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Balkone nachrüsten: Vorteile, Nutzungsmöglichkeiten und Vorgehensweise im Überblick
Ein Gebäude nachträglich mit einem Balkon auszustatten, klingt anfänglich komplizierter, als es ist. Zunächst gilt es, sich mit den unterschiedlichen Balkonkonstruktionen auseinanderzusetzen und eine Entscheidung zur Art der Balkonnachrüstung zu treffen. Dem voraus geht bei Einfamilienhäusern die Überlegung, an welcher Stelle der bestehende Wohnraum durch einen Balkon erweitert werden soll. Dieses Porträt beleuchtet, was bei einer Balkonnachrüstung zu beachten ist, wie sie zweckmäßig genutzt werden kann und wie sich das Projekt in die Praxis umsetzen lässt.
Vorbereitende Überlegung: Wo ist die beste Position für den Balkon?
Die Art der Balkonnutzung nimmt Einfluss auf den Ort, an dem der Balkon künftig die Immobilienfassade schmücken wird. Wer Ruhe schätzt, wählt den Zugang an einer Hausseite, die der Straße abgewandt ist. Besteht der Wunsch, den Balkon zur Energiegewinnung mit einem Balkonkraftwerk auszustatten, ist ein sonnenreicher Ort in südlicher Himmelsrichtung gefragt. Hier lassen sich ebenso Pflanzen, die viel Licht und Wärme benötigen, sehr gut kultivieren. Beim Wunsch nach entspannten Abenden im Licht der untergehenden Sonne können Räume im Bereich der Westfassade mit einem Balkon verbunden werden. Für einen besonders hohen Einfall an Tageslicht bzw. bei Mehrfamilienhäusern ist der Dachbalkon eine passende Wahl.

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Weitere Nutzungsmöglichkeiten eines Balkons sind:
- Loungebereich, Grilloase und erweiterter Wohnraum für Festivitäten (im Winter mit Heizstrahler nutzbar)
- Verlagerung des Homeoffice an die frische Luft (fördert die Konzentration und verbessert Arbeitsergebnisse)
- Trocknung von Wäsche (z. B. wenn kein Hauswirtschaftsraum oder externer Wäscheplatz existiert)
- Raucherinsel (vermeidet in Wohnungen durch Nikotin vergilbte Wände und verbessert die räumliche Atemluft)
Vorteile eines nachträglichen Balkonanbaus für Immobilieneigentümer
Immobilien, die bislang ohne einen Balkon auskamen, profitieren durch die Balkonnachrüstung in besonders hohem Maße von einer deutlichen Wertsteigerung. Den Marktwert des Gebäudes auf diese Weise zu erhöhen, ist ebenfalls für Kapitalanleger und Vermieter interessant. Unter Beachtung des örtlichen Mietspiegels kann eine Mieterhöhung in gewissem Umfang mit der Nachrüstung eines Balkons begründet werden. In einigen Fällen ist es denkbar, für den Balkonanbau eine staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen. Mit dieser lassen sich die Investitionskosten für die Nachrüstung minimieren.
Rechtliches vorab: Einholen einer Baugenehmigung für die Nachrüstung eines Balkons
Um sich später keinen Ärger einzuhandeln, ist es wichtig, rechtliche Fragen vor der Balkonnachrüstung zu klären. Dies gilt für Ein- und Mehrfamilienhäuser.
Im Baurecht ist der Balkon eine erhöhte Plattform. Wie diese gesetzlich genau behandelt wird, orientiert sich an den baurechtlichen Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes. Für die Baugenehmigung ist die zuständige Bauaufsichtsbehörde der richtige Ansprechpartner. Ob eine Baugenehmigung in der Praxis benötigt wird, regelt das Baurecht der Länder unter anderem auf Basis der geplanten Balkonnutzungsfläche.
Tragfähigkeit und Statik
Die Substanz des Mauerwerks muss sich in einem so guten Zustand befinden, dass sie die Balkonlast trägt. Je nach Balkonart kann es dabei erforderlich werden, den Statiker hinzuzuziehen. Beim Berechnen der Traglast ist es entscheidend, die unterschiedlichen Materialgewichtsklassen zu berücksichtigen.
Nachbarschaftsrecht
Nachbarn dürfen durch die Balkonnachrüstung nicht beeinträchtigt werden. Größe und Position sind so zu wählen, dass der Balkon nachbarschaftliche Bereiche nicht verschattet, keinen Ausblick verbaut und die Privatsphäre der Nachbarn nicht beschneidet. Es empfiehlt sich, vor der Balkonnachrüstung das Gespräch mit den Nachbarn zu suchen.
Eigentümergemeinschaften
Bei Eigentümergemeinschaften greift zusätzlich das WEG-Recht. Da mit der Balkonnachrüstung eine optische Veränderung der Fassade einhergeht und diese Gemeinschaftseigentum darstellt, ist bei einer WEG über den nachträglichen Anbau abzustimmen.
Brandschutz
Auch von einem Balkon aus muss im Falle eines Brandes ein Fluchtweg gegeben sein. Bei sehr großen Balkonen kann es daher erforderlich werden, zusätzlich eine Brandschutztreppe zu errichten. Weiterhin ist es wichtig, den Balkon so zu konstruieren, dass ihn die Feuerwehr mit der Leiter problemlos erreicht. Bei der Entscheidung für Balkonmaterialien empfiehlt es sich, schwer entflammbare Materialien wie beispielsweise HPL-Platten der Brandschutzklasse F zu wählen.
Balkonnachrüstung: Welcher Balkontyp darf es sein?
