Einbruch des Marktes für Flachheizkörper zwingt zum Abbau von Überkapazitäten. Unternehmens- und Logistikzentrale sowie Fußbodenheizungs-Produktion sollen in Vienenburg erhalten bleiben. Ein Sozialplan für ca. 135 betroffene Mitarbeiter ist in Vorbereitung.
2500 unterschiedliche Ausführungen von Heizkörpern hielt Purmo für die Herbstkampagne 2007 parat. Foto: Purmo
Mit einer großen Marketing-Kampagne im Herbst letzten Jahres hatte Purmo noch versucht Schwung ins Kerngeschäft mit den Flachheizkörpern zu bringen. Doch jetzt musste die geplante Schließung der Flachheizkörper-Produktion in Vienenburg bekanntgegeben werden.
Die Purmo DiaNorm Wärme AG plant, die Produktion von Flachheizkörpern in Vienenburg einzustellen; das teilten der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Markus Lengauer und Alleinvorstand Harald Günther mit. Günther verweist als Begründung auf erhebliche Einbrüche im westeuropäischen Markt für Flachheizkörper im letzten Jahr und auch in den Jahren vor 2006. Nach den ihm vorliegenden Planzahlen und Budgets sieht der Aufsichtsrat keine Alternative zu diesen schwer wiegenden Schritten. Daher wird der Vorstand umgehend in Gespräche mit der Arbeitnehmerseite eintreten, um eine sozialverträgliche Lösung auszuhandeln. Geplant ist, Vienenburg zu einer Logistikzentrale für die deutschsprachigen Länder auszubauen, um die Belieferung der Kunden im Fachgroßhandel sicherzustellen.
Es werde ein reibungsloser Übergang auf andere Fertigungsstätten der Purmo-Gruppe vorbereitet: Die Purmo-Werke der Rettig ICC hätten ausreichende Kapazitäten, um die Vienenburger Produktion aufzufangen. Harald Günther: „Es gibt im europäischen Heizkörpermarkt erhebliche Überkapazitäten – auch innerhalb unserer Unternehmensgruppe.“
In Deutschland seien 1995 noch ca. zwölf Millionen Flachheizkörper verkauft worden, zehn Jahre später waren es nur noch rund fünf Millionen. Nach kontinuierlichen Rückgängen in den letzten Jahren sei 2007 nochmals ein Nachfragerückgang von über 16 Prozent zu beklagen. Günther: „Gerade im Inland haben wir es derzeit mit einem aggressiven Preiswettbewerb zu tun, der sich nicht mehr an den Kosten, sondern an Marktanteilen orientiert. Die gleichzeitig sinkende Nachfrage lässt uns keine andere Wahl.“
Der seit mehr als zehn Jahren rückläufige Neubau- und Renovierungsmarkt in den deutschsprachigen Ländern und wachsende Marktanteile für Dekorativheizkörper, Fußbodenund Elektroheizkomponenten beschleunigen den Prozess. Die Flachheizkörperproduktion verlagere sich nach Osteuropa, wo auch die derzeitigen Wachstumsmärkte für dieses Segment liegen. Günther schätzt die westeuropäischen Überkapazitäten in der Fertigung von Standardheizkörpern auf 30 bis 40 Prozent.
Von der geplanten Stilllegung der Fertigungslinien in Vienenburg sind ca.135 Mitarbeiter betroffen. Für die betroffenen Mitarbeiter soll ein sozialverträglicher Übergang in neue Arbeitsverhältnisse organisiert werden. Die Unternehmenszentrale der Rettig ICC Gruppe, zu der die Purmo DiaNorm Wärme AG gehört, habe durch den Aufsichtsrat die Beteiligung an einem Sozialplan und an der Gründung einer Auffang- und Qualifizierungsgesellschaft zugesagt. Dr. Markus Lengauer: „Wir bemühen uns, keinen unserer zum Teil langjährigen Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit zu entlassen.“
Laut Alleinvorstand Harald Günther steht der Standort Vienenburg nicht zur Diskussion: Vertrieb, Marketing, Einkauf, Logistik, Finanzen/Controlling, EDV und der Fertigungsbereich Fußbodenheizung bleiben hier angesiedelt. Ausgebaut werden soll das Logistikzentrum für die deutschsprachigen Länder – Vienenburg biete dank seiner zentralen Lage ideale Voraussetzungen für Kundennähe in Deutschland und Europa. Somit ist geplant, dass Purmo DiaNorm zukünftig rund 80 Mitarbeiter in Vienenburg beschäftigt. Das Werk ist eine von vier Flachheizkörper-Produktionsstätten der Marke Purmo in Europa. Auch in England, Polen und Finnland werden Flachheizkörper für das Purmo-Produktprogramm produziert.
Die Fertigung von Flachheizkörpern der Marke wird in Zukunft auf andere Rettig Werke konzentriert. Diese Produktionsstätten verfügen über ausreichende Kapazitäten zur Aufnahme der in Vienenburg frei werdenden Mengen. Purmo ist seit 1974 in Deutschland aktiv. Im Jahr 2000 verschmolzen in Vienenburg die Marken Purmo und DiaNorm zur Purmo DiaNorm Wärme AG. Das Unternehmen ist Teil der internationalen Rettig ICC Gruppe, die ihrerseits eine 100-prozentige Tochter der Rettig Group Ltd ist. Neben Vienenburg betreibt die Rettig ICC in Deutschland eine Fertigung für Röhrenradiatoren im thüringischen Meiningen und ein Werk für Schornsteinsysteme in Lilienthal/Bremen.