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Tenside, Halogene und kaputte Kessel...Alles Quatsch, oder was??
Verfasser:
AxG Feuerungstechnik
Zeit: 27.03.2011 13:05:38
0
1513817
Hallo zusammen,

angestupft durch die Waschmitteldiskussion im Pelletti-Thread (Flammrohr und Brandteller def.), mal eine Frage an die ganzen Chemiker hier im Forum:

Seitens der Gerätehersteller wird uns immer wieder gesagt das Ausgasungen aus den Waschmitteln die Materialien in den Heizgeräten angreifen und zerstören können. Damit meine ich jetzt nicht nur das Edelstahl-Flammrohr im Pelletti, sondern z.B. auch die Kupfer-Innenkörper in den Durchlauferhitzern.
Ich selbst hatte mal eine Therme in einer Tankstelle mit gekapselter Brennkammer, also raumluftunabhängiger Betriebsweise. Die Raumluft kam durch eine Öffnung zur benachbarten Waschstrasse und im Heizraum lagerten die Betriebsstoffe der Waschstraße. Die Verbrennungsluft wurde "sauber" über Dach angesaugt.
Resultat:
Nach wenigen Betriebsjahren waren alle Kupfer-& Edelstahlleitungen (einschließlich der Hauseinführung der Gasleitung) sehr stark korrodiert und mußten erneuert werden. Die Verrohrung der Therme war ebenfalls stark korrodiert. Alle Bauteile die innerhalb des gekapselten Brennraums lagen sahen aus wie neu. Nur die Baugruppen die mit der Raumluft in Berührung standen waren brack.

Also, was war es was die Materialen in der Raumluft angefressen hat und wieso sollte das (natürlich im kleineren Stil) nicht auch bei geringeren Konzentrationen durch ausgasendes Waschpulver verursacht werden?
Dass die Korrossion durch die Waschmittelzusätze verursacht wurde ist für mich eindeutig. Und mir ist ebenfalls klar, dass es sich hier um ein Extrembeispiel handelt. Allerdings schreiben die Chemiker auch ganz eindeutig dass ein Waschmittel nicht ausgast und somit auch nichts zerstören kann.

Ich als Klempner bin gespannt auf die Antworten der Fachleute.

Verfasser:
kd-schrauber
Zeit: 27.03.2011 13:11:56
0
1513818
Moin Axel,

ich kann zumindest den Sachverhalt eindeutig bestätigen da ich auch schon an Anlagen (innerhalb der Gebäude-Hülle!!) von Waschstraßen die Effekte kenne.
Teils katastrophale Folgen :-(( - in diesem Bereich- aufgrund der Vernebelung und "Kontamination" durch Reinigungs-Substanzen.

Grüße Michael

Verfasser:
WolfK
Zeit: 27.03.2011 13:39:05
0
1513832
Hallo,
in diesem Fall sind die Aerosole der Grund für die Korrosion, in dem Nebel welcher beim Ausprühen entsteht sind auch die Komplexbildner enthalten, zudem wird ja das Wasser mehrfach verwendet, sodaß die Waschmittel Konservierungsstoffe enthalten, um ein faulen zu verhindern. Bei manchen Waschanlagen riecht man sogar einen leichten Fäulnisgestank, wenn davon zuwenig drin ist. Diese Konservierungstoffe basieren meist auf Benzalkoniumchlorid und sind starke Korrosionsbeschleuniger, da diese kationisch reagieren wird selbst "normaler" Edelstahl langfristig angegriffen. Aus diesem Grund lasse ich mein Auto nie im Sommer durch die Waschanlage, man holt sich dort durchaus mehr Korrosion als mit der normalen Handwäsche. Im Winter ist das Salz allerdings schlimmer als diese Zusätze.

Gruss Wolfram

Verfasser:
Martin Havenith
Zeit: 27.03.2011 18:10:05
0
1513943
Wie das heute ist, kann ich nicht sagen...

Aber ich hatte auch schon mal einen Kessel-Korrosions-Totalschaden wg.
Waschmitteln, Lacken und Lösungsmitteln

Und das bei einem Gusskessel!

Martin

Verfasser:
WolfK
Zeit: 27.03.2011 18:29:13
0
1513960
Zitat von Martin Havenith Beitrag anzeigen
Wie das heute ist, kann ich nicht sagen...

