Kleinst-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen als Alternative zu Großkraftwerken - Handwerk muss sich durch System- und Umweltkompetenz auf Wettbewerb und Klimawandel einstellen.
Die Studie wird Mitte September als Band 221 der Reihe "Edition der Hans-Böckler-Stiftung" erscheinen.
Kleinst-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (Mikro-KWK) können, zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet, den Bau neuer Großkraftwerke überflüssig machen. Verbunden mit einer umfassenden energetischen Gebäudemodernisierung kann so ein großer Beitrag zur Energie- und CO2-Einsparung sowie Versorgungssicherheit geleistet werden. Im Handwerk muss ein umfassender Umdenkungs- und Weiterbildungsprozess einsetzen, um diesen neuen energiepolitischen Herausforderungen gerecht zu werden.
Das sind die zentralen Aussagen einer jetzt veröffentlichen Studie, die im Auftrag der Hans Böckler Stiftung erstellt wurde. Peter Thomas, Geschäftsführer der HATI GmbH, Berlin: "Jetzt gilt es, die entscheidenden Weichen zu stellen, denn ein wirksamer Klimaschutz wird ohne ein herstellerunabhängiges und brennstoffneutrales Gebäudesystemtechnikhandwerk nicht gelingen. Eine klimafreundliche Stromerzeugung auch auf Basis der Nutzung erneuerbarer Energien erzwingt dezentrale Lösungen. Durch die regionale Verortung kann das Handwerk, die auf eine Liegenschaft bezogene effizienteste Strom- und Wärmenutzung sowie -erzeugung einbringen, die für die Energiewende gebraucht wird. Ansonsten drohen auch bei der dezentralen Mikro-KWK-Technik monopolartige Strukturen, wie wir sie bei Großkraftwerken vorfinden.“
Während Mikro-KWK-System in England und den Niederlanden bereits im großen Maßstab in Einfamilienhäusern installiert werden, befinden sich die Anlagen in Deutschland erst im Versuchsstadium. Entsprechend fehlt es den deutschen Herstellern am technologischen Know-how, insbesondere bei den als besonders effizient geltenden Stirling-Motoren. Diese lassen sich mit jeder Art von Heizquellen betreiben, von Solar über Gas, Bioöl bis zu Pellets. Über modernste Regeltechnik zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet, lässt sich so eine dezentrale, hoch effiziente Energieversorgung sicherstellen. Diese produziert sowohl Strom als auch Wärme zum Heizen. Neben diesen Chancen birgt die neue Technologie aber auch das Risiko einer Monopolbildung. Sollten nämlich Energieversorger die Installation im großen Maßstab übernehmen (so wie aktuell E.ON in England, wo 80.000 Stirling-Aggregate in Privathäuser eingebaut werden), bleibt den Kunden letzten Endes keine Möglichkeit mehr, unter verschiedenen Produkten und Brennstoffen auszuwählen. Die Hersteller stünden, weil von wenigen Großkunden abhängig, unter starkem Kostendruck, der Arbeitsplätze gefährden könnte. Die Handwerker wiederum würden zu bloßen "Schraubern" degradiert, die im Auftrag eines Energieversorgers standardisierte Produkte installieren und warten. Äußerst effizient für das Klima und die Beschäftigung wäre es, eine rentierliche Eigenstromproduktion aufzubauen.
"Die unfairen und wettbewerbsfeindlichen Eingriffe in den Energiemarkt stellen das Handwerk vor ganz neue Herausforderungen“, so Peter Thomas. Die Handwerker müssen nicht nur das Produktwissen zur Installation von Mikro-KWK-Anlagen erwerben. Vielmehr gelte es, eine Gewerke übergreifende System- und Umweltkompetenz aufzubauen, um Bauherren beim Bau und der Modernisierung in energietechnischen Fragen umfassend beraten zu können. Hierzu bedarf es auch, die Effizienzpotenziale zu mobilisieren, die sich durch die gebäudeinterne mit der -externen Vernetzung der lokalen Infrastruktursystemen ergeben. "Der Handwerker von morgen muss dieses umfassende könnende Wissen über die integrierte Gebäudesystemtechnik anwenden können. Nur durch eine Vielfalt von Techniken und Systemen sowie darauf aufbauend eine professionelle Dienstleistungsarbeit lassen sich alle Potenziale zur effizienten Nutzung von Energie ausschöpfen, die Versorgungssicherheit erhöhen und letztlich Sinn und Nutzen stiftende Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk sichern. Wettbewerb und Klimawandel brauchen umfassend kompetente Handwerker.“