Wer noch Zweifel hegt, ob die Wärmepumpe in Deutschland etabliert ist, hätte sich beim ersten Sächsischen Geothermietag-Spezial im Wasserkraftwerk Mittweida auf den neuesten Stand bringen lassen können – wäre die Veranstaltung nicht ausgebucht gewesen.
Mehr als 200 Teilnehmer beim Sächsischen Geothermietag in Mittweida diskutierten über die Optimierung von Erdwärme-Systemen. Foto: Junkers
Mehr als 200 Teilnehmer aus zehn Bundesländern folgten der Einladung des Geokompetenzzentrums Freiberg. Es bestand Einigkeit: Über den Nutzen von Wärmepumpen muss man nicht mehr diskutieren. Wie der Zusatz „Spezial“ andeutet, sind die Grundlagen längst klar. Es geht nun darum, Systeme zu optimieren und andere Energieträger einzubinden.
Den Siegeszug der Wärmepumpe in Schweden zu über 90 Prozent Marktanteil stellte Jochen Reik, Leiter Regenerative Energien bei Junkers, vor. Die Erfahrung aus Schweden führt direkt zum Sinn des Geothermietags: „Akzeptanz erreicht man durch Kompetenz“.
Dr. Jochen Hamann von der BLZ Geotechnik GmbH, Gommern, veranschaulichte die Vorzüge von Verdampfer-Sonden, wies aber auch auf die höheren verfahrenstechnischen Anforderungen hin. Die Temperaturen in und in der Nähe der Erdsonde zu messen, ist zur Systemoptimierung sinnvoll. Prof. Dr. Eckart Hurtig von der GESO GmbH, Jena, empfahl dazu faseroptische Messsysteme, die mit der Sonde in das Bohrloch eingebracht werden.
Aus der Praxis berichtete Volker Beier, Lüumel GmbH, Coswig, über die Integration von Solarthermie und Erdwärme. „Solarthermie kann einen bis zu 25 Prozent unterdimensionierten Erdkollektor retten“, fasste Prof. Dr. Mario Reichel, Westsächsische Hochschule Zwickau, seine Forschungsergebnisse zur Regeneration von Erdkollektoren zusammen.
Dr.-Ing. Stefan Scheffler, Ingenieurbüro Dr. Scheffler und Partner, Dresden, vermittelte den interessierten Zuhörern seine Erfahrungen in der thermischen Bauwerkserhaltung und Bauteiltemperierung in historischen Gebäuden mittels Geothermie.
Einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung gab Sadko Meusel vom Institut für Fluidbergbau und Bohrtechnik der TU Bergakademie Freiberg. „Was nutzt mir mein alter Heizkessel, wenn ich eine Wärmepumpe habe?“ Diese Frage beantwortete Lutz Lochau von Junkers praxisnah anhand einiger Rechenbeispiele: Bei großen Anlagen kann sich der bivalente Betrieb mit Erdwärme und Gas lohnen, im Einfamilienhaus ist jedoch der monoenergetischen Wärmepumpe der Vorzug zu geben.
Prof. Dr. Steffen Wagner, Leiter der Arbeitsgruppe Geothermie des Geokompetenzzentrums Freiberg, gab mit Gasmotor-BHKW und Adsorptions-Desorptions-Wärmepumpe einen Ausblick auf marktnahe Forschungsthemen, die die Attraktivität der Geothermie noch weiter steigern.
Zukunftsthemen im historischen Ambiente – besser hätte der Veranstaltungsort nicht passen können, stellt doch das in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erbaute Wasserkraftwerk Mittweida eine der frühen Nutzungen regenerativer Energie im großen Maßstab dar. Das Schmuckstück an der Zschopau ist heute noch in Betrieb, beherbergt aber zusätzlich ein Labor der TU Freiberg sowie das Schulungszentrum Regenerative Energien von Junkers. Ein klarer Ausflugstipp: Die eindrucksvollen, liebevoll gepflegten Generatoren sind auf jeden Fall einen Abstecher wert.
Am Freitagn schloss sich an die Fachtagung ein – ebenfalls ausgebuchtes – Grundlagenseminar an. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den Tag des offenen Denkmals am folgenden Sonntag, so dass in den vier Tagen die Geschichte von 80 Jahren regenerativer Energie spürbar wurde.
Das Geokompetenzzentrum Freiberg e.V. wurde im März 2002 unter Beteiligung dreier Ministerien des Landes Sachsen gegründet und ist heute das größte Geo-Netzwerk Deutschlands. Die Förderung oberflächennaher Geothermie stellt einen Tätigkeitsschwerpunkt dar. Eine Fortsetzung des Geothermietags, die Kommunikationsplattform des Vereins, ist 2007 in Marienberg fest geplant: Aufklärungsbedarf besteht immer, wurde doch Organisator Dr. Wolfgang Reimer im Radiointerview gebeten, den „Geometrietag“ näher vorzustellen.