Bürstadt: Brandschaden vom 21. Juni 2009. Foto: BP Solar
In Abstimmung mit dem Gebäudeeigentümer veranlassten die Betreiber, Unternehmen der Tauber-Solar Gruppe, als sicherheitsbedingte Sofortmaßnahme eine Außerbetriebsetzung der gesamten Anlage. Zur weiteren Vermeidung von Sicherheitsrisiken werden seither auch Brandwachen eingesetzt. Der HaustechnikDialog hat über den Brand
hier bereits berichtet. Über die damalige Stellungnahme der BP Solar hat der HaustechnikDialog
hier informiert. Jetzt geben beide Seiten (Tauber-Solar und BP Solar) unterschiedliche Ursachenanalysen bekannt:
BP Solar: Brandursache liegt in fehlerhaftem Anlagendesign sowie mangelhafter Installation und Wartung und nicht in den gelieferten Produkten
„Nach gründlicher Untersuchung des Brandvorfalls am 21. Juni 2009 an der „Sonnenfleck” Solardachanlage in Bürstadt, bei dem 0,2 Prozent der Solarmodule beschädigt wurden, veröffentlichen wir nun unsere ersten technischen Erkenntnisse zur Brandursache.“, sagt Matthijs Bruijnse, Geschäftsführer von BP Solar Deutschland. „Aufgrund von Brandzehrung, Löscharbeiten und anschließenden Aufräumarbeiten gestaltete sich die Ermittlung der Brandursache in den letzten Wochen außerordentlich schwierig. Dennoch haben wir auf dem Dach deutliche Hinweise gefunden, dass nicht die von BP Solar gelieferten Produkte den Brand verursachten, sondern die Brandursache wahrscheinlich auf Planungs-, Anlagendesign-, Projektierungs- und Installationsfehler zurückzuführen ist“, so Bruijnse.
„Im Laufe der Untersuchungen kam es am 30. Juni 2009 im Beisein von Technikern zu zwei weiteren kleinen Bränden, die allerdings von selbst wieder verlöschten. Ähnlich dem ursprünglichen Brandvorfall, ereigneten sich diese Brände in einem bestimmten Installationsbereich. Eindeutige Ursache hierfür waren hervorstehende Metallbügel einer Blitzschutzinstallation, die Teil des ursprünglichen Daches ist und unter den Solarmodulen im Firstbereich verläuft. Dies verstößt gegen unsere Installationsanweisungen und auch gegen anerkannte Branchenpraktiken, da diese Metallbügel gegen die freizuhaltende Rückseitenfolie drückten. Durch Beschädigung der Rückseitenfolie kam es zweimal zu einem Kurzschluss mit anschließendem Schmorbrand.“
Laut Begutachtung durch das von BP Solar beauftragte Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, befanden sich viele dieser Bügel zu dicht an den stromführenden Zellen oder hatten bereits deren rückseitige Isolation beschädigt. Der Experte kommt in seinem Gutachten auch mit Blick auf das Brandspurenbild zu folgendem Schluss: „Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der ursprüngliche Brand durch die Beschädigung eines Moduls durch einen Bügel (…) entstanden ist.“
Darüber hinaus hat BP Solar bei der Inspektion weitere gefährliche Installationsmängel vorgefunden. Was Bruijnse jedoch besonders nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass Tauber-Solar Management trotz mehrfacher Aufforderung keine Betriebsüberwachungsdaten der Anlage für Analysen seitens BP Solar zur Verfügung gestellt hat. Anhand dieser aufgezeichneten Daten der Wechselrichter, die automatisch auf einem lokalen PC gespeichert werden, können Fehler der Anlage rechtzeitig identifiziert werden, so dass eine gezielte Wartung umgehend erfolgen kann. „Es liegt der Verdacht nahe, dass die Wartung nicht angemessen durchgeführt wurde.“, meinte Bruijnse und fügte hinzu: „Wären die Informationen für uns verfügbar gewesen, hätte dies den Untersuchungsprozess zur Brandursache enorm erleichtert.“
Tauber-Solar Management sieht dagegen die Ursache des Brandes in sogenannten „hot spots“ (fehlerhafte elektrische Lötverbindungen). Bruijnse erklärt: „Es ist zwar richtig, dass fehlerhafte elektrische Lötverbindungen zu lokalen Hitzeentwicklungen führen können. Diese fehlerhaften Lötverbindungen können jedoch weder einen Brand am Modul noch an der Unterkonstruktion auslösen. Die 35-jährige Erfahrung von BP Solar hat gezeigt, das es keine Hinweise dafür gibt, dass „hot-spots“ in Laminaten ein Feuer entwickeln könnten.“ Darüber hinaus hat BP Solar das Phänomen der so genannten „hot spots“ zum wiederholten Male nachvollzogen und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Bei der Entstehung von „hot spots“ werden kurzzeitig auf kleiner Fläche Temperaturen von 150° bis 200° C erreicht, ohne dass sich eine Flamme daraus entzünden könnte. Die Intensität und Dauer der Erwärmung ist daher nicht geeignet, das Modul oder die Dachhaut zu entzünden.
