Photovoltaikanlagen (PV) gehören inzwischen zur Grundausstattung nachhaltiger Energiekonzepte. Während Neubauten oft direkt mit PV-Technik geplant werden, stellt der Bestand eine komplexere Herausforderung dar – sowohl technisch als auch wirtschaftlich.
Dennoch ist gerade hier der Hebel für die Energiewende besonders groß: Rund 75 % der Wohngebäude in Deutschland wurden vor 1979 errichtet, wie das Umweltbundesamt in einem Hintergrundbericht feststellt, und verfügen meist über ungenutzte Dachflächen mit solarem Potenzial.
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Nachrüstung einer PV-Anlage bei Bestandsbauten
Der Weg zur effizienten PV-Nachrüstung beginnt mit der Bestandsaufnahme. Dabei treten regelmäßig folgende Faktoren zutage:
- Dachstatik und -ausrichtung: Nicht jede Dachform ist ideal. Dennoch ermöglichen leichte Modulsysteme heutzutage auch bei schwierigen Geometrien praktikable Lösungen.
- Elektroinstallation und Netzanschluss: Die Integration erfordert häufig eine Modernisierung der elektrischen Infrastruktur. Besonders bei älteren Gebäuden sollte hier mit Sorgfalt vorgegangen werden.
- Verschattungen und Dachaufbauten: Kamine, Gauben oder Bäume im Umfeld können den Ertrag beeinflussen. Simulationen im Vorfeld helfen, Optimierungen gezielt umzusetzen.
- Wirtschaftlichkeit und Eigenverbrauch: Die eigentliche Stärke moderner PV-Anlagen liegt im Eigenverbrauch – vorausgesetzt, dieser wird sinnvoll gesteuert.
Eigenverbrauch optimieren – mit intelligenten Systemlösungen
Damit PV-Anlagen im Bestand ihre volle Wirkung entfalten können, muss der erzeugte Strom möglichst effizient vor Ort genutzt werden. Intelligente Verbrauchssteuerung und Speicherlösungen machen den Unterschied. Vor allem in Mehrparteienhäusern kommen immer mehr innovative Energieverteilungskonzepte zum Einsatz, die eine Direktverteilung der über die PV-Anlage produzierten Energie an die Bewohner (Mieter) ermöglichen. Solche Systeme eröffnen neue Chancen für Wohnanlagen, in denen konventionelle PV-Nutzung bislang schwer realisierbar war.
Integration in das Gesamtsystem Gebäude
Für eine nachhaltige Wirkung sollte die PV-Anlage nicht als Insellösung gedacht werden. Vielmehr ist sie Bestandteil eines integrierten Energie- und Gebäudekonzepts:
- Kombination mit Wärmepumpen oder E-Mobilität:
Die Kombination von PV-Anlagen mit elektrisch betriebenen Verbrauchern wie Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ist ein Schlüsselfaktor zur Eigenverbrauchsoptimierung. Besonders Wärmepumpen profitieren von günstigem, selbst erzeugtem Strom, da ihr Betrieb flexibel steuerbar ist. Ebenso kann das Laden eines Elektroautos bevorzugt tagsüber erfolgen, wenn PV-Erträge anfallen. Hierdurch sinkt nicht nur der Netzbezug, sondern auch die Betriebskosten dieser energieintensiven Systeme.
- Einbindung in Energiemanagementsysteme (EMS):
Ein modernes Energiemanagementsystem überwacht die Stromerzeugung und verbräuche im Gebäude und steuert die Energieflüsse automatisiert. Es priorisiert den Eigenverbrauch, schaltet Lasten gezielt zu und kann sogar Prognosedaten einbeziehen (z. B. Wettervorhersagen oder Nutzungsprofile). Dadurch lassen sich Geräte wie Wärmepumpen, Speicher oder Wallboxen optimal in das Stromangebot einbinden. EMS-Lösungen sind essenziell, um komplexe Energiesysteme im Bestand effizient und nachhaltig zu betreiben.
- Nutzung von Lastverschiebungspotenzialen zur Eigenverbrauchserhöhung:
Ein zentrales Ziel bei PV-Anlagen im Bestand ist es, den Eigenverbrauchsanteil zu maximieren. Lastverschiebung meint dabei die gezielte Verlagerung von Stromverbräuchen in Zeiträume mit hoher PV-Erzeugung. Das betrifft insbesondere flexible Verbraucher wie Waschmaschinen, Trockner, Speicherheizungen, Warmwasserboiler und viele mehr. Je besser es gelingt, diese Lasten an das solare Energieangebot anzupassen, desto höher fällt der energetische und wirtschaftliche Nutzen der PV-Anlage aus – gerade in Mehrparteienhäusern oder Bestandsgebäuden mit komplexer Nutzerstruktur.
Technische Planung mit Weitblick
Die Nachrüstung von PV-Anlagen in Bestandsbauten ist kein Standardprojekt. Eine sorgfältige Planung unter Einbeziehung aller gebäudetechnischen Gewerke ist essenziell. Fachplaner und Ausführende sollten dabei folgende Punkte besonders beachten:
- Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen für realistische Erwartungen
- Modularität und Erweiterbarkeit für zukünftige Systemanpassungen
- Fördermöglichkeiten und regulatorische Rahmenbedingungen, insbesondere bei gemeinschaftlichen Nutzungskonzepten
PV im Bestand als Schlüssel zur dezentralen Energiewende
Bestandsgebäude sind kein Hindernis, sondern eine zentrale Stellschraube auf dem Weg zur Energiewende. Mit durchdachter Technik, innovativen Nutzungsmodellen und intelligenter Verbrauchssteuerung kann die Photovoltaik auch hier ihr volles Potenzial entfalten – technisch, ökologisch und wirtschaftlich. Und wer noch an den Mythos glaubt, dass Solarenergie für die globale Erderwärmung sorgt, der kann sicher sein: Solarenergie erzeugt weitaus weniger CO2 als fossile Energien und CO2 gilt als einer der Hauptverursacher der globalen Erwärmung. PV-Anlagen sind damit zu Recht als nachhaltige Energiekonzepte bereits seit Jahren auf dem Vormarsch – sowohl bei Neubauten als auch immer öfter bei Bestandsgebäuden und genau in diese Richtung soll es auch in den nächsten Jahren gehen.