Die Wärmepumpe ist politisch gewollt und erlebt auch aufgrund hoher Gas- und Ölpreise einen Boom. Der soll nachhaltig sein. Deswegen trafen sich letzten Sommer Politik, Industrie und Handwerk zum Wärmepumpengipfel. Denn dem weiteren Hochlauf stehen Handwerkermangel und Lieferengpässe entgegen. Diese Hürden sollen nun mit politischer Hilfe ausgeräumt werden.
Es mangelt nicht nur an geeigneten Handwerkern, sondern die Installation einer Wärmepumpe braucht auch länger als die eines Brennwertegerätes.
Bild: ZVSHK Zunächst zu den Handwerkern. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes ZVSHK, Helmut Bramann, schätzte Anfang 2022 ein, dass maximal 15 % aller SHK-Handwerker überhaupt in der Lage sind, eine Wärmepumpe fachgerecht einzubauen.
Tatsächlich ist die Installation deutlich aufwendiger als etwa die einer Gas-Brennwerttherme. Die Hydraulik ist aufwendiger einzubinden, Elektrik und Elektronik müssen ebenso beachtet werden wie der richtige Umgang mit den nötigen Kältemitteln. Das führt letztlich dazu, dass der Einbau einer Wärmepumpe etwa zweieinhalb Tage dauert, der einer Gas-Brennwerttherme nur einen Tag. Und: In den kommenden Jahren scheiden viele SHK-Handwerker aus dem Berufsleben aus. Das trifft auf ein deutlich mangelndes Interesse bei den freien Ausbildungsplätzen in diesem für die Energie- und Wärmewende unverzichtbaren Handwerk. Und von denen, die anfangen, brechen nach ZVSHK-Angaben 35 % die Lehre wieder ab.
Bramann nannte gegenüber der Deutschen Handwerkerzeitung einen Bedarf an zusätzlich 60.000 Monteuren, sollen bis 2030 gut 6 Millionen Wärmepumpen verbaut werden. Gleichzeitig sieht er Lieferprobleme, weil die Nachfrage sprunghaft ansteige. Doch dazu gleich mehr. Und: Er sieht Nachholbedarf auf technischer Seite, also bei der Ausbildung der Handwerker. Gleichzeitig müsse man den Handerkern erklären, dass die Wärmepumpe ein gutes Geschäftsmodell sei. Dafür habe der ZVSHK zusammen mit dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP) eine Schulung aufgestellt, die genau diese beiden Aspekte, den technischen und den wirtschaftlichen, zum Inhalt habe.
Weiteres Potenzial sieht Bramann in der Verkürzung der Montagezeiten, wobei er auch die Industrie in der Pflicht sieht. Sie müsste also Geräte produzieren, die sich einfacher installieren lassen. Und: Der ZVSHK will ein nationales Kompetenzzentrum zur Fachkräftestärkung klimaschutzrelevanter Handwerke initiieren sowie die Zusammenarbeit mit dem Elektrohandwerk und anderen Gewerken, die mit der Wärmepumpe verbunden sind, stärken. Dazu wurde bereits 2022 eine Verbändevereinbarung zwischen den Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerken sowie den Elektrohandwerken unterzeichnet. Sie soll ein gewerkeübergreifendes Arbeiten bei Sicherstellung der hohen Qualifikationsanforderungen sicherstellen.
Als Hindernisse gelten auch die langen Bearbeitungszeiten beim Fördermittelgeber BAFA und die fehlenden Kapazitäten bei den Herstellern. Wärmepumpen sind eher eine skandinavische oder ostasiatische Spezialität. Deutschland musste diesen Markt erst entwickeln, abgesehen von wenigen Herstellern wie Stiebel Eltron, die schon seit Jahrzehnten Wärmepumpen bauen. Der Hersteller aus Holzminden hat seit 2019 seine Kapazitäten in der Wärmepumpenproduktion verdreifacht.
Derzeit beschäftigt die gesamte Branche nach Angaben des BWP rund 26.000 Personen. Der Jahresumsatz liegt bei 2,8 Milliarden Euro. 1,4 Million Kunden heizen in Deutschland mit Wärmepumpen. Doch schon 2024 sollen 500.000 Wärmepumpen verbaut werden, mehr als eine Verdoppelung der 2022er Zahlen. Im Januar 2023 schlug der BWP denn auch Alarm. Dieses Ziel sei zwar zu schaffen, doch brauche es dafür eines besseren politischen Rahmens.
„Die Industrie geht momentan massiv in Vorleistung. Die Unternehmen investieren in die Erweiterung von Fertigungskapazitäten, in neue Werke und neue Arbeitsplätze“, so BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Jetzt sei die Politik am Zug: Die Industrie brauche für den weiteren Ausbau der Kapazitäten verlässliche Rahmenbedingungen und industriepolitische Unterstützung. Als besonderes Hindernis sieht er die Preisbremsen für gasförmige, flüssige und feste Brennstoffe, von denen auch fossile Energieträger profitierten, nicht jedoch der Strom, der zum Betrieb einer Wärmepumpe notwendig ist.
Als positiv bewertet wird hingegen die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Hier würde die Wärmepumpe profitieren, da dann alle neu installierten Heiztechnologien auf 65 % erneuerbaren Energien beruhen müssen.
„Das Fachhandwerk macht momentan eine beachtliche Entwicklung durch. Das Interesse von Handwerkern am Einbau von Wärmepumpen ist groß, die Fortbildungsangebote der Hersteller und Innungen werden stark nachgefragt. Diese Entwicklung muss durch eine klare Perspektive verstetigt werden“, bezieht sich Sabel auch aufs Handwerk.
Die Politik solle auch auf einen fairen Wettbewerb achten. In den USA würden dortige Hersteller mit dem Inflation Reduction Act stark subventioniert, deren Produkte könnten entsprechend günstiger in den deutschen Markt gelangen. Für die Wärmewende an sich wäre das aber kein Problem.
Der nächste Teil unserer Serie betrachtet die technischen Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Einsatz von Wärmepumpen.
Unsere Serie zur Wärmepumpe umfasst folgende Teile:
13.02.2023: Die Wärmepumpe – politisch gestützt, ökonomisch häufig sinnvoll 15.02.2023: Arten der Wärmepumpen und Marktanteile in Deutschland 17.02.2023: Aktuelle Marktlage von Wärmepumpen mit Handwerkermangel und Lieferengpässen 20.02.2023: Technische Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Einsatz von Wärmepumpen 22.02.2023: Luft-Wasser-Wärmepumpen und ihre Anwendungsbereiche 24.02.2023: Wasser-Wasser-Wärmepumpen und ihre Anwendungen 27.02.2023: Geothermische Systeme und ihre Anwendungen 01.03.2023: Wann sind Hybridsysteme mit Wärmepumpen sinnvoll 03.03.2023: Wärmepumpen in Nahwärmenetzen 06.03.2023: Förderungen für Wärmepumpen 08.03.2023: Praxisbeispiele: Einsatz von Wärmepumpen in eher ungewöhnlichen Objekten ________________________________________
Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.