Bruijnse unterstreicht: „Unabhängig von der Brandursache haben wir mit Tauber-Solar Management in den letzten Wochen eng zusammen gearbeitet um einen gemeinsamen Kompromiss für den Wiederaufbau und die Wiederinbetriebnahme der Solaranlage zu finden. BP Solars einziges Interesse dabei ist, einen Beitrag zur Sanierung dieses einzigartigen Solardach-Projektes zu leisten – auch im Interesse der vielen Investoren. Wir halten unsere Hand in Richtung Tauber ausgestreckt und sind für Gespräche weiterhin offen.“
Nähere Informationen finden sich
hier im Gutachten der BP Solar.
_____________________________________________________________________
Tauber-Solar: Mangelhafte Solar-Laminate von BP Solar Ursache für den Brand der Photovoltaik-Anlage in Bürstadt
Mehrere Sachverständige haben in der Zwischenzeit die Ursachen des Brandes untersucht. Drei unabhängig voneinander beauftragte, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sind dabei zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass mangelhafte Solar-Laminate von BP Solar ursächlich für den Brand waren. Fehlerhafte elektrische Verbindungen innerhalb der BP Solar-Laminate hätten sogenannte „Hot Spots“ hervorgerufen und zu dem Brand geführt. Der Sachverständige Wiesenhütter äußerte sich wie folgt: „(…) wurden eine Vielzahl Module aufgefunden, welche insbesondere im Bereich der sog. „bus-bar" nachfolgend erläuterte hot-spots aufweisen. (…) Ursache derartiger hot-spots sind in der Regel fehlerhafte elektrische Verbindungen innerhalb des Moduls, welche sich unter den Bedingungen der normalen Nutzung (also hoher Stromfluss durch den String) überdurchschnittlich erwärmen und letztendlich zu einer chemischen Zersetzung der Kunststoffmaterialien der rückseitigen Isolierfolie führen. Im Extremfall können derartige fehlerhafte Verbindungen eine Überhitzung des Moduls mit der Entstehung einer entsprechenden Brandgefahr bewirken. Dem Unterzeichner sind entsprechende Schadenfälle aus der Schadenpraxis bekannt.“ In Anbetracht der eindeutigen Aussagen der Sachverständigen ist es nicht nachvollziehbar, wie BP Solar in ihren öffentlichen Aussagen weiterhin vertreten kann, „Hot Spots“ könnten keine Brandursache gesetzt haben.
Die Sachverständigen warnen davor, dass fehlerhafte Lötstellen in den noch auf dem Dach befindlichen BP Solar-Laminaten neben der aus ihnen resultierenden Brandgefahr auch zu der Übertragung elektrischer Energie in das Modulrahmensystem führen und so eine unmittelbare Personengefährdung hervorrufen können.
Aufgrund der in Bürstadt durchgeführten Untersuchungen ist zu befürchten, dass die auf dem Dach verbauten Laminate der 7er-Serie von BP Solar nicht nur fehlerhafte Lötstellen und elektrische Verbindungen aufweisen. Es zeichnen sich, wie schon bei den von einem Produktrückruf von BP Solar im Jahr 2006/2007 betroffenen und ursprünglich ebenfalls in Bürstadt verwendeten Laminaten der 5er-Serie, weitere Probleme in Hinblick auf Isolationsfestigkeit und Delamination ab.
Trotz mehrfacher Nachfragen von Tauber-Solar hat BP Solar die Unbedenklichkeit der in Bürstadt verbauten BP Solar-Laminate bislang nicht belegt. Öffentlich vertritt BP Solar die Auffassung, der Brand sei unter anderem auf mangelhafte Montage und Installation zurückzuführen. Dies steht im offensichtlichen Widerspruch zu den übereinstimmenden Aussagen der Sachverständigen. Die Sachverständigen haben ausdrücklich bestätigt, dass keinerlei Montage- oder Installationsfehler ursächlich zu dem Brand beigetragen haben können.
