Gesamtwirtschaftliche Risiken können dem Bau nichts anhaben - Umsatzplus von nominal 4% im Jahr 2009. Doch die Bauwirtschaft braucht neue Ausbildungsoffensiven, da Fachkräfte knapp bleiben.
"Fachkräfte bleiben am Bau knapp. Wir brauchen eine neue Ausbildungsoffensive." Diese Auffassung vertrat der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel, im Rahmen seiner Herbstpressekonferenz in Berlin. Was den Nachwuchs an gewerblichen Baufachkräften angehe, steuere die Branche auf eine demografische Falle zu, befürchtet Keitel. Jahr für Jahr schieden etwa 18.000 Mitarbeiter aus dem Berufsleben aus, denen jedoch z. Z. nur etwas mehr als 12.000 Nachwuchskräfte gegenüber standen. Die deutsche Bauwirtschaft müsse deshalb für ein attraktiveres Image der gewerblichen Bauberufe sorgen, so Keitel.
Darüber hinaus müsse die Weiterbildung der vorhandenen Arbeitskräfte forciert werden; unausgeschöpfte Qualitätsreserven könne sich die Branche nicht länger leisten. Schließlich sei auch die Ausbildungs- bereitschaft der Unternehmen weiter zu steigern. Auf Grund von mangelnder Ausbildungsreife der Bewerber habe jedes siebte Unternehmen im vergangenen Jahr keine geeigneten Bewerber für seine Ausbildungsplätze gefunden. Seit Jahren gingen die Absolventenzahlen im Bauingenieurwesen zurück, zuletzt im Jahre 2007 auf nur noch 3.083 Hochschulabgänger und auch im Bereich der akademischen Führungskräfte habe sich inzwischen eine Ingenieurlücke aufgetan.
"Hochschulpolitik und Bauindustrie müssen hier gemeinsam gegensteuern. Für uns heißt das: Stärkere Einbeziehung der Arbeitgeber in die Qualitätssicherung der Studiengänge, Sicherstellung berufsquali- fizierender Bachelorabschlüsse und Erhalt der Praxisorientierung der Fachhochschulen", so Keitel.
| | Im Gegensatz zu den sinkenden Fachkräften, steigen die Aufträge in der deutschen Bauwirtschaft enorm. "Die deutsche Bauwirtschaft geht mit gut gefüllten Auftragsbüchern in das 2. Halbjahr 2008. Die moderate Aufwärtsentwicklung im deutschen Bauhauptgewerbe wird deshalb über das Jahr 2008 Bestand haben", so die Auffassung von Prof. Dr.-Ing. Hans Peter Keitel. Der Hauptverband halte deshalb an seiner Umsatzprognose fest, nach der die nominalen Umsätze im Bauhauptgewerbe 2008 um etwa 4 % zunehmen werden. Bei einem Baupreisanstieg von 3 %. |
Zu Beginn des 2. Halbjahrs meldeten die Unternehmen des Bauhauptgewerbes immerhin einen gegenüber dem Vorjahr um nominal 11,7 % (real 7,4 %) höheren Auftragsbestand. Für das Jahr 2009 sei mit Blick auf die Abschwächung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums eine Verlangsamung des Wachstumstempos in der Bauwirtschaft zu erwarten, erläuterte Keitel. Mit einer neuen Baurezession habe dies jedoch nichts zu tun; alle Frühindikatoren - ob Baugenehmigungen, Auftragseingänge oder Auftrags- bestände - deuteten darauf hin, dass auch 2009 ein nominales Wachstum der bauhauptgewerblichen Umsätze von 2,5 % zu erwarten sei. Vorausgesetzt, dass es keine gravierenden Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten gebe. Real bedeute dies für die Umsätze des deutschen Bauhauptgewerbes eine Stabilisierung auf dem Niveau des laufenden Jahres, möglicherweise sogar ein leichtes Wachstum.