Aber ich hatte auch schon mal einen Kessel-Korrosions-Totalschaden wg.
Waschmitteln, Lacken und Lösungsmitteln

Und das bei einem Gusskessel!

Martin



Hm,
wenn bei den Lösungsmitteln chlorhaltige dabei waren, ist das nicht mehr als logisch. Salzsäure bei hoher Temperatur kriegt alles klein.

Gruss Wolfram

Verfasser:
mrtux
Zeit: 27.03.2011 19:00:21
0
1513977
Im umgestalteten Friseurladen - da wurde der Heizraum für Lagerzwecke missbraucht. Nach 3 Jahren war die atmo. Gastherme und der Edelstahlschornstein nur noch ein Sieb.

Verfasser:
Eckart
Zeit: 27.03.2011 19:24:10
0
1513985
Das Thema ist nach wie vor aktuell. ALLE Kessel/Brenner-Hersteller die ich kenne, haben für die Verbrennungsluftqualität bestimmte Vorgaben.
Vor allem muss die Luft frei von chlorierten Kohlenwasserstoffen sein.
Diese sind in vielen Mitteln, Stoffen und Lösungen aus Haushalt, Industrie und Gewerbe enthalten.
Zu nennen wäre da z.B. Trichloretylen, Perchlorethylen, fluorierte- und chlorierte Kohlenwasserstoffe, Salzsäure u.v.A..

Das Waschmittel gast in so fern aus, das man es riecht wenn eine geöffnete Packung z.B. in einem Waschkeller steht. Also gast da auch etwas aus, auch wenn es nur Duftstoffe sind.

Auch Waschlauge kann ausgasen/ verdunsten. Wer schon mal Kupfer- oder Messingteile in einem Raum betrachtet hat, dessen Bodenablauf ausgetrocknet war und somit die Kanaldämpfe eines Pumpenschachtes in diesen Raum gelangen konnten, wird das bestätigen.
Die ehemals blanken Kupfer und Messingteile bekommen einen graublauen Belag. In Verbindung mit Schwitzwasser können diese Bauteile dann erhebliche Korrosionsschäden erleiden.

Durch die Verbreitung von immer mehr raumluftunabhängigen Feuerungen, treten die Schäden heute, zumindest innerhalb der Brennkammer, nur noch vereinzelt auf.

Ich kann mich erinneren, als in den 80er Jahren die ersten NT- Guss-Gasheizkessel auch mal dauerfristig im Taupunktbereich verharrten, häuften sich Schäden an Kesseln die in z.b. Chemischen Reinigungen, Druckereien, Autowerkstätten etc. installiert waren.
Die Gussblöcke zerfielen regelrecht in Rostpartikel.
Durch das Kondensat im Brennraum in Verbindung mit diesen Halogenverbindungen aus der Verbrennungsluft, bildete sich Salzsäure und u.U. auch Flusssäure. Selbst die Thermoelemente der damals noch üblichen Zündflammengeräte verbrannten regelrecht an der flammenberührten Spitze innerhalb von 6 Monaten.

Gruß haweflo

Verfasser:
WolfK
Zeit: 27.03.2011 19:54:46
0
1513997
Hallo
@mrtux: Das muss aber schon länger her sein, vor 15 Jahren noch hatten viele Substanzen die im Friseursalon zum Färben und Bleichen verwendet wurden die Zusammensetzung einer explodierten Apotheke. Das hat sich gottseidank geändert.
@Eckard
Die Duftstoffe in Waschmitteln sind tatsächlich harmlos, da in erster Linie Ketone und Aldehyde sind meist rein synthetisch wie das erste Parfüm dieser Reihe nämlich Chanel no 5.
Daß schwefelhaltige Faulgase Kupfer angreifen ist Fakt, statt der normalen Schutzschicht bei Kupfer aus basischen Verbindungen bildet sich Kupfersulfid, welches sich dann in Sulfit und sogar Schwefelsäure umwandelt, da Kupfer ein guter Oxydationskatalysator ist. Ich hatte unter der Wasserverteilung auch eine Auffangwanne aus Kupfer, da zuwenig Wasser für das Wasserschloss zu verfügung stand, ist mir diese komplett wegoxidiert.

Gruss Wolfram

Verfasser:
mrtux
Zeit: 27.03.2011 20:16:34
0
1514009
Zu der Zeit gab es noch die D-Mark. Und ich war 23 Jahre Jünger

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