„Hot Spots“ sind auch bei weiteren mit BP Solar-Laminaten ausgestatteten Photovoltaikanlagen mit anderen Träger- und Installationssystemen aufgetreten. Dies belegt zusätzlich, dass Installationsfehler nicht brandursächlich gewesen sein können.
BP Solar hat an Konzeption und Planung der Anlage in Bürstadt maßgeblich mitgewirkt und war während der Installationsphase durchgängig überwachend vor Ort. Seit der Inbetriebnahme der Anlage in Bürstadt verfügt BP Solar über einen eigenen Zugang zum überwachenden Datensystem, so dass BP Solar jederzeit die Auswertung und Überwachung der Anlage möglich ist.
Nach aktuellem Kenntnisstand ist nicht auszuschließen, dass BP Solar die Probleme der in Bürstadt verwendeten Laminate im Zusammenhang mit „Hot Spot“-Effekten, Isolationsfehlern und Delamination seit Jahren bekannt ist. Aussagen von Personen, die über unmittelbar eigene Einblicke und Kenntnisse verfügen, legen diesen Schluss sogar nahe. Möglicherweise hat BP Solar die aus der Mangelhaftigkeit der Laminate folgende Brand- und Personengefährdung nicht erkannt, sie fahrlässigerweise außer Acht gelassen oder sie sogar ignoriert.
Tauber-Solar wird sich einer interessen- und verursachungsgerechten Einigung mit allen Beteiligten nicht verschließen. Die Verhandlungen gestalten sich schwierig, weil BP Solar, wie die veröffentlichten Pressemitteilungen zeigen, die eindeutigen Aussagen der Sachverständigen zur Brandursache nicht annimmt. Vorrangiges Ziel von Tauber-Solar bleibt es weiterhin, eine sichere, rasche und interessengerechte Lösung zu finden.
Tauber-Solar Brand in Bürstadt mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" nicht durch Metallbügel verursacht
In Bezug auf von dem Hersteller der Laminate, BP Solar, veröffentlichte Aussagen und ein ihnen zugrunde liegendes Gutachten zur angeblichen Brandursächlichkeit von Metallbügeln einer Blitzschutzinstallation äußert sich ein Sachverständiger: "Hinsichtlich der [...] Schadenursache ist festzustellen, dass dieses hier genannte Problem der Berührung zwischen den Metallbügeln und der Rückseite der darüber montierten Module sicher ein weiteres Problem darstellt, welches jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht brandursächlich war. [...] In einigen Anlagenbereichen existieren die Bügel überhaupt nicht bzw. sind geometrisch anders geformt. Letztendlich sind nur einige Module der oberen Reihen betroffen. Der Ausbruch des Brandes erfolgte jedoch laut den bisherigen Ermittlungsergebnissen am unteren Rand des Modulfeldes. Ein Brandbeginn an einem oberen Modul hätte nach den brandphysikalischen Erkenntnissen nicht innerhalb kürzester Zeit einen Brand an einem der unteren Module entfachen können. Bestenfalls hätte sich das Feuer von unten nach oben ausbreiten können, nicht aber umgekehrt von oben nach unten. Die unter den Modulen vorherrschende warme Luft bewegt sich mit relativ hoher Geschwindigkeit hin zum oberen Rand der Module. Die Entstehung des Brandes am unteren Rand des Modulfeldes deutet vielmehr darauf hin, dass hier im Bereich eines Hot Spots [...] ein Lichtbogen auftrat und in dessen Nähe ausreichend Brandlasten vorhanden waren. [...] Des Weiteren fehlt im Bereich der Bügel schlicht die Brandlast. Allein die rückseitig aufgebrachte Folie genügt hierfür nicht."
Zu in den öffentlichen Erklärungen von BP Solar genannten "weiteren Bränden" führt der Sachverständige aus: "Hinsichtlich der [...] "weiteren Brände" ist festzustellen, dass diese nach dem Kenntnisstand des Unterzeichners ebenfalls nicht auf die vorstehend genannte Montagesituation der Bügel zurück zu führen sind. Vielmehr wurden wohl durch die beauftragte Firma beim erneuten Verlegen der Module deren Anschlussleitung ungünstig verlegt und teilweise verdrückt. Dadurch kam es zu Beschädigungen der Isolation mit der Folge der Bildung von Fehlstellen in der Isolation." Mit dem Hinweis auf das "erneute Verlegen der Module" nimmt der Sachverständige auf Arbeiten nach Abschaltung der Anlage infolge des Brandes Bezug.