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News vom 31.07.2019

Themenserie Brandschutz Teil 7

Löschmittelzylinder – in Schaltschränken integrierter Brandschutz

Systeme, die automatisiert Brände bekämpfen, befinden sich (fast) immer in gebührendem Abstand zu einer potenziellen Brandquelle – so auch Sprinkler. Es gibt allerdings Lösungen, die sich direkt dort befinden, wo ein Brand entstehen könnte, um diesen von vornherein einzudämmen. Das sind insbesondere bautechnische Komponenten, die große Energieflüsse koppeln, etwa Schaltschränke. Solche Lösungen nennt man auch Löschmittelzylinder.

Löschzylinder sind sehr handlich und lassen sich nahezu in jedem Schaltschrank installieren. <br />Bild: Multicomsystem
Löschzylinder sind sehr handlich und lassen sich nahezu in jedem Schaltschrank installieren.
Bild: Multicomsystem

Diese Mini-Feuerlöscheinheiten werden direkt in die Schaltschränke eingebaut. Sie sind mit einem eigenen Brand- und Rauchmeldesystem ausgestattet, das auf Temperaturüberschreitungen an Ort und Stelle reagiert, wenn Gefahr durch Feuer droht. So wird der Brand direkt am Ort des Geschehens bekämpft und kann sich nicht ausbreiten.

Funktionsprinzip wie beim Sprinkler

Das Auslösesystem ist das gleiche wie bei einem Sprinkler. Eine Ampulle (immer mit einer Zulassung der VdS Schadenverhütung) verschließt die Leitungen zum Löschmittel. Wird eine bestimmte Temperatur überschritten, zerplatzt die Ampulle und gibt die Leitungen frei.

Im Gegensatz zu Sprinklern, die meist mit Wasser arbeiten, kommt bei den Löschmittelzylindern ein Löschmittel zum Einsatz, das gasförmig oder flüssig sein kann. Das ist bedingt durch den vorrangigen Einsatz dieser Lösungen in elektrischen Anlagen. Wasser würde hier kontraproduktiv wirken. Die Löschmittel hingegen sind nichtleitend und – wichtig für den nachfolgenden Einsatz von Feuerwehren – ungiftig. Zudem weisen sie keinerlei Umweltschädlichkeit auf und wirken auch nicht korrosiv auf ihre Umgebung.

Das Ganze funktioniert wie folgt: Zerplatzt die Ampulle, strömt die Flüssigkeit aus, geht in den gasförmigen Zustand über und bildet mit der Luft ein Gemisch, das eine höhere Wärmekapazität hat als die Luft selbst. Dadurch kann das Gemisch mehr Wärme aufnehmen als die Luft. Das wiederum ermöglicht es, dem Feuer sehr viel Wärme zu entziehen und sofort an die Umgebung abzugeben. Das Feuer kühlt dadurch ab und erlischt schließlich.

Frühwarnung möglich

Die Zylinder können auch mit einem Warnsystem ausgestattet werden. Dieses warnt vor einem Brand und macht es so möglich, die Stromzuführung zu den gefährdeten Komponenten zu unterbrechen.

Wie wichtig solche Lösungen sind, kann man anhand der reinen Unfallzahlen ermitteln. Die Firma Muticomsystem, einer der Hersteller solcher Zylinder, gibt dazu, gestützt auf die VdS und ihre Schwesterorganisation NFPA in den USA, folgendes an:

  • 30 % aller Brände durch Elektrizität verursacht
  • Alle 5 Minuten Brand in einer Firma mit Hauptursache Elektrik
  • Über 2.200 Tote allein in den USA aufgrund von Bränden in elektrischen Geräten (Industrie und Privathaushalte zusammen)
  • Größtes Risiko für Betriebsunterbrechungen
  • Über 20 % der Kosten von Brandschäden durch elektrische Geräte verursacht

Die Löschmittelzylinder sind durch ihre geringe Größe von etwa 5 mm Durchmesser und bis zu 40 mm Länge problemlos in Schaltschränke oder andere Komponenten integrierbar.

Der letzte Teil der Themenserie am 02.08.2019 wird einige Praxisbeispiel für vorbildliche Brand- und Rauchwarn- sowie automatisierte Löschsysteme zeigen.

Bisher erschienen:
1Wie sieht die rechtliche Lage zum Brandschutz aus?
2. Welche Komponenten gehören zum Brandschutz in einer Immobilie und wie funktionieren sie?
3. Wo und wann sind Sprinkleranlagen anzubringen? 
4. Wohin gehören Entrauchungssysteme und welche Varianten gibt es dafür?
5. Wie lassen sich Brandschutzkomponenten weitgehend automatisiert betreiben?
6. Wie müssen Brandschutzkomponenten in Wohnungen mit Pflegefunktionen installiert werden?
7. Löschmittelzylinder – in Schaltschränken integrierter Brandschutz

Demächst erscheint:

8. Praxisbeispiele von vorbildlich installierten Brandschutzkomponenten

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