Meisterbetriebe, Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern und Ausbaugewerke wie das SHK-Handwerk sind auf MyHammer, dem Online-Portal zur Handwerker-Vermittlung, deutlich unterrepräsentiert. In erster Linie bieten „junge“, nach 2004 gegründete Einzelunternehmen ihre Dienste auf der Plattform an. Fast 96 Prozent aller deutschen Handwerksunternehmen sind hingegen „MyHammer-abstinent“.
Digitaler Boom? In den letzten drei Jahren hat sich die Anzahl der jährlich neu registrierten Handwerker auf MyHammer deutlich erhöht. Grafik: ifh
Ein Vergleich von Mitarbeiterzahl, Rechtsform und Qualifikation der Handwerksunternehmen auf MyHammer (Stichprobe) mit der gesamten Handwerkerschaft. Grafik: ifh
Wie
im ersten Beitrag zu diesem Thema bereits beschrieben, bieten Online-Plattformen wie MyHammer durchaus gute Chancen für das Handwerk. Dessen ungeachtet nutzen derzeit gerade einmal ca. 4,2 Prozent (in Zahlen etwa 25.000) der deutschen Handwerksunternehmen diese digitale Vertriebsform. Warum die „restlichen“ 96 Prozent die Dienste MyHammers bis dato nicht nutzen, konnte die aktuelle Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh), nicht ermitteln. Die qualifizierten Fachhandwerker, die sich nicht beteiligen, kennen die Gründe dafür umso besser…
Welche Unternehmen aber bieten ihre Leistungen auf der Plattform an?
Die Studie listet einige Merkmale der auf MyHammer aktiven Handwerker:
- „Die geographische Verteilung der Unternehmen auf MyHammer ähnelt der Verteilung aller deutschen Handwerksunternehmen.
- Es sind überproportional häufig Soloselbstständige, die als Einzelunternehmen organisiert sind.
- Es sind hauptsächlich jüngere Betriebe, wovon 88 Prozent nach 2004, dem Jahr der Handwerksreform, gegründet worden sind.
- Es handelt sich um Betriebe, deren Inhaber eine verhältnismäßig geringe Qualifikation aufweisen. Der Anteil an Meisterbetrieben beträgt 21 Prozent. Zwei Prozent sind als Ausbildungsbetriebe klassifiziert.“
Ausbaugewerke, wie Heizung, Sanitär und Elektro, sind mit 26 Prozent auf MyHammer deutlich unterrepräsentiert. Ihr Anteil im deutschen Handwerk insgesamt liegt bei 40 Prozent.
„Junge“ Einzelkämpfer und digitaler Boom
Mit über 80 Prozent bilden Ein-Mann-Betriebe und solche mit zwei bis vier tätigen Personen den Löwenanteil der MyHammer-Handwerker. Diesem Befund entspricht auch deren Rechtsform: Genau 79 Prozent firmieren als Einzelunternehmen, nur zehn Prozent als GmbH. Aufgrund dieser „kleinen“ Betriebsgrößen ist es nachvollziehbar, dass MyHammer in erster Linie den Bedarf (privater) „Kleinkunden“ deckt. Für größere Aufträge hingegen, beispielsweise von der Industrie oder der öffentlichen Hand, eignet sich die Plattform augenscheinlich weniger.
Solo-Selbstständige ohne Meisterbrief nutzen laut der Studie die MyHammer-Plattform, um mit etablierten Handwerksunternehmen zu konkurrieren und sich am Markt zu etablieren. Gewisse Befürchtungen, der harte Preiswettbewerb und die Kundenbewertungen führten zu einem prekären Unternehmertum, kann die Studie nicht bestätigen. Gleichwohl sei es jedoch plausibel, dass der härtere Wettbewerb zu sinkenden Preisen, Löhnen und Gewinnen führt bei gleichzeitig steigender Arbeitsbelastung.
Auffällig ist das Alter der registrierten Unternehmen. 88 Prozent sind nach 2004 gegründet worden, also nach der Handwerksreform. Das ist ein deutlicher Kontrast zur gesamten Handwerkerschaft, in der 28 Prozent der Betriebe jünger als zwölf Jahre sind.
Seit 2013 kommt der digitalisierte Vertrieb auf MyHammer deutlich in Fahrt. In den Jahren davor belief sich die Anzahl der jährlich neu registrierten Handwerker auf unter 2.000. Die letzten drei Jahre hingegen explodierte diese Zahl auf jährlich sechs- bis achttausend neue Unternehmen.
In der nächsten Folge geht es um die Frage, welche Handwerksbetriebe auf MyHammer erfolgreich sind.
Und
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