Umsatzwachstum in Deutschland und Westeuropa trotz Finanzkrise. Der Heiztechnik-Hersteller Viessmann hat im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von gut 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies zwar eine Verringerung um 5,9 Prozent bzw. 100 Millionen Euro, fast die Hälfte davon resultiert jedoch aus Währungsverlusten.
Binnen drei Jahren investierte das Unternehmen 220 Millionen Euro am Standort Allendorf. Damit wurde unter anderem die Produktion völlig neu aufgebaut. Foto: Viessmann
Rückgänge gab es in Osteuropa, aber auch in der Türkei und in Spanien, wo die Marktentwicklung aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise generell negativ war. Unterm Strich konnte die Marktposition trotz schwieriger Rahmenbedingungen ausgebaut werden, wie der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Martin Viessmann auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt bekannt gab.
Wärmeerzeugerabsatz in Deutschland um 4,5 Prozent gesteigert
In Deutschland wurde der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf 740 Millionen Euro gesteigert. Bezogen auf den Wärmeerzeugerabsatz betrug die Steigerung sogar 4,5 Prozent und lag damit deutlich über dem Marktwachstum von 3 Prozent. Der Inlandsanteil am Gesamtumsatz ist damit von 42 Prozent wieder auf 46 Prozent angestiegen.
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung betrugen vier Prozent des Umsatzes. Investiert wurden 70 Millionen Euro, Schwerpunkte waren das neue Auslieferungslager Allendorf, von dem aus 70 Prozent der Fläche Deutschlands im Nachtsprung beliefert werden können. Außerdem wurde ein neues Röhrenkollektor-Werk im chinesischen Dachang in Betrieb genommen. Zu den Investitionen zählt auch der Ausbau der internationalen Vertriebsstrukturen mit neuen Niederlassungen in Düsseldorf, Koblenz, Herford und Danzig sowie die Errichtung einer Biogasanlage am Unternehmensstammsitz in Allendorf (siehe separater Pressetext).
Marktvolumen im Ausland um 15 Prozent geschrumpft
Während das Volumen der Auslandsmärkte um 15 Prozent auf insgesamt 7,6 Millionen Wärmeerzeuger zurückgegangen ist, stieg das Marktvolumen in Deutschland um drei Prozent auf 638.000 Wärmeerzeuger an.
Deutscher Markt leicht gewachsen
Die positive Entwicklung des deutschen Marktes basiert ausschließlich auf Öl- und Gas-Wärmeerzeugern, vor allem in Brennwerttechnik, die inzwischen zwei Drittel des Marktvolumens ausmacht.
Das Marktvolumen von Wärmepumpen (-12 Prozent), Biomassekesseln (-25 Prozent) und thermischen Solaranlagen (-26 Prozent) schrumpfte zweistellig. Diese nach dem dynamischen Wachstum des Vorjahres signifikanten Rückgänge bei den Wärmeerzeugern zur Nutzung erneuerbarer Energien resultieren zum einen aus einer verstärkten Kaufzurückhaltung in Folge der Finanzkrise, zum anderen sind sie aber auch auf die deutlich gesunkenen Öl- und Gaspreise zurückzuführen.
Übernahme der Schmack Biogas AG
Zum Jahreswechsel hat Viessmann die Firma Schmack Biogas übernommen, um das Portfolio auch in diesem Bereich zu vervollständigen. Schmack ist einer der führenden deutschen Anbieter von Biogasanlagen nach dem Prinzip der Nassfermentation.
Das in 1995 gegründete Unternehmen bietet neben der Projektierung und Errichtung von Biogasanlagen auch die Betriebsführung und den gesamten Service an. Schmack zählt damit zu den wenigen Komplettanbietern der Branche. Der Umsatz des Unternehmens lag zuletzt bei 68 Millionen Euro.
Mit der Integration von Schmack sichert sich die Viessmann Gruppe das ausgezeichnete Know-how des Unternehmens und ergänzt gezielt das Viessmann Komplettprogramm für alle Energieträger und alle Anwendungsbereiche.
