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News vom 28.04.2026

Monolithische Außenwände und Naturkalk-Putz: Achteckiges Bürogebäude im niedersächsischen Garrel kommt ohne Heizung und Lüftungsanlage aus

Menschliche Wärme statt Brennwertkessel

Die „Burg Solo“ im niedersächsischen Garrel ist ein modernes Bürogebäude: drei Stockwerke, naturweißer Kalkputz, 650 Quadratmeter Gesamtfläche. Mit seinen dicken Außenwänden und den tiefen Fensterlaibungen erinnert es an eine Burg – und wie im Mittelalter gibt es dort keine klassische Heizung. Doch anders als zu Ritterzeiten muss niemand frieren.

550 m² Quadratmeter Fassadenfläche wurden mit Schweizer Naturkalk verputzt. <br />Bild: Agmadata/Haga<br />
550 m² Quadratmeter Fassadenfläche wurden mit Schweizer Naturkalk verputzt.
Bild: Agmadata/Haga

Das Gebäude ist der Sitz des IT-Unternehmens Agmadata. Der geschäftsführende Gesellschafter Helmut Vossmann realisierte hier seine Vision von nachhaltigem Bauen ohne teure Klimatechnik. „Es ist wohl das einzige Oktagon-Bürogebäude in monolithischer Bauweise in Deutschland“, vermutet er. Mit dicken Außenwänden und Naturkalkputz gelingt ein optimales Raumklima.

Das zweischalige Mauerwerk besteht aus Porotonsteinen in einer Stärke von je 36,5 Zentimetern. Zwischen den Ziegelwänden bleibt eine Luftschicht von zwei Zentimetern, was eine Gesamtstärke von 75 Zentimetern ergibt. Acht schlanke Betonsäulen tragen das Gebäude, alle Stockwerke werden über einen zentralen Schacht versorgt.

Für die Fassade wurden Naturkalk-Produkte des Schweizer Herstellers HAGA verwendet: Bio-Grundputz, Bio-Einbettmörtel und Hagasit Bio-Edelputz mit horizontaler Besenstruktur und einem Anstrich mit Silikatfarbe. Der Vorteil von Naturkalk im Außenbereich: Er nimmt bei Regen Feuchtigkeit auf und gibt sie schnell wieder ab. Die Fassade ist so nie wirklich nass, Schmutz haftet kaum an, Algen wird die Wachstumsgrundlage entzogen.

Das Gebäude benötigt kein eigenes Heizsystem. Für angenehme Temperaturen sorgen 45 Mitarbeiter mit ihrem natürlichen Wärmeeintrag von je 80 Watt sowie die Abwärme des technischen Equipments. Laut einer Simulation der TU Dresden bleibt die Temperatur so an 340 Tagen im Jahr zwischen 22 und 26 Grad. Sollten zu wenige Personen anwesend sein, liefert ein Gasbrennwertkessel eines Nebengebäudes Wärme, die mittels Betonkernaktivierung in Böden und Decken verteilt wird.

Da das Gebäude ausschließlich über die Fenster gelüftet wird, kommt dem Bio-Grundputz und der Kalkfarbe eine wichtige Funktion beim Regulieren der Luftfeuchtigkeit zu: Naturkalk kann bis zu 60 Liter Wasser pro 100 m² Wandfläche binden und ist durch einen pH-Wert von 13 resistent gegen Schimmel.

Zum Nachhaltigkeitskonzept gehört auch die Toilettenspülung mit Regenwasser. Dieses Brauchwasser könnte bei Bedarf auch zur Kühlung durch die Leitungen fließen. „Wir mussten aber noch nie kühlen“, sagt Vossmann. Im Sommer verschatten zudem die 75 Zentimeter tiefen Fensterlaibungen das Innere. Für die Akustik sorgt eine Decke aus verpresster Cellulose. Am Boden wurde statt Linoleum ein Sichtestrich gewählt, um Verschnitt in den 45°-Winkeln des Oktagons zu vermeiden.

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