Grundsätzlich werden folgende Balkontypen unterschieden:
- Hängebalkon
- Vorstellbalkon
- Anlehnbalkon
- Eckbalkon
- Dachbalkon
- Nischenbalkon (befestigt an Vorsprüngen)
- Loggiabalkon (mit drei geschlossenen Seiten)
Eine Balkonnachrüstung kann mit einem Bausatz oder per Eigenkonstruktion erfolgen. Ist es geplant, den Balkon hauptsächlich für ein Balkonkraftwerk zur kostengünstigen Energiegewinnung zu nutzen, sollte dies bereits bei der Gestaltung der Balkonaußenwand berücksichtigt werden. Diese muss so stabil sein, dass sie die Solarmodule trägt.
Fassadenbalkon nachrüsten
Hängebalkone sind eine freitragende Balkonlösung für die Fassade, die ohne Stützen auskommt. Sie eignet sich für Bereiche, in denen sich Stützen als ungünstig erweisen. Dies ist beispielsweise bei einer darunter befindlichen Garageneinfahrt der Fall. Hierbei wird der Balkonträger in der Fassade fest verankert. Alternativ ist eine unsichtbare Integration des Trägers in einer massiven Geschossdecke denkbar.
Für Vorstellbalkone werden Stützen benötigt. Sie entlasten das Mauerwerk, erfordern keine statischen Überlegungen (Kostenfaktor Statiker) und lassen sich leicht nachrüsten. Anlehnbalkone machen sich eine weitere, im rechten Winkel platzierte Gebäudefassade zunutze. Eckbalkone (meist freihängend) bedürfen einer sorgfältigen Konzeption, da hiervon zwei Fassadenteile betroffen sind.
Nachrüstanleitung:
1. Erhält der Balkon Stützen, sind hierfür zunächst zwei Fundamente anzulegen. Der Mörtel kann selbst angemischt oder als Fertigmörtel gekauft werden. Gleichzeitig wird ein Hartschaumstück einbetoniert. In diesem findet ein Stützen-Stahlfuß Platz.
2. Nun können die Eckpfosten entlang der Fassade ausgerichtet werden. Streben halten die Pfosten, während der Stahlfuß einbetoniert wird. Für die Verbindung der Pfosten mit der Fassade kommen Konsolwinkel und Bolzenschrauben zum Einsatz.
3. Anschließend gilt es, die Stützen an der Hauswand zu befestigen. Die mit ihnen verschraubten Balkenschuhe halten die Tragebalken zwischen den beiden Eckpfosten.
4. Für die Errichtung des Balkonbodens empfiehlt sich die Verwendung sehr starker Balken. Sie werden mit Stahlwinkeln montiert und auf dem Träger quer platziert. Hierbei ist die Pfostensicherung der beiden Außenbalken mithilfe von Balkenschuhen zu berücksichtigen.
5. Verzinkte Stahldrähte werden anschließend diagonal mit Ankern gespannt. Sie dienen der Sicherung des Konstrukts.
6. Nun ist es Zeit für die Montage des Geländers. Mithilfe von Laschen aus Stahlblech werden zunächst die Pfosten auf der Konstruktion installiert. Schlossschrauben befestigen den Handlauf. Im Anschluss sind die Geländerflächen mittels Pfostenbohrungen zu montieren.
7. In einem letzten Schritt erhält der Balkon einen Bretter- oder Fliesenboden.
Dachbalkon nachrüsten
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Bei Dachbalkonen wird der Balkon in einen Dachausschnitt integriert. Schräge Dachfenster dienen hierbei gleichzeitig als Austritt auf den Balkon. Eine andere Variante ist die Nutzung von Klappschwingfenstern in Verbindung mit einer senkrechten Fensterfront als Balkontür.
Nachrüstanleitung:
1. Wird der Balkon nicht in Verbindung mit einem klassischen Dachfenster errichtet, ist zunächst eine Dachöffnung anzulegen (Dachstatik beachten!).
2. Anschließend werden die Fensterrahmen einmal schräg im Dach und für den Austritt einmal senkrecht in die Unterkonstruktion integriert. Hierbei sind eine präzise Ausrichtung und eine solide Verschraubung der Rahmen unerlässlich.
3. Nun gilt es, die Fensterflügel in den jeweils für sie passenden Fensterrahmen einzusetzen.
4. Die Balkonfläche wird in das Innere des Dachbodens hineingebaut. Besonders wichtig ist hierbei die perfekte Abdichtung, um eine Durchfeuchtung der Immobilie zu vermeiden.
5. Als Balkonbrüstung dient ein Geländer. Dieses wird an den Fensterelementen außen montiert und ist - wie auch bei einem Fassadenbalkon - nach individuellen Wünschen gestaltbar.
Vielfältige Designvariationen bei Dachbalkonen
Dachbalkone bieten ein großes Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten. Während bei einem kleinen Dachbalkon nur ein einzelnes Dachfenster benötigt wird, werden bei größeren Balkonflächen mehrere Dachfenster miteinander verbunden. Des Weiteren ist die senkrechte Fensterfront keineswegs obligatorisch. Entgegen der Integration eines Schrägfensters ermöglicht sie es allerdings, den Platz im Inneren des Gebäudes optimal zu nutzen.
Balkon nachrüsten und Förderung in Anspruch nehmen
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet ein Förderprogramm für die Errichtung von Balkonen. Voraussetzung dafür ist, dass der Übergang zum Balkon schwellenlos ist. Weiterhin muss er über einen Bodenbelag mit rutschhemmenden Eigenschaften verfügen. Ziel der Förderung ist die Reduzierung von Barrieren. Durch das Förderprogramm der KfW kann ein zinsgünstiger Förderkredit in Aussicht stehen.