der erneuten Insolvenz ist man dem Ziel, führendes Internetportal für öffentliche und private Handwerksaufträge zu werden, nicht näher gekommen. Laut Handelsblatt sollen eigenen Angaben zufolge Ende 2007 immerhin 30.500 Handwerksbetriebe sowie 2.000 Ausschreiber registriert gewesen sein. 12.800 Ausschreibungen sollen über das Portal angeblich abgewickelt worden sein.
In einem Interview am 24.11.07 der Wirtschaftswoche hatte Christian Ramthun den Handwerkspräsidenten Otto Kentzler gefragt, wie sehr ihn die erneuten Pleite des handwerklichen Internetportals trifft? Kentzler darauf: „Das ist bedauerlich, weil ein für Handwerk und Öffentliche Hand wichtiges Ausschreibungsportal vor dem Aus steht. Die Insolvenz des Deutschen Vergabe- und Beschaffungs-Netzes (DVBN) ist wohl auch eine Folge der dramatischen Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten. Der ZDH hatte allerdings keinerlei gesellschaftsrechtliche Beteiligung an der DVBN und der Präsident somit auch keine Verantwortung. Dem ZDH sind lediglich Zahlungen aus einem Kooperationsvertrag zugeflossen.“
Nach Angaben des Berliner Insolvenzverwalters Christian Köhler-Ma gegenüber dem Handelsblatt sind von der Insolvenz insgesamt vier Unternehmen mit rund 60 Beschäftigten betroffen. Mit seiner Einschätzung im letzten Jahr, dass aus der insolventen DVBN-Gruppe die Firma ventasoft die besten Chancen hätte, hatte der Insolvenzverwalter Köhler-Ma richtig gelegen. Denn die RIB Software AG hatte am 10. Januar 2008 bekannt gegeben, dass sie zum 30. Dezember 2007 das gesamte operative Geschäft der ventasoft, Berlin, im Rahmen eines Asset Deals übernommen hat. ventasoft bietet technische Lösungen für öffentliche Ausschreibungen an und hat beispielsweise das Land Berlin, die Städte Wuppertal und Stuttgart, aber auch die Deutsche Telekom als Kunden.