Im mitteldeutschen Raum sehen sich die Installationsbetriebe als einen Gewinner der staatlichen Hilfsmaßnahmen. Auf der Messe für Sanitär, Heizung, Klima und Gebäudeautomation SHKG (28. bis 30. Oktober 2009) strebt das regionale Handwerk zudem einen verstärkten Schulterschluss mit den Herstellern an.
Fachbesucher der SHKG Leipzig 2007.
SHKG Leipzig 2007 - Der Wilo-Förderpreis Ost für Brandenburgs beste SHK-Auszubildende wurde auf der SHKG in Leipzig verliehen.
"Das SHK-Handwerk in Sachsen-Anhalt steht Gewehr bei Fuß", versichert Dr. Hans-Michael Dimanski, Geschäftsführer des Fachverbandes SHK Sachsen-Anhalt in Magdeburg, mit Blick auf das angelaufene Konjunkturpaket II. Die aktuelle Stimmung in der Branche wertet er als "relativ gut", weil es im Moment ausreichend zu tun gäbe. Von dem Paket erhoffe man sich in den Installateurfirmen für die zweite Jahreshälfte einen zusätzlichen und deutlichen Schub.
"Das kann hier und da sogar schon zu Engpässen führen", gibt der Geschäftsführer zu bedenken. Er appelliert deshalb an die öffentlichen Auftraggeber, bei den avisierten Projekten zur energetischen Gebäudesanierung in Schulen und Kindergärten schon frühzeitig einen planerischen Vorlauf zu schaffen. Selbst wenn ein Projekt noch nicht ausschreibungsreif abgeschlossen sei, wäre es gut, wenn die Kommunen den wahrscheinlichen Bedarf an Klima- und Heizungstechnik frühzeitig ermitteln und den Fachverbänden mitteilen, so Dimanski. Andernfalls fürchte er einen Rückstau bei Herstellern, Großhandel und Handwerk, da die benötigten Anlagen nicht schnell genug geliefert werden könnten.
Das sachsen-anhaltische SHK-Handwerk würde es laut Dimanski sehr begrüßen, wenn sich auch die großen Sanitärhersteller mit Blick auf die erwartete Auftragsflut mit den Betrieben der Region schneller in Verbindung setzen. Auch die Regionalmesse SHKG Leipzig (28. bis 30. Oktober 2009) eröffne ihnen eine große Chance, stärker als bisher im ostdeutschen Markt Fuß zu fassen. Diese Messe für Sanitär, Heizung, Klima und Gebäudeautomation sei eine "hervorragende Plattform für die Stärkung der Kooperation", so Dimanski. "Der Bedarf bei den Leuten, mehr für ihr Bad oder ihre private Wellness-Oase zu tun, ist augenscheinlich vorhanden. Man muss diese Potenziale nur herauskitzeln."
Der Fachverband erwartet, dass in den nächsten zwei, drei Jahren in Ostdeutschland eine Erneuerungswelle im Bad- und im Heizungsbereich einsetzt. "Die meisten Anlagen sind jetzt zwischen 15 und 17 Jahre alt und müssen nach und nach ausgetauscht werden", informiert er. Und gerade in schwierigen Zeiten investierten die Leute verstärkt in Wertobjekte wie Immobilien beziehungsweise in eine höhere Wertigkeit ihrer Häuser. Auf der Leipziger SHKG ließen sich diesbezüglich für die Industrie sehr wichtige Weichen stellen.
"Die Lage ist besser, als die Stimmung vermuten lässt"
Optimismus herrscht auch in den Fachverbänden Sachsens und Brandenburgs. "Schaut man auf unseren Geschäftsklima-Index, ist die Lage besser, als die kommunizierte Stimmung vermuten ließe", teilt Matthias Krüger mit, Geschäftsführer des Fachverbandes SHK Sachsen. Die Branche arbeite noch immer einen Auftragsrückstau aus den eisigen Winterwochen im Januar ab, der Vorlauf liege derzeit bei annähernd sechs Wochen. Und sollten sich doch im Sommer und Frühherbst erste Einbruchtendenzen abzeichnen, werde übergangslos das Konjunkturpaket II wirksam, ist Krüger sicher. Er erwartet davon sehr viel Belebung für das SHK-Handwerk. Die Branche werde hierbei sowohl von den öffentlichen Aufträgen zur energetischen Sanierung im Bildungsbereich als auch an der Verbesserung der Energieeffizienz im Privatkundenbereich partizipieren. Letzterer mache im Segment Klima fast ein Drittel aus.
Sein Potsdamer Kollege Erik Debertshäuser, Geschäftsführer des brandenburgischen Fachverbandes Sanitär Heizung Klempner Klima, sieht die Branche als einen der Gewinner des Konjunkturprogramms. In den SHK-Betrieben könnten zwischen 20 und 25 Prozent der Millionensummen hängen bleiben, die für die Sanierungsmaßnahmen in Schulen, Turnhallen und Kindergärten bereit stehen. Allerdings sei noch nicht überall entschieden, inwiefern man bei der energetischen Gebäudesanierung eher auf Fassadendämmung oder auf moderne Haustechnik setzt. "Das ist ein Wettbewerb, der noch spannend werden kann", gibt Debertshäuser zu bedenken.
Etwas zurückhaltender zur aktuellen Branchensituation gibt sich Dr. Klaus Rinkenburger, Geschäftsführer der Berliner Innung Sanitär Heizung Klempner Klima. Ab März seien hier rückläufige Umsätze zu registrieren, weil Kunden wegbrechen und denjenigen das Geld knapper sitze, die Gebäude finanziert gekauft haben. Umso mehr rechnet er mit positiven Effekten durch das Konjunkturpaket II - sowohl im Sanitärbereich als auch bei der energetischen Gebäudesanierung. Fragezeichen sieht Rinkenburger noch bei dem Punkt, wann das Programm wirksam greift. Immerhin dränge die Berliner Senatsverwaltung auf Tempo. Bis November 2009 sollen wenigstens 40 Prozent aller Aufträge ausgelöst und bis April 2010 die restlichen Projekte angeschoben sein.
Das Konjunkturpaket II
Bundesweit wiegt das Konjunkturpaket 13 Milliarden Euro schwer. Es ist mittlerweile über die Bundesländer bis auf die Kommunen herunter gebrochen und wird hier nun zu konkreten Projekten aufgeschlüsselt. Sachsen erhält hierbei aus dem großen Bundestopf 590 Millionen Euro, Berlin 474 Millionen Euro, Sachsen-Anhalt 356 Millionen Euro und Brandenburg 343 Millionen Euro. In allen Ländern werden diese Gelder um ein weiteres Viertel durch regionale Eigenmittel aufgestockt.