Strukturwandel setzt sich mittelfristig fort
Auch wenn die dynamische Entwicklung bei Produkten für erneuerbare Energien durch die Wirtschaftskrise zeitweilig unterbrochen worden ist, wird sich der Strukturwandel hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien fortsetzen. Mittel- und langfristig betrachtet werden die Energiepreise steigen und den Strukturwandel befördern. Davon abgesehen sind die energie- und klimapolitischen Ziele, die auch nach dem Rückschlag von Kopenhagen von den 30 größten CO2-Emittenten bekräftigt wurden, nur erreichbar, wenn der Heizungsanlagenbestand in den Industriestaaten grundlegend erneuert wird.
In Deutschland zum Beispiel dient mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs – Prozesswärme eingerechnet – der Wärmeproduktion und ist für 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in diesem Bereich verantwortlich. Von den mehr als 17 Millionen Wärmeerzeugern aber entsprechen keine 20 Prozent dem heutigen Stand der Technik. Deshalb kommt es darauf an, den Sanierungsstau im Heizungskeller aufzulösen und die enormen Potenziale auszuschöpfen, die die Erneuerung des Heizungsbestandes und der Ausbau erneuerbarer Energien für den Schutz des Klimas bieten. Damit werden gleichzeitig die Verbraucher vor unbezahlbaren Energiepreisen bewahrt und Arbeitsplätze im deutschen Wärmemarkt gesichert.
Da die erforderlichen Technologien bereits vorhanden sind und sofort eingesetzt werden können, ist es vor dem Hintergrund steigender Energiepreise auch aus sozialer Sicht eine vordringliche Aufgabe, durch eine beschleunigte energetische Sanierung des Gebäudebestands die Verbraucher vor zu hohen Energiekosten zu schützen.
Modellprojekt „Effizienz Plus“ spart 40 Prozent fossile Energie und 30 Prozent CO2
Dass die energiepolitischen Zielsetzungen keine Utopien sind, zeigen die Viessmann Werke mit ihrem Projekt „Effizienz Plus“. Am Unternehmensstammsitz in Allendorf (Eder) wurde dafür ein innovatives Energiekonzept verwirklicht. Durch konsequente Steigerung der Energieeffizienz und die teilweise Substitution fossiler durch erneuerbare Energie werden 40 Prozent fossile Energie eingespart und die CO2-Emissionen um 30 Prozent reduziert.
In der neuen Energiezentrale wird vor allem Biomasse als erneuerbarer Energieträger zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt. Hackschnitzel werden auf eigenen Kurzumtriebsplantagen mit Gesamtflächen von 160 Hektar selbst produziert. Langfristiges Ziel dabei ist, im Sinne der Nachhaltigkeit nur soviel Biomasse zu verbrauchen, wie in der gleichen Zeit nachwächst. Eingesetzt wird nicht nur feste Biomasse, sondern auch Biogas aus Abfällen der Landwirtschaft und Landschaftspflege.
Deutscher Nachhaltigkeitspreis für „Effizienz Plus“
Das Nachhaltigkeitsprojekt „Effizienz Plus“ dient nicht nur dem Klimaschutz und der Ressourceneffizienz, sondern es erhöht auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und sichert Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region, wo Viessmann mit Abstand der größte Arbeitgeber ist und in besonderer sozialer Verantwortung steht.
Alle im Rahmen von „Effizienz Plus“ durchgeführten Maßnahmen sind wirtschaftlich und amortisieren sich innerhalb von acht Jahren. Viessmann wurde für das Projekt mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Produktion“ ausgezeichnet.
Für 2010 Umsatzplus von fünf Prozent erwartet
Der Heiztechnik-Hersteller geht davon aus, dass die Märkte sich nicht nur in 2010, sondern auch in den Folgejahren seitwärts bewegen. Dabei rechnet man damit, dass das Marktvolumen in Deutschland sich mit dem zurzeit schlechter werdenden Konsumklima eher leicht rückläufig entwickeln wird. Auf den Auslandsmärkten sieht man die Talsohle erreicht und geht von einem Marktwachstum von etwa einem Prozent aus.
Für 2010 ist ein Umsatzwachstum von fünf Prozent geplant, dabei setzt das Unternehmen auf die Einführung neuer Produkte, den fortschreitenden Strukturwandel auf den internationalen Märkten in Richtung Brennwerttechnik sowie vor allem auf die Marktpenetration des Viessmann Komplettprogramms für alle Energieträger und Anwendungsbereiche.