Nachhaltiges Bauen ist ein Trend, dem sich auf Dauer niemand entziehen wird. Das liegt nicht nur am Zeitgeist, der gern (und in diesem Fall vernünftigerweise) alles sammeln und recyceln möchte – auch schon mal benutzte Baumaterialien. Grund sind vor allem auch gesetzliche Zwänge. Denn wenn Gebäude nach dem CO2-Potenzial der verwendeten Baumaterialien eingestuft und besteuert werden, dann ist Nachhaltigkeit ganz einfach aus ökonomischer Sicht vernünftiger. Deswegen wird sich eine ganze Serie bei HaustechnikDialog diesem Thema widmen.
Das Holzhochhaus SKAIO in Heilbronn erhielt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur und ist ein Pionier für den nachhaltigen Holzbau in Deutschland.
Foto: Höfele
Aktuell kommt noch ein weiterer Umstand hinzu: Baumaterialien, allen voran dummerweise der alternative und nachhaltige Baustoff Nummer Eins, das liebe Holz, sind knapp und teuer. Auch das wird die Suche nach Alternativen beschleunigen. Das können regionale Baustoffe sein, weil die nicht ewig lang transportiert werden müssen. Es können ebenso biologische Dämmstoffe sein wie Stroh, Hanf oder andere Pflanzen vom Acker um die Ecke.
Diese Umorientierung ist bitter nötig. Denn Bauen und Wohnen, so eine Schätzung des Instituts Bauen und Umwelt (IBU) verbrauchen die Hälfte der weltweiten Ressourcen und sind für einen Großteil des Energiebedarfs verantwortlich. Das wiederum bedingt den hohen Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen in diesem Bereich. Nicht umsonst war es gerade der Bereich Bauen und Wohnen, der es trotz Corona 2020 nicht geschafft hat, die Klimaziele zu erreichen.
Was ist nun eigentlich nachhaltiges Bauen?
Genau der CO2-Fußabdruck ist sowohl für die Auswahl der Baumaterialien als auch der verwendeten Baumethoden grundlegend. Deswegen können nachhaltige Bauten nur mit Material gebaut werden, das diese drei Grundanforderungen erfüllt:
- Aus Natur gewinnbar und in jedem Fall recycelbar
- Behandlung (etwa mit Chemikalien) und Verbindung des Materials mit anderen (Verbundstoffe) darf Recyceln nicht erschweren oder gar verhindern
- Regionaler Bezug von Material zu Bauwerk und dadurch kurze Transportwege
Das lenkt den Fokus auf nachwachsende Rohstoffe. Diese lassen sich meist regional gewinnen, ohne aufwendige Behandlung als Baumaterial gestalten und auch am Bau verwenden. Sie erfüllen also meist alle der drei Bedingungen, die man an nachhaltige Materialien stellt. Im Teil 3 dieser Serie zeigen wir, welche Baustoffe für welche Gebäudeteile in Frage kommen.
Beton oft unvermeidbar, aber gut kombinierbar
Doch das wirft mehr Fragen auf, als es löst. Denn mit solchen Baustoffen kann man keine Hochhäuser bauen. Hier braucht es aufgrund der nötigen Stabilität, Schwingungsfestigkeit oder Formbarkeit Beton, am besten Stahlbeton. Nur verursacht dessen Herstellung dummerweise jede Menge CO2 (das gilt sowohl für den Zement als auch für den Stahl), während ja biogene Baustoffe sogar welches binden (jedenfalls so lange sie immer wieder recycelt und nicht verbrannt werden).
Hier hat sich in der Praxis eine ganz pragmatische Lösung durchgesetzt, die wir in Teil 4 dieser Serie behandeln werden. Holzbauten sind zwar fast komplett aus Holz, aber eben nur fast. Im Inneren befindet sich ein Stahlbetonkern, der sich idealerweise gleich als Schacht für Medienleitungen und Fahrstühle eignet, während alles andere aus Holz ist. Das ist sowohl nachhaltig als auch sicher. Im Teil 5 gehen wir auf Zertifikate ein, die für nachhaltiges Bauen ausgestellt werden – und die genau solche Lösungen mit einbeziehen.
Im zweiten Teil der Serie am 04.08.2021 geht es darum, wie man ein nachhaltiges Bauwerk plant. Denn der Aufwand ist hier deutlich höher als bei konventionellen Bauweisen.
Unsere Serie zum nachhaltigen Bauen umfasst folgende Teile:
1. Was ist nachhaltiges Bauen?
2. Wie plant man ein nachhaltiges Bauwerk?
3. Welche Baustoffe kommen für nachhaltiges Bauen in Frage?
4. Welche Baumethoden eignen sich für nachhaltiges Bauen?
5. Welche Zertifikate gibt es für nachhaltiges Bauen und was muss man dafür erfüllen?
6. Wie können sich Planer und Handwerker für nachhaltiges Bauen qualifizieren?
7. Kostet nachhaltiges Bauen mehr als konventionelles Bauen?
8. Welche Vorteile bietet nachhaltiges Bauen für die Nutzer einer Immobilie?
9. Praxisbeispiele für nachhaltiges Bauen: Wohngebäude
10. Praxisbeispiel für nachhaltiges Bauen: Nichtwohngebäude
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Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.