Die Strompreise auf dem Energiemarkt sinken nach dem Höhepunkt der Energiekrise im Winter 2022 erstmalig auf ein niedriges Niveau. Trotz dieser positiven Trendentwicklung fallen die Stromkosten für Bestandskunden weiterhin hoch aus. In einem Neukundentarif profitieren Verbraucher jährlich von einem Sparpotenzial im dreistelligen Bereich. Wie Sie bei einem Wechsel des Stromanbieters vorgehen sollten und worauf es bei der Tarifwahl zu achten gilt, erfahren Sie hier.
Bild: pixabay / AlexanderStein Stromtarif online vergleichen – darauf sollten Verbraucher achten
In Deutschland stehen mehrere tausend Stromtarife bei zahlreichen Anbietern zur Auswahl. Um bei diesem breit gefächerten Angebot den besten Stromtarif zu finden, ist es ratsam, vorab einen kostenlosen und unverbindlichen Stromvergleich durchzuführen. Ein Onlinevergleich liefert auf der Basis des jährlichen Stromverbrauchs in Kilowattstunden (kWh) eine Übersicht über die günstigsten Stromanbieter im jeweiligen Postleitzahlgebiet. Grundsätzlich gilt es bei einem Stromvergleich neben dem Preis und die sich daraus ergebene Ersparnis gegenüber dem aktuellen Vertrag, auch auf die Vertragsbedingungen zu achten. In erster Linie sollte der neue Energievertrag an eine kurze Mindestlaufzeit von zwölf Monaten gebunden sein. Somit ergibt sich ein hohes Maß an Flexibilität, wodurch Sie auf Preisschwankungen und Marktveränderungen zeitnah reagieren können. Das Gleiche gilt für die Kündigungsfrist, welche nicht länger als einen Monat betragen sollte.
Darüber hinaus ist die Tarifform ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Stromanbieters. Grundsätzlich sollten Sie von Stromtarifen mit Vorkasse oder Kautionszahlungen Abstand nehmen. Bei der Kaution, auch Sonderabschlag genannt, handelt es sich um einen einmalig an den Stromversorger zu zahlenden Betrag, der mehrere hundert Euro betragen kann. Obwohl diese Tarife oftmals an attraktive Preisnachlässe gebunden sind, überwiegen bei dieser Variante die Nachteile. Ob und in welchem Rahmen eine Rückerstattung der Kautionssumme zum Vertragsende erfolgt, hängt vom Stromverbrauch ab. Häufig kommt es bei der Rückerstattung zu Problemen, wodurch Verbraucherschützer Kautionsverträgen kritisch gegenüberstehen. Hinzukommt, dass Geschäftspraktiken wie Vorauszahlung und Kaution auf finanzielle Notlagen des Versorgungsunternehmens hindeuten können. Kommt es wider Erwarten zu einer Insolvenz, ist die Kaution verloren.
Zum Schutz vor unerwarteten Strompreiserhöhungen sollten Stromversorger mit Preisgarantie bei der Anbieterwahl im Vordergrund stehen. Mit einer vertraglich festgelegten Preisdeckelung bleibt der Strompreis über einen bestimmten Zeitraum stabil. Oftmals beträgt der Zeitrahmen, in dem der Energieversorger keine Preiserhöhungen veranschlagen kann, zwölf Monate. Eine Preisgarantie berücksichtigt alle Strompreisbestandteile inklusive Abgaben, Steuern und Umlagen. Anders sieht es bei einer eingeschränkten Preisgarantie aus, bei der ausschließlich die Netzentgelte sowie die Energiebeschaffungskosten abgedeckt sind. In jedem Fall bietet eine Preisgarantie Planungssicherheit und gewährleistet eine günstige Stromversorgung in Zeiten von steigenden Preisen und hohen Lebenshaltungskosten.
Regionale oder überregionale Stromversorger – was ist besser?
