6. Ölfachtagung Berlin und Brandenburg
6. Ölfachtagung Berlin und Brandenburg
Foto: IWO Die Energiebilanz der privaten Haushalte – über 75 Prozent des Energieverbrauchs entfallen heute auf die Raumwärme- und Warmwassererzeugung – und die bundesweit große Anzahl veralteter Heizungen sprechen nach Ansicht von Experten dafür, Modernisierungsinvestitionen in diesem Bereich stärker zu unterstützen. Der Brennwerttechnik und ihrer Kombination mit Solarthermie sollte dabei ein höherer Stellenwert beigemessen werden.
Auf der Ölfachtagung Berlin und Brandenburg in Cottbus diskutierten rund 90 Fachleute aus Mineralölhandel, Heizungshandwerk, Geräteindustrie und Politik über Perspektiven für das Heizen mit Öl. Im Fokus stand die Frage, wie der Energieträger Öl im Wärmemarkt zukünftig zur Umsetzung der politischen Ziele Klimaschutz, sichere Energieversorgung und Wirtschaftlichkeit beitragen kann.
Das Brandenburger Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz unterstützte die Veranstaltung in Cottbus. Dr. Günter Hälsig, Leiter der Abteilung Umwelt, Klimaschutz, Nachhaltigkeit im Ministerium lobte das branchenübergreifende Engagement für mehr Energieeffizienz, denn auch das Land Brandenburg konzentriere sich in seiner Energie- und Klimapolitik unter anderem auf den sparsameren Umgang mit Energie beziehungsweise die Erhöhung der Energieeffizienz. Der Bereich der Gebäudebeheizung berge erhebliches Potenzial, um den Energieverbrauch des Landes zu reduzieren. In diesem Zusammenhang sei es unverzichtbar, dass sich bei den Heizkesseln die Brennwerttechnik weiter durchsetze. „Wo sich der Verbraucher für den Brennstoff Heizöl entscheidet, spricht alles dafür, Brennwerttechnik, optimalerweise sogar im Verbund mit einer solarthermischen Anlage, den Vorzug zu geben“, betonte Hälsig. „Leichtes Heizöl wird bei der Wärmeerzeugung oder dem Betrieb von Blockheizkraftwerken auf absehbare Zeit sicherlich seinen Platz einnehmen“, so Hälsig weiter.
Adrian Willig vom Institut für wirtschaftliche Oelheizung (IWO) unterstrich diese Einschätzung: „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, ist im Wärmemarkt ein Mix aus effizienten konventionellen sowie ausgereiften regenerativ betriebenen Heiztechniken nötig. Mit erneuerbaren Energien allein ist das nicht zu schaffen“, erklärte Willig. Die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebestand gilt daher unter Experten als vorrangiger und wesentlicher Schritt für erfolgreichen Klimaschutz. „Effizienz muss vor Bio kommen“, betont Willig, „denn weder fossile noch biogene Brennstoffe dürfen in ineffizienten Heizungen verschwendet werden.“ Zumal auch nachwachsende Rohstoffe nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.
Mit einer Energieausnutzung von nahezu 100 Prozent erfüllen Öl-Brennwertgeräte bereits die Anforderung höchstmöglicher Effizienz. Die Energieeffizienz von Gebäuden insgesamt lässt sich darüber hinaus nur durch zusätzliche Maßnahmen wie Wärmedämmung und die Einbindung regenerativer Energieträger optimieren. Bewährt hat sich die Kombination der Öl-Brennwerttechnik mit Solarthermie zur Warmwassererzeugung und Heizungsunterstützung, nicht zuletzt auch wegen ihres vergleichsweise günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Genauso problemlos kann die Solar-Öl-Brennwertheizung zusätzlich mit Biomasse kombiniert werden. Dabei wird ein wasserführender Holz-Kaminofen mithilfe eines Wärmetauschers in die gesamte Wärmeversorgung des Hauses integriert.
Ein großer Vorteil ist, dass diese Kombination problemlos schrittweise umgesetzt werden kann. Wer zunächst einen Öl-Brennwertkessel einbaut, erreicht mit einer verhältnismäßig geringen Investition eine Energieersparnis von bis zu 30 Prozent gegenüber einem veralteten Standardkessel. Im nächsten Schritt kann dann Solarthermie oder ein Kaminofen installiert werden. Damit wird die Versorgungssicherheit immer weiter erhöht. Für das Heizungshandwerk bietet das Heizkonzept Brennwerttechnik plus Solarthermie plus Holzkaminofen eine gute Möglichkeit, neue Aufträge zu generieren und sollte daher verstärkt in der Kundenberatung berücksichtigt werden.
Frank Kleinert, stellvertretender Innungsobermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin prognostizierte: „Die Ölheizung wird auch in Zukunft ihre Rolle im Wärmemarkt spielen.“ Der Heizölverbrauch werde allerdings immer weiter zurückgehen ergänzte Waldemar Schmidt, stellvertretender Landesinnungsmeister des Fachverbands Sanitär Heizung Klempner Klima Land Brandenburg. „Wo heute noch 4000 Liter Heizöl pro Jahr benötigt werden, sind es in ein paar Jahren vielleicht nur noch 2000 Liter, beim Einsatz von Solarthermie sogar noch weniger. Diese Entwicklung ist im Sinne des Kunden – und auf zufriedene Kunden kommt es letztendlich an“, so Schmidt weiter.