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News vom 15.08.2003

Mittelmaß darf nicht Maß aller Dinge werden


  • Wirtschaftlicher Handlungsspielraum stranguliert Wirtschaft.
  • Wettbewerbsfähigkeit schwindet durch Ingenieurmangel.
  • Rückgang in F&E-Etats wirft uns international zurück.


  • Auf der Eröffnungsveranstaltung des Deutschen Ingenieurtags 2003 in Münster erklärte VDI-Präsident Pro£ Hubertus Christ, dass Deutschland seine Zukunftschancen verspiele, wenn man nicht schleunigst in den internationalen Spitzenbereich der Technologieförderung zurückstoße. Verglichen mit anderen OECD-Ländern befände sich Deutschland bei öffentlichen Forschungsausgaben in Höhe von 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts lediglich auf Platz sieben. Zwischen 2000 und 2002 stiegen in Deutschland die gesamten staatlichen F&E-Ausgaben (Forschung und Entwicklung) nur um sechs Prozent. In Schweden investierte der Staat 30 Prozent mehr, die USA legte um 25 Prozent zu. "Deutschland ist nach wie vor ein großartiges Land mit großartigen Chancen. Aber der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum stranguliert die Unternehmen so, dass sie diese Vorteile nicht ausspielen können. Wir dürfen nicht in Selbstzufriedenheit erstarren, sondern müssen uns ranhalten, damit wir den Anschluss nicht verpassen", mahnte Christ angesichts dieser Situation.

    Der Mangel an Ingenieuren lege dem Fortschritt zusätzliche Fesseln an, so Christ. "20.000 fehlende Ingenieure pro Jahr sind zu viel. Diese Lücke bringt den Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr. Wenige Ingenieure bedeuten wenig Fortschritt - und das hat verheerende Folgen für Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenzahlen, Staatsverschuldung und Inflation." Ausländische Fachkräfte deshalb nach Deutschland zu holen, sei das Eine. Das Andere sei, die Gründe abzustellen, die jährlich tausende von Menschen veranlassen, aus Deutschland wegzugehen. Die Rahmenbedingungen für Menschen mit Ambitionen müssten laut Christ deutlich verbessert werden. "Das Mittelmaß darf nicht das Maß aller Dinge werden". Von hoher Wichtigkeit sei zudem, den Anteil natur- und ingenieurwissenschaftlicher Absolventen zu erhöhen. Im OECD-Vergleich befände sich Deutschland hierbei lediglich auf Rang zehn.

    In vielen Schlüsseltechnologien liegen deutsche Unternehmen dagegen weit vorne. Christ wies auf die Mikrosystem- und die Nanotechnik hin, in denen Deutschland gemeinsam mit wenigen anderen Ländern weltweit führend sei. Auch in den Optischen Technologien hätten deutsche Firmen einen Weltmarktanteil von 25 Prozent, im Bereich der Industrielaser sogar von 38 Prozent. Und der Photonik-Markt biete enorme Wachstumspotenziale: Der weltweite Umsatz von heute 80 Milliarden Euro soll in den nächsten zehn Jahren auf 500 bis 800 Milliarden Euro anwachsen.

    Um die führende Rolle Deutschlands zu behaupten, müsse sich nach den Vorstellungen Christs einiges ändern. Verschiedene politische Hemmnisse machen die Entwicklung und Durchsetzung mancher Technologien denkbar schwer. Zum Transrapid sagte Christ: "Der deutsche Bundeskanzler muss nach China reisen, um deutsche Technik in Betrieb zu sehen. Ein Trauerspiel in Deutschland. Ein Trauerspiel für Deutschland." Doch auch andere Forschungsgebiete seien durch politische Entscheidungen stark eingeschränkt, wie etwa die Kerntechnik. Natürlich, so Christ, müsse man politische Entscheidungen, bestimmte Technologien nicht anwenden zu wollen, respektieren, aber die Forschung darf nicht behindert werden. "Wir stehen dem Gesetzgeben jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite, um über Sinn und Folgen von Forschungseinschränkungen zu diskutieren."

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