Grundsätzlich hängt die Wahl des Stromanbieters von den persönlichen Ansprüchen ab. Viele Stromkunden legen Wert auf regionale Verbundenheit und Kundennähe bei einem Energieversorger vor Ort. In diesem Fall kommen regionale Grundversorger wie die Stadtwerke oder Bürgerenergiegenossenschaften infrage. Lokale Stromversorger heben sich in erster Linie durch einen persönlichen Kundenservice und Beratungsdienstleistungen vor Ort von der überregionalen Konkurrenz ab. Gleichzeitig punkten regionale Anbieter durch gesellschaftliches Engagement in Form von sozialen Projekten. Allerdings siedeln sich die Preise von ortsnahen Stromlieferanten oftmals in einem gehobenen Segment an. In dieser Hinsicht haben überregionale Anbieter mit günstigen Tarifen die Nase vorn. Die attraktiven Konditionen sind im Wesentlichen auf den großen Kundenstamm der Unternehmen zurückzuführen. Ein weiterer Pluspunkt ist das oftmals vielschichtige Angebot an Dienstleistungen. Neben den Kostenvorteilen sind überregionale Stromanbieter oftmals eine gute Wahl, wenn in Ihrem Gebiet keine große Auswahl an lokalen Versorgern zur Verfügung steht.
Günstige Ökostromtarife als Alternative zu Normalstrom
Die Nutzung von erneuerbaren Energien gewinnt im Zuge der Energiewende zunehmend an Wichtigkeit. Wenn Sie sich für grünen Strom interessieren und die Umwelt mit einem reduzierten CO₂-Fußabdruck entlasten möchten, finden Sie in einem Stromvergleich günstige Anbieter. Bei mehr als 1.000 Ökostromversorgern in Deutschland steht eine breit gefächerte Auswahl an ortsnahen und überregionalen Versorgern zur Verfügung. Preislich sind Ökostrom- und Klimaschutztarife im Durchschnitt auf dem gleichen Niveau angesiedelt wie konventionelle Stromangebote mit fossilen Quellen. Besonders nachhaltige Ökostromanbieter, bei denen jede Kilowattstunde ausschließlich aus erneuerbaren Energien ohne Atom, Öl oder Kohle stammt, sind an der Kennzeichnung ÖkoPlus zu erkennen.
Bonus- und Prämienzahlungen für Neukunden
Im Kampf um den günstigsten Stromtarif belohnen viele Anbieter ihre Neukunden mit einem attraktiven Begrüßungsgeld in Form einer Prämie oder einer Sofortbonuszahlung. Beim Neukundenbonus handelt es sich um einen einmalig gezahlten Pauschalbetrag, dessen Auszahlung am Ende der Vertragslaufzeit erfolgt. Je nach Höhe der Prämie vergünstigt sich das erste Belieferungsjahr um 25 bis 300 Euro. Möchten Sie die Bonuszahlung sofort erhalten, ist es sinnvoll, nach einem Tarif mit Sofortbonus Ausschau zu halten. Diese Wechselprämie gewährt der Anbieter innerhalb der ersten vier bis zwölf Wochen nach Vertragsbeginn. Teilweise vergünstigen Stromanbieter die Jahresrechnung durch Rabatte in Höhe von 10 bis 15 Prozent. Welche Voraussetzungen Neukunden erfüllen müssen, um einen Anspruch auf Bonuszahlungen zu erhalten, ist in den Vertragsdetails des Stromanbieters festgelegt. Oftmals ist der Neukundenstatus nicht gegeben, wenn in den vergangenen Monaten ein Vertragsverhältnis zu dem jeweiligen Versorger bestand.
Bestehende Energieverträge prüfen und rechtzeitig kündigen
Der Zeitpunkt, zu dem ein Anbieterwechsel möglich ist, hängt grundlegend von der Laufzeit des aktuellen Vertrags ab. Bei den meisten Energieversorgern sind Verbraucher zwölf Monate an ihren Vertrag gebunden. In manchen Fällen ist eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten vereinbart. Oftmals liegt dem Vertrag eine Kündigungsfrist zwischen sechs Wochen und drei Monaten zugrunde. Demnach sollten Verbraucher vor dem Anbieterwechsel den nächstmöglichen Kündigungszeitpunkt in Erfahrung bringen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. Dies ist bei Strompreiserhöhungen der Fall, welche auf gestiegene oder neu eingeführte Umlagen, Steuern oder staatliche Abgaben zurückzuführen sind. Allerdings beträgt die Frist für die außerordentliche Kündigung zwei Wochen, nachdem der Stromanbieter schriftlich über die Preiserhöhung informiert hat. Auch bei einem Umzug greift das Sonderkündigungsrecht mit einer Frist von sechs Wochen. In jedem Fall erfolgt der Wechsel des Stromanbieters aufgrund der Grundversorgungsverordnung und des Energiewirtschaftsgesetzes ohne Versorgungsunterbrechungen.